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Devisen : Türkische Lira verliert deutlich an Wert

Istanbul: Die Wirtschaft der Türkei steckt in einer Krise. Bild: dpa

Der Kurs der türkischen Lira verfällt seit Februar stetig weiter. Erstmals seit Oktober kostet ein Dollar wieder mehr als sechs Lira.

          Die Türkei bereitet Investoren immer mehr Kopfzerbrechen. Die Anleger fühlen sich verunsichert von der innenpolitischen Lage nach den Kommunalwahlen, der unklaren Geldpolitik und den Spannungen zwischen Ankara und den Vereinigten Staaten und der EU. Sichtbarstes Zeichen für das schwindende Vertrauen ist der Wertverlust der türkischen Landeswährung. Am Montag kostete der Dollar zum ersten Mal seit sieben Monaten wieder mehr als 6 Lira. Der Rückgang betrug bis zu 1,3 Prozent auf 6,05 Lira je Dollar. Damit hat die Währung seit Jahresbeginn mehr als 11 Prozent eingebüßt; im Vorjahr war sie bereits um 29 Prozent gefallen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Analysten sagten, zum einen drückten die internationalen Handelskonflikte auf die Stimmung, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump das Vorgehen gegenüber China verschärft hatte. Washington forderte die Türkei darüber hinaus auf, nicht länger vor der Küste Zyperns nach Öl und Gas zu bohren. Dieser Schritt sei provokativ und könnte die Spannungen in der Region erhöhen, warnte Amerika. Zypern gehört zur EU, doch ist der nördliche Teil von der Türkei besetzt. Die Behörden Zyperns haben inzwischen einen internationalen Haftbefehl gegen die Besatzung eines türkische Schiffes erlassen, das seit Freitag in zyprischen Gewässern nach Rohstoffen suche. Nikosia will die „illegalen Bohrungen“ beim EU-Gipfel am 9. Mai in Bukarest zum Thema machen.

          Nach Ansicht von Fachleuten gibt es neben diesen Verwerfungen auch viele hausgemachte Schwachstellen in der Türkei, welche die Lira belasten. Dazu gehöre der wachsende Druck, den Präsident Tayyip Erdogan auf die oberste Wahlbehörde ausübt, damit diese die Bürgermeisterwahlen in Istanbul wiederholen lasse. Dort hatte Ende März Erdogans Regierungspartei AKP nach Jahrzehnten erstmals gegen die Opposition verloren. Am Wochenende sprach Erdogan von „Betrug“. Außerdem gab es Berichte, wonach Dutzende von Personen, die angeblich in Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung verstrickt waren, zur Gülen-Bewegung gehörten. Dieser wirft Erdogan vor, hinter dem Putschversuch von 2016 zu stecken. Ökonomen sagten, derlei politische Unsicherheit sei Gift für Anleger. Hinzu komme die unklare Zinsentwicklung in Zeiten einer weiterhin hohen Inflation.

          USD/TRY

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