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Türkische Währung auf Sinkflug : Rating der Türkei fällt tiefer in den Ramschbereich

Die Ratingagenturen rechnen nicht mit einer Rückkehr zur wirtschaftsorientierten Politik in der Türkei. Bild: dpa

Die Wirtschaft überhitzt und kreditfinanziert, die Politik nur interessiert an militärischen Konflikten. Geht es nach den großen Ratingagenturen, droht der Türkei eine harte Landung.

          Der politische Kurs der Türkei stößt auf internationalen Widerspruch. An den Finanzmärkten haben die Anleger schon vor längerem den Daumen gesenkt und den Wechselkurs der türkischen Lira auf Rekordtiefs zu Dollar und Euro sinken lassen. Das hat die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) nun dazu veranlasst, die Kreditwürdigkeit des Landes noch weiter in den Ramschbereich herabzustufen. Das Rating nahm S&P von BB“ auf „BB–“ zurück. Damit befindet sich das Land auf dem Niveau von Brasilien oder Vietnam.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die abermalige Herabstufung des Länderratings setzte die Türkische Lira unter Druck. So kostete ein Dollar 4,12 Lira. Der Euro war 4,95 Lira wert. Zwar hat sich die türkische Währung wieder erholt, seitdem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor zwei Wochen überraschend Neuwahlen angekündigt hatte. Trotzdem sind die Rekordtiefs mit der Herabstufung des Ratings wieder näher gerückt. Als Warnsignal kann der Anstieg der zehnjährigen Rendite einer türkischen Staatsanleihe, die in Dollar begeben wurde, betrachtet werden. Diese erhöhte sich am Mittwoch auf 6,172 Prozent, das war fast ein Prozentpunkt mehr als am 26. Januar. Die Renditen von Anleihen steigen, wenn deren Kurse fallen.

          Der türkischen Wirtschaft droht eine harte Landung

          Die Analysten stuften den weiteren Ratingausblick des Landes als stabil ein. Damit drohen der Türkei vorerst keine weiteren Herabstufungen. Jedoch ist sie auf dem aktuellen Niveau bei S&P schon drei Stufen vom investitionswürdigen Bereich entfernt. Bei Moody’s fehlen der Türkei bis dahin zwei Stufen. Wenn Anleihen nicht mehr als investitionswürdig gelten, können institutionelle Anleger wie Versicherer oder Pensionsfonds in diese nicht mehr investieren, weil die Anlagevorschriften ihnen das untersagen. Am Anleihemarkt wird dann vom Ramschbereich gesprochen.

          Die Fachleute von S&P sind besorgt über die türkische Wirtschaft, die überhitzt und sehr stark kreditfinanziert sei. Sie befürchten deshalb eine „harte Landung“. Das Risiko spiegeln ihrer Ansicht nach das immer weiter klaffende Leistungsbilanzdefizit sowie die hohe Inflation wider. Auch wenn Erdogan die Parlamentswahlen von November 2019 auf den 24. Juni 2018 vorgezogen hat, rechnen die S&P-Analysten mit keiner baldigen Rückkehr zu einer Wirtschaftspolitik, die sich der wachsenden Ungleichgewichte annimmt. Vielmehr sei zu erwarten, dass die bis März 2019 stattfindenden Regionalwahlen dem entgegenstehen könnten.

          Darüber hinaus verweisen die Bonitätsprüfer auf die politischen Risiken infolge des militärischen Eingreifens in Gebieten des Nachbarstaats Syrien, die von Kurden kontrolliert wurden oder noch werden. Die Analysten der Ratingagentur warnen vor möglichen militärischen Auseinandersetzungen mit amerikanischen Truppen. Eine Verschlechterung der Beziehungen mit den Vereinigten Staaten hätte schwerwiegende wirtschaftliche und finanzielle Konsequenzen für die Türkei.

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