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Fallende Glaubwürdigkeit : Bonität der Türkei weiter zurückgestuft

Präsident Recep Tayyip Erdogan: In der Türkei hat die Notenbank nach dem von ihm erzwungenen Chefwechsel den Leitzins gekappt. Bild: Reuters

Die Entlassung des bisherigen Zentralbankchefs der Türkei hat die internationalen Ratingagenturen aufgeschreckt. Die Folge ist eine Zurückstufung der Kreditwürdigkeit des Landes.

          Rund um den dritten Jahrestag des Putschversuches in der Türkei vom 15. Juli 2016 steuert die Wirtschaft des Landes einer unsicheren Zukunft entgegen. Nach Einschätzung von Analysten hat das vor allem mit dem angespannten Verhältnis zu Amerika und Europa zu tun und damit, dass die Zentralbank ihre Unabhängigkeit verloren habe. Die Außenminister der EU-Staaten berieten am Montag über mögliche Sanktionen gegen die Türkei, weil sie unerlaubter Weise vor der Küste des EU-Landes Zypern nach Gas bohre. Auch Washington könnte Sanktionen ankündigen, weil die Türkei vergangene Woche die ersten russischen Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 installiert hat.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Unterdessen hat Präsident Tayyip Erdogan Befürchtungen bestärkt, wonach künftig er selbst und nicht länger die Notenbank die Geldpolitik bestimmen wird. In Istanbul sagte er über den Leitzinssatz von gegenwärtig 24 Prozent: „Wir werden ihn in ernsthafter Weise verringern.“ Erdogan ist der unorthodoxen Ansicht, geringere Zinsen bremsten den Preisauftrieb. Seien die Zinsen erst einmal niedriger, „dann wird man sehen, dass die Inflation erheblich sinkt“, sagte er. Bis Jahresende werde sie einstellig sein, derzeit sind es 15 Prozent.

          Vergangene Woche hatte Erdogan den Zentralbankchef Murat Çetinkaya entlassen, weil er sich fallenden Zinsen widersetzt habe. Es wird erwartet, dass sein Nachfolger Murat Uysal am 25. Juli den Zins um bis zu 2 Prozentpunkte senken wird, um die Konjunktur anzukurbeln. Çetinkayas Entlassung hat die Ratingagentur Fitch dazu bewogen, die Kreditwürdigkeit der Türkei weiter zurückzustufen. Die Bonität für langfristige Devisenschulden beträgt jetzt „BB-“ mit negativem Ausblick. Damit steht die Türkei innerhalb der „Ramsch-Kategorie“ auf gleichem Niveau mit Bangladesch und Griechenland.

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          Als Grund für die Rückstufung nannte Fitch die sinkende Unabhängigkeit der Institutionen und die fallende Glaubwürdigkeit der Politik: „Die weniger vorhersehbare Entscheidungsfindung trifft auf ein Umfeld, wo die gegenseitige Kontrolle der Gewalten ausgehöhlt wurde und sich die Macht auf das Präsidentenamt konzentriert.“ Nach der Herabstufung fielen die Lira- und Aktienkurse. Die Lira hat seit Jahresbeginn fast 8 Prozent eingebüßt.

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