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Nach schlechtem Rating : Die Lira wertet wieder ab

Glücklich sieht anders aus: der türkische Präsident Erdogan in Ankara Bild: dpa

Schlechtere Bonitätsnoten für Banken schicken die türkische Währung wieder auf Talfahrt. Die Abwertung macht den Kauf türkischer Unternehmen interessanter – und ein Land investiert ungewöhnlich viel Geld in der Türkei.

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          Es wird wieder ungemütlich für die Lira am Devisenmarkt. Denn innerhalb von drei Tagen hat die türkische Währung am Devisenmarkt gegenüber Dollar und Euro jeweils rund 7 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Auslöser der Baisse war die Entscheidung der amerikanischen Ratingagentur Moody’s, schlechtere Noten für die Bonität 20 türkischer Finanzinstitute zu vergeben. Die Ratingagentur hatte ihre Entscheidung mit einer „bedeutsamen Zunahme der Risiken“ begründet.

          Gerald Braunberger
          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die türkischen Banken seien abhängig von der Aufnahme von Geldern in fremden Währungen, heißt es in der Analyse von Moody’s. Wenn sich allerdings die Stimmung an den Finanzmärkten verschlechtert, könnte das den Häusern erschweren, solche Mittel aufzunehmen. In den kommenden zwölf Monaten werden von türkischen Banken begebene Anleihen und aufgenommene Kredite über 77 Milliarden Dollar fällig. Die Banken haben allerdings nur 48 Milliarden Dollar in ihren Reserven, und die Währungsreserven der Zentralbank von 57 Milliarden Dollar dürften allenfalls zum Teil für die Geschäftsbanken verfügbar sein.

          Unterdessen hat die Zentralbank die Möglichkeiten der Geschäftsbanken zu kurzfristigen Finanzierungen untereinander beschränkt. Durch die Verknappung der Geschäfte mit Lira soll offenbar der Wertverfall der Lira gegenüber Fremdwährungen aufgehalten werden. Die vom Markt erwarteten Erhöhungen der Leitzinsen bleiben weiter aus.

          Türkische Unternehmen werden für Übernahmen interessant

          Der türkische Finanzminister Berat Albayrak versuchte am Donnerstag, Sorgen vor einer neuerlichen Verschärfung der Währungskrise zu zerstreuen. Die Kursschwankungen der Lira seien nicht geeignet, die Politik der Türkei zu beeinflussen, sagte Albayrak in Ankara. Die Hauptziele der Politik blieben eine Reduzierung der Inflationsrate und des Leistungsbilanzdefizits.

          Der massive Wertverfall der Lira in den vergangenen Wochen macht türkische Unternehmen für Fusionen und Übernahmen (M&A) durch ausländische Aufkäufer interessant. Zum einen sind die Geschäftsanteile für Devisenbesitzer preiswerter geworden. Zum anderen haben immer mehr türkische Unternehmen Schwierigkeiten, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen, und brauchen daher kapitalkräftige Partner aus dem Ausland.

          „Das Interesse an M&A-Geschäften nimmt zu, da bieten sich auch Chancen für deutsche Käufer“, sagt Frank Kaiser von der Deutschen Handelskammer in Istanbul. Unternehmen aus der Bundesrepublik könnten zum Beispiel ihre türkischen Zulieferer oder Konkurrenten erwerben – einschließlich der Devisenschulden, die sich im Euroraum einfacher bedienen ließen als mit der schwachen Lira.

          „Möglichkeiten, um einzusteigen, gäbe es viele, auch für den deutschen Mittelstand“, sagt Kaiser. Etwa im Maschinenbau, in der Auto-Zulieferindustrie, der Energie- und Lebensmitteltechnik, der Spezialchemie. Seit dem Putschversuch 2016 hielten sich deutsche Betriebe, die noch nicht in der Türkei seien, mit Engagements dort zurück. Sich an einem bestehenden Unternehmen zu beteiligen, könnte ihnen den Marktzugang erleichtern, glaubt Kaiser.

          Wirtschaftskanzleien, die in der Türkei tätig sind, bestätigen, dass die Zeit für M&A günstig sei. Noch registriere man zwar keinen starken Anstieg der Transaktionen, es gebe aber interessante Einzelfälle, sagt Döne Yalçin, Partnerin vom CMS in Istanbul. So führten die hohen Devisenbelastungen in den Bilanzen einiger türkischer Unternehmen zu „technischen Insolvenzen“, die über den Verkauf an Ausländer gelöst würden.

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