https://www.faz.net/-gv6-9cvy2

Trump und die Fed : Ist die Unabhängigkeit der amerikanischen Geldpolitik bedroht?

  • Aktualisiert am

Amerikas Präsident Trump mit Fed-Chef Jerome Powell Bild: dpa

Um eine unabhängige Geldpolitik Amerikas zu gewährleisten, sollte sich die Regierung aus den Entscheidungen der Fed heraushalten. Präsident Trump kümmert sich jedoch wenig um solche Traditionen.

          Vom Weißen Haus bis zum Sitz der amerikanischen Notenbank Federal Reserve ist es nur ein Spaziergang - in Amerikas Hauptstadt Washington liegen die zentralen Schaltstellen der Macht nah beieinander. Dennoch bleiben die Vertreter der Institutionen für gewöhnlich auf Distanz zueinander - aus gutem Grund:

          Um eine unabhängige Geldpolitik zu gewährleisten, soll sich die Regierung aus den Entscheidungen der Währungshüter heraushalten. Präsident Donald Trump schert sich jedoch wenig um solche Traditionen und Gepflogenheiten.

          Vor knapp zwei Wochen legte er jegliche Zurückhaltung ab und erklärte in einem TV-Interview frei heraus, er sei mit der amerikanischen Geldpolitik „nicht glücklich“. Der Grund liegt auf der Hand: Während Trumps Regierung die boomende Wirtschaft mit Steuersenkungen weiter befeuert, steuert die Fed einer Überhitzung entgegen.

          Zweimal hat sie den Leitzins 2018 schon erhöht und zwei weitere Zinsschritte bis Jahresende in Aussicht gestellt. Auch wenn die Notenbank bei ihrem Zinsentscheid am Mittwoch (20:00 Uhr deutscher Zeit) noch stillhalten dürfte, macht der Präsident keinen Hehl daraus, dass ihm ihr Kurs nicht gefällt.

          Ein starker Dollar ist Trump ein Dorn im Auge 

          Obwohl das Weiße Haus nach dem Interview in einem Statement beteuert hatte, Trump wolle sich nicht in die Belange der Fed einmischen und respektiere „natürlich“ deren Unabhängigkeit, machte der Präsident seinen Standpunkt danach noch einmal bei Twitter deutlich:

          „Ich mag es nicht, wenn ich die Zinsen steigen sehe nach all der Arbeit, die wir in die Stärkung der Wirtschaft gesteckt haben.“ Während China, die EU und andere ihre „Währungen und Zinsen nach unten manipuliert“ hätten, werde der Dollar mit jedem Tag stärker und nehme den Vereinigten Staaten ihren „großen Wettbewerbsvorsprung“.

          Dass der Dollar aufwertet, ist Trump ein besonderer Dorn im Auge, da dies amerikanische Waren im Ausland verteuert und so die Exportwirtschaft bremst. Eines der zentralen Ziele seiner Regierung ist es, die hohen Außenhandelsdefizite der Vereinigten Staaten zu verringern.

          Trump interpretiert sie einer Art „Nullsummen-Ökonomie“ folgend als Zeichen von Schwäche und Ergebnis unfairer Handelsabkommen. Nun fürchtet ausgerechnet er, der im Wahlkampf noch gepoltert hatte, die Fed würde mit künstlich niedrigen Zinsen Finanzblasen riskieren, dass eine zu straffe Geldpolitik die Wirtschaft abwürgt und seiner Politik schadet.

          „Es ist nicht der Job der Fed, Trump glücklich zu machen“

          In der Finanzwelt sorgt Trumps Gemaule Richtung Notenbank für viel Gesprächsstoff. „Lässt sich seine öffentlich vorgetragene Kritik schon als Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank ansehen? Ist diese gar bedroht?“ - diese Fragen warf etwa Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner vor der Zinssitzung auf. Das Fazit des Experten: Auf den ersten Blick sei die Fed zwar vor politischem Druck durch institutionelle Sicherungen geschützt. „Längerfristig wird die Notenbank aber keine Politik verfolgen können, die den Vorstellungen von Regierung und Kongress zuwiderläuft.“

          In Amerika fiel das Echo auf Trumps Kritik indes ziemlich klar aus. „Es ist nicht der Job der Fed, Trump glücklich zu machen“, schrieb etwa das marktliberale „Wall Street Journal“, das im Verlag von Medienmogul Rupert Murdoch erscheint, der als enger Trump-Vertrauter gilt und auch dessen Haus-und-Hof-Sender Fox News betreibt.

          Der Präsident habe mit seiner Kommentierung der Zinspolitik eine „Linie überschritten“, die die Zentralbank nun mit Nachdruck neu einzeichnen müsse, so das einflussreiche Wirtschaftsblatt. Mit anderen Worten: Um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen, könnte die Fed sogar überreagieren und genau das Gegenteil von dem tun, was Trump fordert

          Weitere Themen

          Wie Facebook für Libra werben will

          Geplante Digitalwährung : Wie Facebook für Libra werben will

          Facebook plant mit Libra eine Digitalwährung, die das Bezahlen revolutionieren soll. Die Kritik daran ist groß – besonders in Washington. Nun will der Konzern seinen Skeptikern entgegenkommen. Und zugleich eine Warnung aussprechen.

          Topmeldungen

          Persischer Golf : Amerika meldet Abschuss iranischer Drohne

          Amerikas Präsident zufolge zerstörte die „USS Boxer“ das unbemannte Fluggerät über der Straße von Hormus, weil sie ihr zu nahe gekommen sei. Teheran entgegnet, Iran fehle keine Drohne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.