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Handelskrieg mit China : Trump nimmt die Anleger in Geiselhaft

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: AFP

Der amerikanische Präsident geriert sich wie ein Feldherr – der ohne Rücksicht auf Verluste aus allen Kanonen schießt. Sein Handeln lehrt Anleger aus aller Welt das Fürchten.

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          Schluss mit dem Gerede von einem „Handelskonflikt“! Was sich zwischen den Vereinigten Staaten, repräsentiert von ihrem irrlichternden Präsidenten Donald Trump, und China abspielt, ist am Freitag dermaßen eskaliert, dass Begriffe wie Konflikt oder Streit allzu beschönigend klingen und nun durchaus von einem „Handelskrieg“ gesprochen werden kann. Und das nicht nur, weil sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt mit immer höheren Zöllen überziehen und der Weltwirtschaft dadurch groben Schaden zufügen. Sondern auch, weil Trumps Freund-Feind-Denken immer ausgeprägter und seine Wortwahl immer martialischer wird, sodass Kompromisse nur noch schwer möglich scheinen.

          Der Präsident geriert sich wie ein Feldherr, der ohne Rücksicht auf Verluste aus allen Kanonen schießt und amerikanische Konzerne zu seinen Fußtruppen degradieren will. Den Unternehmen „wird hiermit befohlen“, so Trump, ihre Produkte nicht länger in China, sondern in ihrer Heimat herzustellen. Solche Ideen lehren auch Anlegern aus aller Welt das Fürchten.

          Nachdem China am Freitag überraschend neue Strafzölle auf amerikanische Waren im Volumen von 75 Milliarden Dollar angekündigt hatte, schlug Trump in Rage zurück: Er hob die Strafzölle chinesischer Importe um fünf auf 30 Prozent an, begleitet von scharfen Schüssen auf Twitter, die an den Börsen heftigst einschlugen. Anleger brachten ihr Geld in Sicherheit, ließen Aktien fallen und flüchteten sich in Staatsanleihen. Deren Renditen fielen, ebenso die Börsenkurse: Der Technologieindex Nasdaq verlor drei Prozent, der S&P-500 2,6 Prozent. Die Angst nimmt zu, dass der Handelskrieg heißer wird und die Welt in eine Rezession treibt.

          Der Handelskrieger Trump versucht nicht nur, Unternehmen und ihre Investoren in Geiselhaft zu nehmen, sondern auch die amerikanische Notenbank. Er setzt sie unter Druck, die Zinsen zu senken. Fed-Chef Powell, von Trump auch als „Feind“ angesehen, widersetzt sich zwar tapfer. Wenn aber die negativen Effekte des Handelskrieges zunehmen und die Wirtschaft arg leidet, könnte die Fed zu Zinssenkungen und womöglich neuen Anleihekäufen gezwungen sein. Die Notenbank würde dann im Handelskrieg zum Reparaturbetrieb.

          Die Börsen würden sich über eine lockerere Geldpolitik freuen, es gäbe wieder mehr Geld zum Investieren. Kommt es aber zu einer Rezession, ist keinem gedient.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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