https://www.faz.net/-gv6-96ocq

Schwacher Dollar sorgt Anleger : Wacker hat mit Siltronic einen Schatz in der Truhe

In der Herstellung eines Silizium-Einkristalls hat Reinheit höchste Priorität. Bild: ddp Images

Trotz guter Geschäftszahlen sind die Anleger besorgt. Doch der Börsengewinner des Jahres 2017 kann das Kursminus verschmerzen.

          2 Min.

          Es ist wieder einmal einer dieser verrückten Tage an der Börse: Da meldete Siltronic, im Tec-Dax geführt, vor wenigen Tagen einen gewaltigen Gewinnsprung für das zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2017. Und dennoch schmierte der Aktienkurs um 8 Prozent ab. Es spielte auch keine Rolle, dass der Hersteller von Siliziumscheiben (Wafern) inzwischen an seine Grenzen stößt, wenn es um die Produktion des wichtigen Vorprodukts für die Halbleiterindustrie geht. Die Nachfrage nach dem in Smartphones und in der Autoelektronik eingesetzten Material übersteigt die Fertigungskapazitäten deutlich.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Ein Hinweis in der Pressemitteilung von Siltronic hat für Unruhe gesorgt. Der gegenüber dem Euro schwache Dollar als Abrechnungswährung werde im neuen Jahr Spuren hinterlassen. Negative Währungseffekte würden sich mit 100 Millionen Euro im Umsatz und mit 60 Millionen Euro im operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) niederschlagen. Das schreckte die Anleger. Dabei soll auch der Umsatz für das Jahr 2018 wieder um einem zweistelligen Prozentsatz steigen, nachdem das Plus schon für das vergangene Jahr mit 26 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro beachtlich ausgefallen war.

          SILTRONIC AG NA O.N.

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Wegen des derzeit engen Marktes konnte die seit Juni 2015 an der Börse notierte Gesellschaft die Preise für Wafer aus anspruchsvollem Reinstsilizium um bis zu 30 Prozent erhöhen. Einhergehend mit den wachsenden Produktionsmengen sprudelten daher die Gewinne: Das Ebitda hat sich von 146 auf 353 Millionen weit mehr als verdoppelt, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat sich von 27 auf 236 Millionen Euro mehr als verachtfacht. Die Umsatzrendite sprang deutlich von 2,7 auf 20 Prozent. Nur ein kleiner Teil von 15 Millionen Euro war auf Kostenersparnisse zurückzuführen. Und die Ertragsperspektiven bleiben prächtig. Denn Siltronic rechnet im Jahr 2018 mit weiteren Preiserhöhungen, auch wenn sie nicht mehr so kräftig ausfallen sollten.

          Den kürzlichen Kursverlust kann Siltronic verschmerzen. Die Aktie war mit einem Kursplus von fast 180 Prozent hierzulande einer der größten Kursgewinner des vergangenen Jahres. Mit Blick auf das trübe Börsendebüt mit einem Emissionspreis von 30 Euro Mitte 2015, dem Kursrutsch auf 13 Euro bald danach und einem Dahindümpeln bis August 2016 hat sich Siltronic plötzlich zum Börsenmärchen entwickelt. Zur Freude auch von Wacker Chemie.

          Der Münchner Spezialchemiehersteller hat nach langem Hin und Her seine Reinstsilizium-Aktivitäten an die Börse gebracht, aber – zum Glück – mit knapp 58 Prozent die Mehrheit behalten. Die offen geäußerte Absicht, diese Beteiligung zu reduzieren, machte das Unternehmen mit kleinen eher unscheinbaren Paketverkäufen wahr. Im März 2017, aus heutiger Sicht viel zu früh, hat Wacker dann einen Anteil von 21 Prozent bei institutionellen Investoren plaziert und den Siltronic-Anteil auf 30,83 Prozent abgebaut – zum Kurs von 55,50 Euro. Das brachte einen aus damaliger Sicht stolzen Erlös von 352 Millionen Euro; heute allerdings würde es 770 Millionen Euro dafür geben.

          Wie Siltronic hat Wacker Chemie mit seinen Siliziumvorprodukten in früheren Jahren unter den Launen der Halbleiter- und Solarindustrie stark gelitten. Umsatz und Ertrag waren wegen der labilen Preise und Absatzmengen extrem schwankungsanfällig. Das hatte bei Wacker zu Kursturbulenzen und einem erheblichen Wertverfall geführt.

          Parallel zu Siltronic hat sich die im M-Dax gehandelte Aktie dann jedoch seit eineinhalb Jahren äußerst positiv entwickelt und gehörte ebenfalls zu den überdurchschnittlichen Kursgewinnern im Börsenjahr 2017. Aufgrund der eigenen wechselvollen Börsengeschichte kann das Unternehmen mit dem Erlös aus dem Verkauf der Siltronic-Aktien gut leben. Das Beste aber ist: Wacker hat ja noch ein großes Paket von Siltronic in seiner Schatztruhe, das aktuell immerhin einen Marktwert von 1,14 Milliarden Euro hat.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          „Im Sommer wird es wieder besser“

          Ausblick 2020 : „Im Sommer wird es wieder besser“

          Die DZ Bank rechnet Mitte des nächsten Jahres mit einem Anziehen der Konjunktur. Bedenklich äußern sich die Ökonomen nicht nur zu den Niedrigzinsen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.