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Friedrich von Metzler gab am Dienstag seine letzte Jahrespressekonferenz. Der Privatbankier zieht sich Mitte des Jahres aus der Geschäftsleitung des Bankhauses zurück (Archiv). Bild: Frank Röth

Bankhaus Metzler : „Italien fängt nicht südlich des Brenners an“

Von „griechischen Verhältnissen“ sei Italien noch weit entfernt, aber der Euro könne in schweres Fahrwasser geraten, warnt ein Gesellschafter des Bankhauses Metzler. Die Privatbank sieht trotz Krise in Rom Potential im Dax.

          Im Bankhaus Metzler denkt man in langen Zeiträumen, mehr als 340 Jahre des Bestehens haben gegenüber manche Aufregung immun gemacht. Das galt für den Patron der Privatbank, Friedrich von Metzler, der sich in diesem Sommer offiziell aus dem operativen Geschäft zurückziehen will. Und das gilt auch für Emmerich Müller, der seit einigen Jahren als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter agiert.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So kann Müller, als er am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz der Privatbank auf die jüngsten Entwicklungen in Italien und die Folgen für die Märkte angesprochen wird, ganz gelassen auf eine Studie des Hauses vom Herbst zur „Causa Italia“ verweisen. „Wir haben damals schon gesagt, es wird Wahlen geben und damit verbunden politische Verwerfungen“, sagt Müller. „Wie immer reagieren die Märkte mit Volatilität.“

          Etwas konkreter wird Müllers Kollege im Partnerkreis, Michael Klaus. „Italien fängt nicht südlich des Brenners an, sondern ist bis an den Main vorgedrungen“, warnte Klaus. „Und das liegt nicht nur an der EZB.“ Vor allem mit Blick auf die italienischen Verbindlichkeiten, die bei einigen deutschen Banken liegen, sorgt sich der Bankier. Allein die Commerzbank halte fast 10 Milliarden Euro in italienischen Staatsanleihen, was immerhin 43 Prozent von deren harten Kernkapital entspreche. Er glaube zwar nicht, dass durch die italienische Krise „griechische Verhältnisse“ entstehen könnten. „Sie kann aber dazu führen, dass der Euro in schweres Fahrwasser gerät“, sagte Klaus.

          Kein Vergleich zur Situation 2007 oder 2008

          Vor allem wenn die EZB dazu übergehen sollte, bei den Anleihekäufen in Italien die selbstgesteckte Schwelle von 33 Prozent zu überschreiten, würde das zu einem großen Vertrauensverlust führen. Vorübergehend erwarte er, dass sich der Eurokurs zwischen 1,05 Dollar und 1,15 Dollar bewegen werde.

          Von der großen Liebe zu Aktien für die Geldanlage lässt man sich im Bankhaus aber auch in solchen Zeiten nicht abbringen. „Wir haben derzeit nicht die Befürchtung, dass wir vor einer Situation wie 2007 oder 2008 stehen. Dafür sind die Fundamentaldaten noch zu stark“, sagte Klaus. Das Potential für weitere Kurszuwächse müsse sich aus den Gewinnen der Unternehmen speisen. Diese Gewinne seien weiterhin in Takt.

          1000 Punkt Luft nach oben im Dax

          Auch er glänzt durch Gelassenheit: „Wenn eine Hausse so alt ist wie die aktuelle, brauchen die Märkte ab und zu mal einen kleinen Knicker.“ Der aktuelle Rücksetzer sei ein klassisches Beispiel für einen „Risk-off“-Modus, also ein Phase, in der die Anleger versuchen, die Risiken in ihren Portfolios zu verringern. Für den deutschen Aktienindex ist Klaus durchaus noch zuversichtlich. „Wir sehen für den Dax noch ein Potential von 1000 Punkten nach oben. Dann wird die Luft allerdings dünn, schon wegen der Länge der laufenden Hausse.“

          Auch geschäftlich hat sich im Bankhaus Metzler im Jahr 2017 einiges getan. Vor allem den Einstieg in das Geschäft mit Betriebsrenten sehen die Frankfurter als Erfolg. Die Umsetzung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes hat das Bankhaus dafür genutzt, um den Metzler Pensionsfonds aufzusetzen. Mit 14 Trägerunternehmen und 12.000 „Versorgungsverhältnissen“ umfasse der Fonds inzwischen Kapitalanlagen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro und ist damit nach Angaben von Müller einer der größten überbetrieblichen, nicht versicherungsförmigen Pensionsfonds in Deutschland – Tendenz wachsend.

          Unterm Strich blieben die traditionellen 2,3 Millionen Euro übrig – diese standardisierte Ausschüttung an die Familie Metzler macht den Blick in die veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung des Familienunternehmens weitgehend wertlos. Nach Angaben von Müller gelang es der Bank aber, den Provisionsüberschuss um 10 Prozent auf 193 Millionen Euro zu steigern und damit das mit 8 Millionen Euro ohnehin weit unbedeutendere, aber mehr als halbierte Zinsergebnis zu kompensieren. Das Geschäftsvolumen gibt das Bankhaus mit 3,9 Milliarden Euro an.

          Wie bei vielen Banken drücken auch bei Metzler die Kosten für die Regulierung zunehmend. Allein für Beratungsleistungen rund um die Einführung des neuen Regelwerks Mifid II habe die Bank mehr als 4 Millionen Euro ausgeben müssen, sagte Müller. Um die Stabilität der Bank sorgt sich indes niemand. „Mit einer Kernkapitalquote von über 20 Prozent sehen wir uns für bestehende und künftige aufsichtsrechtliche Anforderungen weiterhin gut gerüstet“, sagte Müller.

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