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Trotz Diesel-Skandal : Autoaktien haben ihren Reiz

Aber wenn die Stimmung schlecht ist, wittern einige mutige Anleger auch immer eine Chance. Schließlich sind die Aktien so günstig wie nie. „Deutsche Autoaktien sind derzeit im historischen Vergleich sehr niedrig bewertet, sie erscheinen billig“, sagt Stephen Reitman von der Société Générale. Bei Volkswagen ist das besonders auffallend. Der Kurs spiegelt nur noch etwa die Hälfte des Buchwertes wider, das gibt es sonst in der Regel nur bei Unternehmen, die Verluste machen (und bei Banken). Davon ist VW aber weit entfernt, im zweiten Quartal 2017 verdienten die Wolfsburger 4,5 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

„Ich finde die Diesel-Diskussion übertrieben.“

Auch am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt sich, wie günstig Autoaktien sind. VW hat nur ein KGV von knapp fünf, das heißt der Aktienkurs spiegelt nur das Fünffache des für Ende 2018 erwarteten Gewinns wider. BMW und Daimler haben ein KGV von rund sieben. Das ist weit unter den früheren Niveaus und auch deutlich unter dem Durchschnitt der anderen Dax-Werte, der bei 13 liegt.

Locken da also ein paar Schnäppchen? „Die Stimmung ist insgesamt zu pessimistisch. Die deutsche Autobranche wird nicht untergehen, die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal waren ordentlich“, sagt Analyst Reitman. In der Tat, die Autobauer verbuchten von April bis Juni Milliardengewinne. Es gibt ein paar weitere Anzeichen, die die Weltuntergangsstimmung relativieren. So ist die Profitabilität vieler Hersteller auf einem Rekordstand, selbst bei VW sieht es gut aus, trotz der Lasten, die aus dem Diesel-Skandal entstanden sind. Außerdem gilt: Die deutschen Automobilhersteller sind finanziell sehr gut ausgestattet, sie sind also gerüstet für den anstehenden Wandel in der Branche. „Die Konzerne haben starke Bilanzen und erzielen jedes Jahr drei bis vier Milliarden Euro Barmittel“, betont Jose Asumendi von der amerikanischen Investmentbank JP Morgan.

VOLKSWAGEN VZ

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So relativieren sich auch die Belastungen aus der Diesel-Diskussion, etwa durch die vereinbarten Software-Updates, den Mobilitätsfonds, die Rabatte für Autokäufer und mögliche Kartellstrafen. „Ich finde die Diesel-Diskussion übertrieben. Die finanziellen Folgen daraus werden durch die immer noch gute Nachfrage kompensiert“, sagt Asumendi. Er weist darauf hin, dass zum Beispiel Daimler 2016 eine Kartellstrafe von einer Milliarde Euro wegen jahrelanger illegaler Absprachen bei Lastwagen zahlen musste. Das ist die höchste jemals verhängte Kartellstrafe der EU. Daimler konnte die Strafe aber ohne Mühe zahlen.

Für die Autoaktien sprechen auch weiterhin die hohen Dividenden, der „Zins für Aktien“, wenn man so will. Die Dividendenrenditen, die die Ausschüttungen ins Verhältnis zum Aktienkurs setzen, liegen bei attraktiven etwa fünf Prozent für BMW und Daimler, nur VW fällt mit der Hälfte etwas ab.

Gefahr durch die Grünen

Als Favorit der Analysten gilt derzeit BMW. Im August empfahlen 53 Prozent von ihnen den Titel zum Kauf. Bei VW waren es 46 Prozent, bei Daimler nur 42 Prozent. „Aus unserer Sicht ist BMW unter den deutschen Herstellern am besten auf die E-Mobilität vorbereitet, da das Unternehmen wertvolle Lektionen aus der Marktreaktion auf das Modell i3 gelernt hat,“ sagt Stephen Reitman von der Société Générale. Das Stromauto i3 erfüllt bisher zwar nicht die Erwartungen.

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Das könnte sich aber ändern, weil nun die Reichweite deutlich verlängert wird. Volkswagen hat durch die schiere Größe als zweitgrößter Hersteller der Welt einen großen Hebel, die Kosten zu senken und macht das auch erfolgreich. Aber bei Elektroautos ist VW etwas im Rückstand. Daimler war die erfolgreichste Autoaktie der vergangenen Jahre, wird aber 2018 kaum neue Modelle in hohen Stückzahlen präsentieren.

Alle Hersteller warten nun gespannt auf die Bundestagswahlen. Kommen die Grünen in die Regierung, könnte die Diesel-Debatte an Schärfe zulegen und die Auflagen könnten härter und teurer werden. Ohne die Grünen ist vielleicht sogar hier mit einer Entspannung zu rechnen. So könnten die Autoaktien zumindest mal wieder einen kleinen Schub erhalten.

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