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Trotz Corona : Mehr Börsengänge zu Jahresbeginn

Freunde von Börsengängen hoffen 2020 wieder einmal auf einen Siemens-Spin-Off. Bild: Reuters

Viele Börsendebüts gab es im ersten Quartal trotz Corona vor allem in China. In den westlichen Ländern stockte der Markt schon früher.

          3 Min.

          Ungeachtet der immer weiter zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus auf der ganzen Welt hat sich der Markt für Börsengänge in den ersten Monaten dieses Jahres vor allem in Asien offenbar noch vergleichsweise gut entwickelt. Allerdings hatten sich lange Zeit auch die internationalen Aktienmärkte recht immun gezeigt und viele große Indizes noch Rekordhöhen erreicht. Erst im März rutschen viele Börsen tief ins Minus.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Indem noch der Schwung des vierten Quartals ausgenutzt worden sei, habe sich der Markt für Börsengänge vor allem in ersten zwei Monaten dieses Jahres noch ganz gut entwickelt, sagt Paul Go, Leiter des Geschäfts für Börsengänge des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY auf der Welt.

          Die unerwarteten und neuartigen Ereignisse rund um das Coronavirus hätten dann aber zusammen mit anderen Faktoren so große Marktturbulenzen verursacht, wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Diese extreme Volatilität am Aktienmarkt mache nun jegliche Ambitionen, an die Börse zu gehen, hochgradig unsicher. Daher sollten Börsenkandidaten auch alternative Wege erwägen, um sich zu finanzieren, bis sich die nächste Möglichkeit zu einem Börsengang ergebe.

          Insgesamt wagten nach den Daten von EY im traditionell ohnehin weniger aktiven ersten Quartal auf der ganzen Welt 235 Unternehmen den Sprung auf das Parkett – ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Emissionsvolumen kletterte um fast 90 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar. Trotz der Corona-Krise sei die Zahl der registrierten Börsendebüts sogar kontinuierlich gestiegen, von 75 im Januar, über 77 im Februar auf 83 im März, sagt EY.

          Börsenkandidaten und Investoren seien von der Krise kalt erwischt worden, sagt Martin Steinbach, Partner von EY. Die Verschärfung dieser Krise und die enorme Volatilität an den Aktienmärkten habe schließlich die Aktivität besonders im stark exportorientierten Europa gebremst.

          Dabei hätten hierzulande Unternehmen schon kurz davor gestanden, ihre Börsenpläne zu veröffentlichen. Alternative Wege an die Börse, die eine Kapitalaufnahme und die Erstnotiz am Aktienmarkt zeitlich voneinander trennten, dürften nun stärker in den Fokus rücken, sagt Steinbach. So habe das Tübinger Biotech-Unternehmen Immatics im März angekündigt, zunächst mit einem schon börsennotierten Unternehmen zu fusionieren und sich anschließend zum Handel an der Nasdaq zu registrieren. Ihren Börsengang abgesagt hatten der Autozulieferer Vibracoustic und der Chemiekonzern Atotech, der in Amerika an den Markt wollte (F.A.Z. vom 25. Februar).

          China stärkster Markt

          Auch wenn die Krise gerade in Asien ihren Anfang nahm, fanden dort laut EY im ersten Quartal mehr als zwei Drittel aller Börsengänge statt, vor allem in Schanghai und dem Juniormarkt Star. 159 Unternehmen wagten in Asien den Gang auf das Parkett (plus 13 Prozent) mit einem zum Vorjahresquartal verdoppelten Emissionsvolumen von 18,1 Milliarden.

          Bemerkenswert sei, dass gerade China trotz der starken Ausbreitung des Virus und der zum Teil massiven Beschränkungen des öffentlichen Lebens der stärkste Mark für Börsengänge auf der ganzen Welt gewesen sei, sagen die Fachleute von EY. Einschließlich Hongkongs sammelten hier 90 Börsenneulinge rund 13,2 Milliarden Dollar ein, etwa doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

          Europa im Rückwärtsgang

          In den Vereinigten Staaten gab es im ersten Quartal laut EY unverändert 24 Börsengänge, das Emissionsvolumen stieg hier um 39 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. In Europa sank die Zahl der Debüts von 24 auf 18, das Volumen verdreifachte sich jedoch auf 1,2 Milliarden Euro. In Europa und Amerika Staaten gab es in der zweiten Hälfte des Monats März nur noch einen einzigen Börsengang gegeben, den des schwedischen Medizintechnikunternehmens Monivent.

          Der größte Börsengang der Welt im ersten Quartal war laut EY der des chinesischen Hochgeschwindigkeitsbetreibers Beijing-Shanghai High Speed Railway mit 4,4 Milliarden Dollar im Januar. Das zweitgrößte Debüt fand in Thailand statt, ebenfalls im Januar. Hier erlöste der Einzelhändler und Betreiber von Einkaufszentren CRC rund 2,3 Milliarden Dollar. Der amerikanische Arzneimittelentwickler PPD erzielte schließlich im Februar mit seinem Börsengang 1,9 Milliarden Dollar. Insgesamt gab es nach Daten von EY sechs Transaktionen mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar. Der größte Börsengang in Europa, der britische Hersteller von intelligenten Stromzählern Calison, kam auf ein Volumen von 436 Millionen Dollar.

          Verhaltene Zuversicht für Börsengänge in Europa äußert Steinbach für die kommenden Monate für Unternehmen mit belastbaren Geschäftsmodellen aus den Bereichen Gesundheit und Technologie. Namen möglicher Börsenkandidaten, die zu Jahresbeginn hierzulande kursierten, waren Siemens Energy, als Abspaltung des Technologiekonzerns Siemens, und Springer Nature.

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