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Traurige Rekorde : Die schwärzesten Tage des Dax

Handelssaal der Frankfurter Börse Bild: dpa

Deutlich abwärts geht es am Montag mit dem Dax. Einer der höchsten Verluste bislang, doch von traurigen Rekorden noch etwas entfernt.

          2 Min.

          Dass dieser Montag ein schwarzer Tag für den deutschen Aktienmarkt wird, scheint zur Mittagszeit ausgemacht. Obwohl man nie sicher sein kann und eigentlich angesichts der Minuszeichen ja eher von einem roten Tag sprechen sollte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn das aktuelle Minus von 8,35 Prozent schmerzlich ist, so muss sich die Lage dennoch deutlich verschlechtern, damit der 9. März in die Börsenannalen eingeht – obwohl die erste Märzhälfte schon einige denkwürdige Tage gesehen hat. Nicht so sehr wegen der „Iden des März“, an denen vor mehr als 2000 Jahren Julius Cäsar ermordet wurde und die den 15. März bezeichnen.

          Aber zum einen jährt sich am morgigen Dienstag zum 20. Mal das Allzeithoch des „Neuen Marktes“, jener Technikbörse die Deutschland für kurze Zeit in einen Börsentaumel versetzt hatte. Und am 7. März desgleichen Jahres hatte der Dax erstmals die Marke von 8000 Punkten überschritten, nur an diesem Tag und dann für siebeneinviertel Jahre nicht wieder.

          Der größte Kursverlust

          Am 9. März 2020 beträgt das Minus nun aktuell 8,35 Prozent oder 963,98 Punkte. In absoluten Zahlen ist dies – fast zwangsläufig – der schwärzeste (oder röteste) Tag des Dax. Aber das führt natürlich in die Irre. Denn einen Stand von 964 Punkten erreichte der 1989 eingeführte Dax in der bis 1966 reichenden Rückrechnung erstmals vor 25 Jahren. Und 1989, als der Dax seinen bis heute wahrhaft schlimmsten Tag erlebte, hätten 964 Punkte einen Kurssturz von 60 Prozent bedeutet.

          Insofern geben die Prozentzahlen ein realistischeres Bild und da bedeutet ein Kursverlust von 8,35 Prozent nur den fünftstärksten Kursverlust, knapp weniger als am 11. September 2001, als der Anschlag auf das New Yorker World Trade Center die Welt in Atem hielt.

          Der „United-Airlines-Schreck“

          Seinen größten Verlust erlitt der Dax, als er erst wenige Monate alt war, im Oktober 1989. Seinerzeit waren die Anleger nervös, weil immer schneller, immer mehr und immer teurere Übernahmen einander jagten. Als dann die Nachricht eintraf, die Verhandlungen über die Finanzierung einer geplanten Übernahme von United Airlines seien geplatzt, zogen viele Marktteilnehmer daraus den Schluss, auch andere Übernahmen könnten scheitern. Zuerst wurden nur Aktien von Übernahmekandidaten verkauft, später andere und der Dow-Jones-Index fiel um knapp 7 Prozent, der Dax folgte mit Verve.

          Auch die beiden nächsthöheren Abstürze stammen aus der Vor- und Frühzeit des Dax. Zum einen am 19. Oktober 1987, als es den Dax noch gar nicht gab. An der deutschen Börse wurden täglich zwei Stunden gehandelt und die Orderzettel per Hand ausgefüllt. Später nachgerechnet wird der Dax an der damaligen hessischen Provinzbörse um 9,4 Prozent gefallen sei, bevor der Dow-Jones-Index 22,6 Prozent verloren haben wird. Ebenso viel verlor der Dax im August 1991, als in der Sowjetunion putschende Generäle den Präsidenten Michail Gorbatschow vorübergehend absetzten.

          In allen Fällen dauerte es unterschiedlich lange, bis der Dax den Einbruch wieder überwand. Vom „United-Airlines-Schreck“ hatte er sich nach wenigen Wochen zur Gänze erholt. In den beiden anderen Fällen kam es zwar zu einer technischen Gegenbewegung, die den Dax nach wenigen Tagen wieder über die alte Marke führte. Doch beide Male konnte er diese nicht halten. Doch bis er sich nachhaltig wieder festsetzen könnte, vergingen 1991 sechs und 1987 sogar 14 Monate.

          In der jüngeren Zeit gab es nur einen großen Kurssturz. Das war am 24. Juni 2016, dem Tag nach der britischen Brexit-Entscheidung, als der Dax 6,82 Prozent oder 699,87 Punkte verlor.

          Während der Finanzkrise beutelte es den Dax zwar heftig, heraus stachen aber vor allem drei tage des Jahres 2008, einmal der 21. Januar und dann wieder am 6. und 10. Oktober. An letzterem Tag war der Dax übrigens im Tagesverlauf um bis zu 12 Prozent gefallen.

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