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Nach Milliardengewinn : So will Total Autofahrer und Aktionäre bei Laune halten

Kein Rabatt in Deutschland: Total hat in Frankreich ein Programm von Preissenkungen aufgelegt. Bild: dpa

Die sprudelnden Öl- und Gaseinnahmen von Totalenergies sorgen in Frankreich weiter für Diskussionsstoff. Der Konzern will Anteilseignern nun eine Extraausschüttung gewähren, für Autofahrer gibt es einen Tankrabatt.

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          Die sprudelnden Öl- und Gaseinnahmen von Totalenergies (vormals Total) sorgen in Frankreich weiter für Diskussionsstoff. Der Energiekonzern steht im Visier von linken Politikern, die ihn so wie andere „Krisenprofiteure“ gesondert zur Kasse bitten wollen und ihm überdies Steueroptimierung vorwerfen. 5,7 Milliarden Dollar Nettogewinn erwirtschaftete Totalenergies allein im zweiten Quartal, zieht man eine Rückstellung ab, die der Konzern wegen drohender Sanktionen für seine Beteiligung am russischen Novatek-Konzern gebildet hatte.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Konzernchef Patrick Pouyanné verteidigt sich seit Monaten offensiv gegen den Vorwurf, die Gesellschaft nicht am Erfolg teilhaben zu lassen. Voraussichtlich 30 Milliarden Dollar an Gewinn- und Produktionsteuern werde man in diesem Jahr zahlen nach 16 und 6 Milliarden Dollar in den Vorjahren, sagte er in einer Parlamentsanhörung. Klar müsse aber sein, dass der Großteil dieser Steuern in Ländern fällig wird, in denen man Öl fördere – also außerhalb Frankreichs. In der Heimat seien die Aktivitäten wie das Raffinerie- und Tankstellengeschäft weniger rentabel und verzeichneten mitunter gar hohe Verluste, betonte Pouyanné.

          Die französischen Autofahrer versucht Totalenergies mit Tankrabatten zu besänftigen. Zum 1. September weitete man den konzerneigenen Tankrabatt auf alle rund 3500 französischen Tankstellen aus und erhöhte ihn auf 20 Cent je Liter Sprit – zusätzlich zu den staatlich gewährten 30 Cent, was zusammen bei einer 50-Liter-Füllung um die 25 Euro an Ersparnis bringt. Das hat sich auch im Ausland herumgesprochen. Wiederholt liefen Tankstellen an der Grenze zu Deutschland in den vergangenen Wochen leer. Konzernchef Pouyanné sprach von einem „Ansturm“ und rund 80 Prozent mehr Kundschaft Anfang September. Teuer zu stehen kam die Aktion Totalenergies aber nicht wirklich. Pouyanné beziffert die Einbußen auf rund 71 Millionen Euro in den ersten beiden Septemberwochen.

          Ein Drittel in Erneuerbare

          Seine Anteilseigner wiederum will Totalenergies mit Aktienrückkäufen und höheren Dividenden an den hohen Gewinnen teilhaben lassen. Zwischen 35 und 40 Prozent des Cashflows wolle man in diesem Jahr und in den kommenden Jahren an die Aktionäre zurückgeben, versprach der Konzern diese Woche vor Investoren. Er bestätigte dabei sowohl das im Juli angekündigte Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 7 Milliarden Dollar als auch die um 5 Prozent auf 2,76 Euro je Anteilsschein erhöhte Dividende in diesem Jahr. Zudem kündigte Total­energies die Zahlung einer Sonderdividende von einem Euro je Anteilsschein im Dezember an und veranschlagt dafür Kosten in Höhe von 2,62 Milliarden Euro.

          Auch den „grünen“ Umbau will Totalenergies nun beschleunigen. Netto 18 statt 14 Milliarden Dollar sollen im Zeitraum 2022 bis 2025 jährlich für erneuerbare Energien und „Programme zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks“ ausgegeben werden, sagte Pouyanné am Mittwoch. Dies mache ein Drittel der Konzerninvestitionen aus. Die übrigen zwei Drittel sollen in das stark wachsende Geschäft mit Flüssiggas sowie „die Entwicklung von kostengünstigen und emissionsarmen Ölprojekten“ fließen. An der Börse löste all das keine Begeisterung aus. Der Aktienkurs von Totalenergies hat im bisherigen Wochenverlauf mehr als 3 Prozent an Wert verloren.

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