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Topmanager von Vanguard : „Wir haben Macht“

James Norris leitet das internationale Geschäft der amerikanischen Fondsgesellschaft Vanguard. Sie verwaltet Anlagegelder in Höhe von 4900 Milliarden Dollar. Bild: Wolfgang Eilmes

Vanguard ist die zweitgrößte Fondsgesellschaft der Welt. Topmanager James Norris spricht über seinen Einfluss auf deutsche Konzerne und über die Gefahren von ETF.

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          Herr Norris, Vanguard hat vor rund 40 Jahren die ersten Indexfonds erfunden. Sind solche ETF in den unruhigen Börsenzeiten von heute wirklich eine gute Wahl?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber ja. ETF bilden die Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Index wie beispielsweise des amerikanischen S&P- 500-Index oder des deutschen Dax eins zu eins ab. Natürlich verlieren sie an Wert, wenn die Aktienkurse stark fallen, wie wir dies im Dezember 2018 erlebt haben. Aber deswegen auf ETF zu verzichten wäre ein Fehler.

          Als Mitglied der Führungsmannschaft eines ETF-Anbieters müssen Sie das sagen.

          Das hat damit nichts zu tun. Es entspricht einfach meiner Überzeugung. Was kurzfristig am Aktienmarkt passiert, ist ohne Bedeutung. Wir raten unseren Anlegern immer, dies zu ignorieren.

          Leichter gesagt als getan. In Deutschland hat der Dax 2018 fast ein Fünftel seines Wertes verloren.

          Das fühlt sich im ersten Moment bitter an, keine Frage. Aber es ist nicht wichtig. Jedem, der eine langfristige Anlagestrategie verfolgt, kann dies vollkommen egal sein. Sie können sich für amerikanische Aktien unterschiedlichste Zeiträume von zehn Jahren ansehen. Sie werden kaum einen Zeitraum finden, in dem man mit amerikanischen Aktien Verluste gemacht hat. Darum sollten Anleger solche Kursrückgänge als Chance begreifen: Wer zum Beispiel jeden Monat mit Hilfe eines Sparplans in ETF investiert, bekommt in solchen Monaten mehr für sein Geld. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil Aktien günstiger zu haben sind, wenn ihre Kurse fallen. Was will man mehr?

          Anders als ein ETF kann ein klassischer Fondsmanager das Geld der Anleger aber schützen, indem er Aktien rechtzeitig verkauft.

          Ja, das ist möglich. Aber die Wahrheit ist: Dieses sogenannte Market-Timing gelingt in der Praxis nur den wenigsten. Wobei ich damit gar nicht sagen will, dass alle aktiven Fondsmanager einen schlechten Job machen. Das ist nicht der Fall, wie unsere Studien zeigen: Innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren gelingt es einem Zehntel der Manager stets, ein besseres Ergebnis zu erzielen als der Aktienmarkt als ganzer. Das Problem ist nur: Wie sich solche Fonds danach entwickeln, ist total zufällig und ohne jedes Muster. Dass ein Fondsmanager auch nach den ersten zehn Jahren weiterhin überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt, geschieht nur sehr selten.

          Scheint so, als wollten Sie Anleger mit Macht in ETF hineinjagen.

          Das kann ich so nicht stehen lassen. Auch wenn es Sie überraschen wird: Es ist nicht so, dass wir bei Vanguard aktive, von einem Manager gesteuerte Fonds rundheraus ablehnen. Wir haben sogar selbst einige dieser Fonds im Angebot. Wichtiger als der Gegensatz zwischen klassischen Fonds und ETF ist ein anderer Unterschied – der zwischen teuren und günstigen Fonds. Mein Rat an alle Anleger lautet: Wer in Fonds mit geringen Gebühren investiert, kann sich zumindest sicher sein, dass die Gebühren den Ertrag nicht zu sehr schmälern. Die Höhe der Gebühren ist nun mal die einzige Kennziffer, die vor dem Kauf eines Fonds mit Sicherheit feststeht. Auch das haben wir untersucht: Wenn Anleger aus einer Liste mit Fonds jene auswählen, die zu den günstigsten 25 Prozent gehören, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Fonds später zu den besten in ihrer Kategorie gehören werden. Darum bieten wir unsere Fonds im Durchschnitt zu einem Preis von 0,11 Prozent an.

          Vanguard ist eine der größten Fondsgesellschaften der Welt. Was Sie da machen, ist ein Preiskrieg, um Konkurrenten aus dem Markt zu drängen.

          Das ist Unsinn. Wir schaffen zusätzlichen Reichtum: Wenn die Gebühren in der Investmentbranche sinken, haben doch am Ende alle Anleger etwas davon, weil mehr Ertrag für sie übrig bleibt. Wir haben allerdings gegenüber allen Konkurrenten einen unschätzbaren Vorteil: Anders als diese haben wir keine Aktionäre oder Privateigentümer, die hohe Gewinne verlangen – sondern wir gehören unseren amerikanischen Fondsanlegern, sie sind unsere Besitzer. Aufgrund dieser genossenschaftlichen Struktur können wir unsere Gewinne in Form niedrigerer Gebühren an unsere Investoren zurückgeben.

          Es bleibt trotzdem ein Preiskrieg.

          Noch einmal: Wir konkurrieren in erster Linie mit uns selbst, da wir jedes Jahr die Gebühren weiter senken wollen. Wenn andere sich dem verweigern, weil sie immer noch üppige Margen verdienen wollen, ist das nicht unser Problem. Wir sind stolz auf das, was in der Finanzwelt als Vanguard-Effekt bezeichnet wird: Als wir beispielsweise nach Kanada expandierten, haben die Ratingagenturen nur einen Tag später die Noten der kanadischen Fondsgesellschaften herabgestuft. Weil man wusste, dass wir ihnen zusetzen würden.

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