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Modebranche : Tom Tailor darf Bonita nicht verkaufen

  • Aktualisiert am

Tom Tailor kämpft in schwerer See mit dem Großaktionär. Bild: dpa

Der Modefilialist Tom Tailor befindet sich nicht erst seit gestern in Bedrängnis. Doch derzeit folgt eine schlechte Nachricht der nächsten.

          2 Min.

          Die Lage der angeschlagenen Hamburger Modekette Tom Tailor scheint sich in jüngster Zeit in kleinen Schritten zuzuspitzen. Die Finanzierungsverhandlungen gerieten vor einiger Zeit ins Stocken, weil sich die Banken und der chinesische Großaktionär Fosun nicht über einen Finanzierungsbeitrag von Fosun einigen konnten.

          Nun gibt es weitere Schwierigkeiten bei den Finanzierungsverhandlungen. Wie das Unternehmen am Wochenende vermeldete, stimmen die Konsortialbanken dem geplanten und vereinbarten Verkauf der kriselnden Tochterfirma Bonita nicht zu.

          Keine Zustimmung zum Bonita-Verkauf

          Man habe das Unternehmen darüber informiert, „dass es derzeit keine ausreichende Mehrheit für die Zustimmung“ zu dem Verkauf gebe. Der Vorstand bemühe sich weiter um grünes Licht, „geht aber derzeit davon aus, dass die Erteilung einer Zustimmung unwahrscheinlich ist“. Es würden daher „sämtliche strategische Alternativen“ geprüft.

          Im März hatte sich Tom Tailor mit der niederländischen Victory & Dreams International Holding auf einen Verkauf von Bonita geeinigt. Zum Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht. Tom Tailor hatte Bonita 2012 übernommen. Das Unternehmen, das auf Mode für Frauen ab 50 spezialisiert ist, verlor zuletzt aber fortlaufend Umsatz.

          Diese neue Nachricht zeigt, wie wenig offenbar Tom Tailor selbst noch das Heft des Handelns in der Hand hat. Erst am vergangenen Dienstag hatte das Unternehmen den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Tochtermann akzeptieren müssen, der von einer Fosun-Vertreterin abgelöst werden soll.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Dem Vorstandsvorsitzenden Heiko Schäfer blieb nur übrig, sich „sehr enttäuscht“ zu äußern. Man betrachte den Verkauf von Bonita nach wie vor als beste Option. Der Vorstand werde weiter an einer zufriedenstellenden Lösung für alle Beteiligten arbeiten und die Restrukturierung von Bonita weiter konsequent vorantreiben.

          Tom Tailor hat die Tochterfrima bilanziell schon komplett abgeschrieben, zudem gab es „weitere signifikante Wertminderungen von Vermögenswerten des Geschäftsbereichs“. Der Geschäftsbericht 2018 ist wegen der laufenden Verhandlungen weiter verschoben, was weitere Unsicherheit bedeutet.

          Wenn nun die Banken dem Verkauf nicht zustimmen, so scheint weniger wahrscheinlich, dass diese sich von einer Restrukturierung größeren Erfolg versprechen als vom Verkauf. Näher liegt die Vermutung, dass sich die Banken den Zugriff auf die Vermögenswerte von Bonita sichern wollen. Angesichts der Insolvenzwelle in der Branche in den vergangenen Jahren, dürfte das die Befürchtungen der Anleger weitere Nahrung geben.

          Auch über den Finanzierungsbeitrag von Fosun wird immer noch verhandelt. Dieser soll der Verbesserung des wirtschaftlichen Eigenkapitals Von Tom Tailor  dienen, das durch die anhaltend schlechte Geschäftsentwicklung von Bonita und die notwendigen Abschreibungen gelitten hat.

          Die Hoffnung haben die Aktionäre indes noch nicht aufgegeben. Der Aktienkurs liegt seit knapp drei Woche wie festgezurrt im Bereich von 2,30 Euro.

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