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Pläne mit Aufzugsparte : Thyssen-Krupp holt Berater für Börsengang

Das Duisburger Stahlwerk von Thyssen-Krupp Bild: dpa

Investmentbanken bereiten für den Industriekonzern den Ausstieg aus der lukrativen Aufzugsparte vor. Stahl wird in Düsseldorf somit wieder zum Kerngeschäft – aber der Umbau weckt auch Ängste.

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          Der Ausstieg von Thyssen-Krupp aus seiner ertragreichen Aufzugsparte nimmt konkretere Formen an. Nach Informationen der F.A.Z. hat der Stahl- und Industriekonzern für die Vorbereitung eines Börsengangs die beratenden Banken ausgewählt. Auf der Liste stehen jene Investmenthäuser, die auch schon bei der ursprünglich geplanten und im Mai abgeblasenen Konzernaufspaltung vorgesehen waren: die Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan. Ein offizielles Mandat sei noch nicht erteilt, aber diese mit der Konzernmaterie gut vertrauten Banken seien als Favoriten gesetzt, verlautet übereinstimmend aus Finanz- und Konzernkreisen. Neben einem Börsengang bleibt ein Verkauf der Aufzugssparte möglich.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thyssen-Krupp und die drei Banken lehnten eine Stellungnahme ab. Das Banken-Trio war im vergangenen Jahr mandatiert worden, als Thyssen-Krupp noch plante, sich in zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen aufzuteilen: eine Werkstoff- und eine Industriegesellschaft. Damals wollte der Konzern sein Stahlgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Konkurrenten Tata auslagern.

          Als das scheiterte, steuerte der Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff neuerlich um: Nun soll, wie Kerkhoff gerade bekräftigt hat, eine Minderheit der Aufzugsparte an die Börse gebracht werden. Die Sparten für Autoteile, Anlagenbau und das Marinegeschäft werden für Partnerschaften geöffnet, was auch dort den Weg für einen späteren Verkauf ebnen könnte.

          Allerdings ist ein Börsengang der Aufzüge keine endgültig ausgemachte Sache. Ein Verkauf ist unverändert eine Option – ein Vorstand muss heutzutage de facto schon aus rechtlichen Gründen solche Überlegungen einbeziehen, um sich gegen ansonsten drohende Aktionärsklage zu wappnen.

          Börsengang im kommenden Jahr

          Bekannt ist, dass der finnische Konkurrent Kone interessiert ist. Er hatte schon vor Jahren bei der Krupp-Stiftung vorgefühlt und sondiert derzeit seine Möglichkeiten. Auch der amerikanische Hersteller Otis liebäugelt nach früheren Angaben seines Vorstandschefs mit einem Angebot (F.A.Z. vom 27. Juni).

          Details für einen Börsengang der Aufzugsparte und den weiteren Konzernumbau will Kerkhoff bei der Vorlage der Zwischenbilanz am 8. August bekanntgeben. Angepeilt wird das Parkett je nach Marktumfeld im Laufe des kommenden Jahres. Da der extrem eigenkapitalschwache Konzern aber dringend frisches Geld benötigt, rechnen Insider damit, dass die Erstnotierung eher früher als später kommen wird. Die Situation hat sich im laufenden Geschäftsjahr drastisch verschlechtert: In den ersten sechs Monaten verzeichnete Thyssen-Krupp beim Free Cashflow ein Minus von 2,5 Milliarden Euro.

          Die Umbaupläne für den Konzern laufen letztlich darauf hinaus, das Traditionsgeschäft mit Stahl und Werkstoffen in den Mittelpunkt zu stellen und zu verstärken. „Stahl ist wieder Kerngeschäft. Das muss Thyssen-Krupp jetzt weiterentwickeln und nicht abwickeln“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tekin Nasikkol auf einer Betriebsversammlung der Stahlbelegschaft in Duisburg. An dem Treffen – dem ersten nach der Absage der Stahl-Allianz mit Tata – nahmen mehr als 3500 Beschäftigte teil.

          Rückbesinnung auf den Stahl

          Die Angst um Arbeitsplätze geht um. Denn die Neuausrichtung von Thyssen-Krupp ist mit der Streichung von 6000 Stellen verbunden. Allein an den deutschen Hochöfen, wo noch 27 000 Menschen arbeiten, sollen in den kommenden drei Jahren 2000 Jobs wegfallen. „Nach der Absage des Joint-Ventures kann es nur noch eine Richtung geben: Wir fordern eine Zukunftsstrategie für die Thyssen-Krupp Steel Europe“, sagte Nasikkol. Wer jetzt den Rotstift ansetze und dabei vielleicht sogar ganze Standorte im Fokus habe, müsse mit Widerstand rechnen.

          Doch die Rückbesinnung auf den Stahl kommt in einer besonders schwierigen Marktphase. Im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres war die Sparte tief in die roten Zahlen gerutscht. Und die Rahmenbedingungen haben sich seitdem nicht verbessert, so dass bei der kommenden Zwischenbilanz im August abermals böse Überraschungen drohen könnten. Erst Ende Mai hatte der Weltmarktführer Arcelor-Mittal mit der zweiten Produktionskürzung binnen weniger Wochen auf die Nachfrageflaute reagiert.

          Auch wegen steigender Importe sind die Stahlpreise in Europa auf Talfahrt, während Energie und Rohstoffe teurer werden. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl ist die gesamte deutsche Branche im Abwärtstrend. Im Mai sei die Rohstahlproduktion gegenüber dem Vormonat um 5 Prozent gesunken, die gleiche Minus-Rate ergibt sich bisher im Jahresverlauf. Schon im Vorjahr war die Erzeugung um 4 Prozent gefallen.

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