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Börsenabstieg : Thyssen-Krupp lässt Anleger verzweifeln

  • -Aktualisiert am

Nach 31 Jahren könnte Thyssen-Krupp jetzt auf M-Dax runtergestuft werden. Bild: Picture-Alliance

Thyssen-Krupp braucht dringend ein Wunder. Ansonsten könnte der Konzern zukünftig, nach 31 Dax-Jahren nur noch im M-Dax auftauchen. Bislang scheiterten alle Versuche den Börsenabstieg zu verhindern.

          Zwei Dinos sind im vergangenen Jahr aus der ersten Liga abgestiegen, in Kürze kommt wohl noch ein dritter hinzu. Nach der Commerzbank als Dax-Mitglied der ersten Stunde und dem Bundesliga-Gründungsmitglied HSV steht nun Thyssen-Krupp vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit. Geschieht nicht zeitnah noch ein kleines Wunder, wird der Industriekonzern nach 31 Dax-Jahren von September an nur noch im M-Dax auftauchen. Dass es so weit kommen konnte, ist bestürzend. Dass ein Ende nicht absehbar ist, macht den Jammer für Anleger komplett.

          Kummer sind sie gewohnt. In vielen Geschäftsfeldern läuft es seit Jahren schlecht bei Thyssen-Krupp. Versuche, daran etwas zu ändern, scheiterten. Die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata untersagte die EU, den milliardenschweren Plan des Vorstandschefs Guido Kerkhoff, den Konzern in zwei Teile aufzuspalten, stoppte der Aufsichtsrat. Nun treibt Kerkhoff die nächste Neuausrichtung voran. Weniger ist mehr, so die Devise: Die Verwaltung soll schlanker, Stellen gestrichen und schwächelnde Sparten womöglich verkauft werden. Das Geschäft mit dem Stahl, obwohl ziemlich teuer und sehr schwankungsanfällig, soll wieder im Zentrum stehen.

          Groß ist die Hoffnung an den Börsen nicht, dass das geplante Zurück-in-die-Zukunft-Paket zum Erfolg führt. Zumal die Voraussetzungen alles andere als gut sind: Die Schulden sind hoch, die Autobranche als wichtiger Kunde leidet, die Konjunktur kühlt sich ab.

          Anders als die Fahrstühle, die Thyssen-Krupp erfolgreich produziert, kennt der Aktienkurs des Konzerns fast nur noch eine Richtung. Inzwischen rangiert er so tief wie seit 16 Jahren nicht, allein in den vergangenen zwölf Monaten hat der Kurs 50 Prozent verloren – so viel wie kein anderer Dax-Wert. Auch weil Thyssen-Krupp inzwischen keine sechs Milliarden Euro mehr wert ist, droht der Dax-Abstieg. Dann kommt es wohl zu weiteren Kursverlusten. Folgt man den meisten Analysten, ist das Schlimmste aber vorbei.

          Beim Rating ist Thyssen-Krupp sogar schon weit unten angekommen: Moody’s hat den Konzern gerade eine Bonitätsstufe tiefer in den Ramsch hinabgestuft. Um sich zu refinanzieren, muss der Konzern dadurch mehr ausgeben.

          Nötiges Geld könnte ein Börsengang oder Verkauf der Vorzeigesparte Aufzüge bringen. Ob das auf Dauer hilft? Man darf zweifeln.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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