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Teurer Wachstumskurs : Aktienkurs der Software AG fällt deutlich

  • Aktualisiert am

Der Aktienkurs der Software AG steht am Donnerstag unter Druck. Bild: dpa

Das Jahr 2018 war für die Software AG nicht das erfolgreichste. Der Konzern will jetzt verstärkt ins Cloud-Geschäft und in Maschinensoftware investieren. Doch die Kosten dafür kommen an der Börse nicht gut an.

          Der Ausblick der Software AG ist am Donnerstag bei den Anlegern nicht gut angekommen. In der Folge fiel der Aktienkurs des Darmstädter Unternehmens um bis zu 9,5 Prozent und gab damit den kompletten Gewinn der ersten Wochen des Jahres ab. Zuletzt lag die Notierung immer noch knapp 5 Prozent im Minus.

          Im Fokus stünden die schwächeren Signale hinsichtlich der Profitabilität, sagt Analyst Gautam Pillai von Goldman Sachs. Denn das Unternehmen stellt die Weichen neu, was zunächst Geld kosten wird. Pillai geht davon aus, dass die Gewinnerwartungen am Markt um einen einstelligen Prozentbetrag gekappt werden. Auch seine Kollegin Stacy Pollard von JP Morgan sprach von einem sehr durchwachsenen Ausblick und entsprechendem Korrekturbedarf.

          Die Software AG will stärker in ihr Wachstum investieren und dabei vor allem bei Maschinenvernetzung und Cloud-Software große Schritte machen. „Im fünfzigsten Jahr unseres Bestehens werden wir einen neuen, mutigen Weg einschlagen“, sagte der seit August amtierende neue Vorstandschef Sanjay Brahmawar am Donnerstag in Darmstadt. Er will die schnell wachsende, aber noch junge Sparte für Maschinensoftware besser mit der größten Sparte für Integrationssoftware kombinieren und setzt dazu auch verstärkt auf Partnerschaften.

          Durch einen Umbau von Strukturen und eine stärkere Verlagerung auf Mietsoftware will der Manager den Konzern wieder auf die Wachstumsschiene führen. Mittelfristig soll das Unternehmen bis 2023 im Digitalgeschäft um jährlich im Schnitt mehr als 10 Prozent wachsen, der Anteil wiederkehrender Erlöse soll auf 85 bis 90 Prozent des Umsatzes steigen.

          „Wir haben außergewöhnlich starke Produkte, finanzielle Stärke und enormes Talent im Unternehmen“, sagte Brahmawar. „Aber wir haben zu wenig in unsere Marke investiert und in die Kundenansprache. Zudem müssen wir unser Produktangebot straffen und stärker auf ein Ökosystem mit Partnerschaften setzen.“

          Diese Weichenstellungen werden zunächst Geld kosten. „Wir werden in unserer strategischen Neuausrichtung sowohl zusätzliche Investitionen tätigen als auch Ausgaben für Forschung und Entwicklung stärker in Zukunftsbereiche lenken“, sagte der Manager. Im laufenden Jahr steckt das Unternehmen rund 50 Millionen Euro in den Umbau, rund die Hälfte davon sind zusätzliche Investitionen.

          Finanzchef Arnd Zinnhardt geht für 2019 davon aus, dass die bereinigte operativen Marge auf 28 bis 30 Prozent sinkt. Im Vorjahr hatte sie noch 31,5 Prozent betragen. Analysten hatten sich deutlich mehr erhofft. Ab 2020 soll das Lizenzerlösmodell des Unternehmens auf ein Abonnenementsystem umgestellt werden - Umsätze fließen dann nach und nach als Miete, nicht als Einmalbeitrag. Das wird noch einmal bis zu 2 Prozentpunkte Marge kosten.

          „Auch wenn angesichts unseres Schwenks hin zu Mietsoftware die Zahlen bei Umsatz und Ergebnis ab 2020 beeinträchtigt werden, sehen wir schon in diesem Jahr einen deutlich besseren Trend im Geschäft“, sagte Brahmawar. Bereits 2021 soll sich das auch wieder in den Erlösen und bei der Marge widerspiegeln.

          Ergänzt werden könnte das Wachstumsprogramm durch Übernahmen. „Für Zukäufe könnten wir sicherlich 1 bis 1,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um uns etwa bei der Datenanalyse oder im IoT-Geschäft zu stärken. Unsere strategische Neuausrichtung ist aber vorwiegend auf organisches Wachstum ausgerichtet“, so Brahmawar.

          Im vergangenen Jahr hatte die Software AG in ihrem Schlussquartal mit einem schwachen Geschäft bei den wichtigen Lizenzen in der Integrationssoftware zu kämpfen, weswegen das Unternehmen die Jahresprognose verfehlte. Währungsbereinigt konnte das Geschäft, das Software zur Integration verschiedener IT-Systeme in Unternehmen anbietet, nur knapp zulegen.

          Währungsbereinigt soll der Bereich ohne die Geschäfte mit  Maschinensoftware und der Cloud künftig um 3 und 7 Prozent wachsen. Der andere, noch kleine Bereich soll mit 75 bis 125 Prozent deutlich schneller zulegen als von Experten erwartet. Im angestammten Datenbankgeschäft rechnet die Software AG mit einem Rückgang von bis zu 5 Prozent.

          Auf Jahressicht verzeichnete der Konzern einen Umsatzrückgang von 2 Prozent auf 865,7 Millionen Euro - ohne den Einfluss von Wechselkursen wäre der Erlös aber um 2 Prozent gewachsen. Das bereinigte operative Ergebnis lag mit 272,9 Millionen Euro ebenfalls 2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Unter dem Strich kletterte der Konzernüberschuss um 17 Prozent auf 165,2 Millionen Euro, weil zum einen das Finanzergebnis besser ausfiel und der Konzern zum anderen nicht so viel für die aktienkursabhängige Vergütungen und für Steuern aufwenden musste.

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