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Spekulieren auf Tesla : Wetten auf den Absturz

Schön anzuschauen, aber kaum zu kaufen: Tesla hat Probleme, das Model 3 massenhaft zu produzieren. Bild: AP

Tesla-Chef Elon Musk bricht ein Versprechen nach dem anderen. Das rächt sich: Immer mehr Anleger setzen darauf, dass der Aktienkurs fällt. Wie lässt sich damit Geld verdienen?

          An Elon Musk scheiden sich die Geister, unter Experten ebenso wie unter Anlegern. Seine Fans in beiden Gruppen halten Musk für ein unternehmerisches Genie, das sich in Projekte stürzt, von denen andere kaum zu träumen wagen: recyclebare Raketen für die bemannte Raumfahrt, ein superschnelles Transportsystem in luftleeren Röhren zwischen Städten (Hyperloop), dazu kommen Firmen, die Künstliche Intelligenz erforschen oder Comedy produzieren. Gepriesen wird der gebürtige Südafrikaner vor allem als Vorreiter der Elektromobilität, dessen Unternehmen Tesla es auf spektakuläre Weise versteht, flotte Fahrzeuge mit einer modernen Antriebstechnik zu bauen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für die weniger Wohlgesinnten ist Elon Musk so etwas wie ein Scharlatan. Einer, der regelmäßig mehr verspricht, als er halten kann, der Widrigkeiten kleinredet und Spaß daran hat, Analysten zu verunglimpfen und Anleger zu foppen. Solange die Musk-Schwärmer die Musk-Skeptiker überwiegen, ist das kein Problem für den Multigründer und seine vermeintliche Vorzeigefirma Tesla. Allerdings gewinnen seit einiger Zeit jene Stimmen an Gewicht, die Musks Unternehmen mehr für eine erfolgreiche Marketingmaschine halten als für einen Konzern, der Automodelle en masse zu produzieren vermag.

          So haben viele Anleger auf Elon Musks erratische Art zuletzt misstrauisch reagiert. Das zeigt sich am offensichtlichsten am Kurs der Tesla-Aktie: Sie fiel Anfang dieses Monats auf fast 250 Dollar und lag damit rund 35 Prozent unter ihrem Höchststand von 385 Dollar. Rund zehn Prozent verlor die Aktie seit Jahresbeginn und hat Mühe, sich wieder der Marke von 300 Dollar anzunähern.

          Tesla ist eine „Glamour-Aktie“

          Zu den größten Zweiflern an Teslas Zukunftstauglichkeit gehört die amerikanische Großbank Goldman Sachs. Deren Experten verfolgen Teslas Entwicklung seit einiger Zeit argwöhnisch. Vor allem, dass die Produktion des für Teslas Wohl oder Wehe bedeutenden Mittelklasseautos Model 3 gewaltig ins Stocken gerät, hält der Goldman-Analyst David Tamberrino für ein schlechtes Zeichen. Deshalb hat er sein Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten abermals reduziert, auf nun nur noch 195 Dollar. Als Musk davon erfuhr, schrieb er auf Twitter herausfordernd: „Plaziert eure Wetten.“

          Diese Aufforderung, ob ernst gemeint oder ironisch, hätte Musk gar nicht erst äußern müssen. Gegen kein amerikanisches Unternehmen wird so sehr gewettet wie gegen Tesla; und das seit zwei Jahren fast ununterbrochen. Dies zeigen die Zahlen der amerikanischen Analysefirma S3 Partners, die Leerverkäufe verfolgt. Solche Leerverkäufer, im englischen Branchenjargon Shortseller genannt, leihen sich Aktien und verkaufen sie, um sie später zu einem günstigeren Preis zurückkaufen zu können. Das heißt, sie wetten auf einen Kursverlust und hoffen, daran kräftig zu verdienen. Laut S3 ist im Falle Tesla der Wert der Leerverkäufe im vergangenen Monat um 28 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar angewachsen und damit nicht mehr weit entfernt von jenen 11,47 Milliarden Dollar, die im September 2017 den bisherigen Höchststand markierten. Laut dem Analysehaus FacSet ist derzeit mehr als jede vierte Tesla-Aktie leerverkauft.

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