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Keine Lust auf Finanzfragen? : Wird Elon Musk für die Tesla-Aktie zum Problem?

Tesla-Chef Elon Musk Bild: Reuters

Der Verlust des E-Auto-Pioniers Tesla hat Rekordniveau erreicht. Doch es ist vor allem der Unwille des schillernden Firmenchefs, sich mit Finanzfragen zu befassen, der den Aktienkurs fallen lässt.

          Der Elektroautobauer Tesla hat im ersten Quartal des Jahres einen Rekordverlust von mehr als 700 Millionen Dollar verbucht. Das war mehr als das Doppelte des Defizits vor Jahresfrist. Das berichtete Ergebnis pro Aktie lag mit minus 4,19 Dollar unter der durchschnittlichen Erwartung von 4,02 Dollar.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt war das Ergebnis gemischt. Der um einmalige Einflüsse und aktienbasierten Vergütungsaufwand bereinigte Verlust je Aktie fiel mit 3,35 Dollar etwas weniger hoch als erwartet aus. Auch  wuchs der Umsatz um 26 Prozent auf 3,415 Milliarden Dollar stärker als erwartet. Operativ jedoch fiel ein Verlust von 39 Millionen Dollar an, mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Schätzung.

          Positiv wurde vermerkt, dass Tesla die Produktionsziele für sein Mittelklasseauto Model 3 bestätigte und bis Mitte des Jahres pro Woche rund 5000 Wagen vom Band laufen lassen will. Zuletzt kam man beim schwierigen Start der Massenfertigung langsam voran. Die ehrgeizigen Vorgaben waren zuvor aber auch schon mehrfach verfehlt und nach hinten verschoben worden.

          Der gelangweilte Firmenchef

          Sorgen macht Beobachtern indes die Geschwindigkeit, mit der die liquiden Mittel abnehmen. Tesla verbrauchte im ersten Quartal 1,05 Milliarden Dollar. Rechnet man die Einnahmen aus Emissionszertifikaten und Vorbestellungen heraus, sind es sogar 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar. Die Anzahlungen können insofern als zinslose Darlehen behandelt werden, weil sie erstens unüblich sind, zweitens ungewöhnlich lange im Voraus erfolgen und drittens zum Teil für Fahrzeuge erfolgen, die noch gar nicht produziert werden.

          Gar nicht gut kam das Verhalten des schillernden Firmenchefs Elon Musk bei der Telefonkonferenz mit Analysten an. Dieser bezeichnete deren Fragen zum Zahlenwerk als trocken, langweilig und „nicht cool“.

          Er reagierte damit auf die Frage, wie viele künftige Model-3-Käufer bereits ihre Sonderausstattungen ausgewählt haben - ein Hinweis darauf, wie viel Geld Tesla mit den Autos verdient. Vom Erfolg des Models 3 hängt die Zukunft von Tesla ab. Ein anderer Analyst fragte nach dem Kapitalbedarf, bevor er von Musk unterbrochen wurde.

          Der Heilsbringer

          Musk ließ sich stattdessen lieber von Privatanlegern via YouTube befragen. Schon im Vorfeld hatte er lieber einen Link zu seiner Instagram-Seite getwittert als sich mit den Zahlen befasst. Musk nannte in bester Donald-Trump-Manier Fragen nach der Sicherheit der autonomen Fahrzeuge „empörend“. Immerhin wird Tesla aber vorgeworfen, seine Unfallbilanz frisiert zu haben.

          Wenn verantwortungslose Journalisten über deren Gefahren schrieben, so könnten Menschen die autonome Steuerung abschalten und dann sterben. Wenn Anleger Sorgen wegen der Volatilität der Aktie hätten, sollten sie diese nicht kaufen.

          Musks Verhalten erscheint deswegen bedenklich, weil es eine Mischung aus Realitätsverleugnung und gleichzeitiger Berechnung offenbart. Die eher negativen Aspekte hoher Verluste und Geldvernichtung werden ausgeblendet. Stattdessen weiß der Milliardär genau, wie er sich Unterstützung und Applaus holen kann: Bei Privatanlegern, die seine Heilsversprechen höher schätzen als seine tatsächlichen Leistungen.

          So wolle Tesla künftig weitgehend ohne Kobalt in den den Batterien auskommen. Das ist lobenswert, doch nützt es nichts, wenn Tesla das Geld ausgeht. Und auch wenn Musk darauf verweist, dass Tesla unter allen Herstellern die niedrigsten Kosten pro Kilowattstunde habe - dies reicht an sich nicht aus, um kostendeckend zu arbeiten.

          Tesla

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          Am Finanzmarkt schätzte man Musks Verhalten und Heilsversprechen nicht so sehr: Der Aktienkurs, der sich bis zur Konferenz eigentlich recht gut gehalten hatte, fiel letztlich 5 Prozent bis auf 287,46 Dollar. Wie wenig ernst Musk die Sorgen anderer nimmt, zeigt auch sein verunglückter Aprilscherz, als er per Twitter den Bankrott des Unternehmens verkündete. Dieses Verhalten spricht für ein übermäßiges Selbstbewusstsein und könnte ein Schuss sein, der nach hinten losgeht, falls Musk und Tesla den Kapitalmarkt (unvorhergesehen) brauchen sollten.

          Im Brief an die Aktionäre bekräftigte Musk indes, seine jüngste Aussage, Tesla werde im dritten und vierten Quartal schwarzen Zahlen schreiben. Analysten rechnen im Durchschnitt damit nicht vor dem zweiten Quartal des kommenden Jahres. Das auch nur auf bereinigter Basis.

          Einige Finanzmarktexperten gehen eher davon aus, dass das Unternehmen in diesem Jahr eher noch einmal frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen muss. Musk hingegen bekräftigte, Tesla werde keine Finanzspritzen brauchen.

          Ob Musk nur ein Enfant terrible ist, das dennoch sein Projekt zum Erfolg führen kann oder ob der Milliardär von seinem medialen Erfolg verblendet alles glaubt, was über ihn an Elogen geschrieben wird, muss sich erst zeigen. Wünschenswert wäre sicher für alle Beteiligten das Erstere.

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