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Nach Klage der Börsenaufsicht : Teslas Aktienkurs fällt um 12 Prozent

  • -Aktualisiert am

Angeklagt wegen möglichen Wertpapierbetrugs: Elon Musk Bild: Reuters

Die Klage der Börsenaufsicht könnte Tesla-Chef Elon Musk nicht nur Milliarden Dollar kosten, sondern auch seinen Führungsposten beim Autohersteller. Die Anleger reagieren deutlich.

          Tesla-Chef Elon Musk droht ein unrühmlicher Abgang aus dem amerikanischen Elektroauto-Konzern. Amerikas Börsenaufsicht SEC will dem 47-Jährigen die Leitung des von ihm mitgegründeten Unternehmens verbieten. Die SEC hat eine Klage gegen Musk vor dem Bundesgericht Manhattan wegen Betrugs eingereicht.

          Er habe „falsche und irreführende“ Twitter-Nachrichten über einen angeblich geplanten Börsenrückzug des Autobauers verfasst. Musk, der auch der Weltraumfirma SpaceX vorsteht, ist das öffentliche Gesicht des Verluste schreibenden Elektroauto-Pioniers, der inzwischen an der Börse mit mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet wird.

          Die Börse reagierte sofort und heftig auf die Klage: Der Kurs der Tesla-Aktien brach nach dem Börsenschluss in New York um mehr als 12 Prozent ein und fiel unter die Marke von 270 Dollar. Auch an der Frankfurter Börse gab der Aktienkurs am frühen Freitagvormittag ebenfalls knapp elf Prozent auf 235,94 Euro ab.

          „Elon ist Tesla, und Tesla ist Elon, und das ist super, wenn Elon gewinnt – aber nicht so sehr, wenn es negative Dinge im Zusammenhang mit ihm gibt“, kommentiert der Chef der Autoanalysefirma Kelley Blue Book, Karl Brauer. Es sei selten, dass sich die SEC explizit einen Firmenchef für Verfehlungen vorknöpfe. „Die Lektion für Vorstandschefs ist, dass die Regeln für alle gelten, auch für höchst erfolgreiche Visionäre“, sagt auch Charles Elson, Direktor des Instituts für gute Unternehmensführung an der Universität von Delaware.

          Stephanie Avakian, Leiterin der SEC-Vollzugsdirektion, bekräftigte die Anschuldigungen gegen Musk vor Journalisten. Demnach wusste der Tesla-Gründer, dass seine Ankündigungen ohne Grundlage gewesen seien. Er habe nicht einmal die Kernziele des Deals wie den Preis mit potenziellen Investoren besprochen.

          Analysten mahnen zur Vorsicht

          Die britische Investmentbank Barclays hat derweil die Einstufung für Tesla auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 210 Dollar belassen. Sie raten also dazu, die Aktie im Portfolio geringer zu gewichten als die Branche beziehungsweise den Gesamtmarkt. Die Aktien berücksichtigten bislang noch einen Bewertungsaufschlag von rund 130 Dollar, der mit der Hoffnung zusammenhänge, dass Musk die Branche grundlegend verändert, sagt Barclays. Sollte der Unternehmenschef nun aber gehen müssen, könnte die „Musk-Prämie“ verschwinden, so die Analyse.

          TESLA INC. DL -,001

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          Bereits vor dem Bekanntwerden der Klage hatte ein Morningstar-Analyst am Dienstag die Einstufung für Tesla auf „Verkaufen“ mit einem Kursziel von 179 Dollar bekräftigt. Derzeit rät nur eine Handvoll Analysten noch zum Kauf der Tesla-Aktie.

          Musk hatte Anfang August angekündigt, dass er sein Unternehmen womöglich von der Börse nehmen wolle. Dieser Plan ist legitim und nichts Ungewöhnliches. Allerdings kommt es eben darauf an, wie man als Chef eines börsennotierten Unternehmens mit der Öffentlichkeit und den Finanzmärkten kommuniziert. Der schillernde Tech-Milliardär tat es seinem Präsidenten Donald Trump einmal mehr gleich und ging den Weg über die Social-Media-Kanäle.

          Musk verkündete im August in einem überraschenden Tweet, er erwäge Tesla bei einem Aktienkurs von 420 Dollar von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung dafür sei schon gesichert. In einer Rundmail hatte er den Mitarbeitern des Konzerns geschrieben: „Ich glaube, es ist der beste Weg nach vorne.“ Tesla veröffentlichte das Schreiben unter dem Druck der Finanzmärkte erst viele Stunden später. Der Tweet war zu diesem Zeitpunkt schon veröffentlicht. Folge war ein Chaos auf dem Parkett, sodass sogar der Handel mit der Aktie vorübergehend eingestellt wurde.

          Die Phantasie der Spekulanten

          Keine zwei Wochen später wurde das Projekt von Musk persönlich wieder genauso unerwartet abgeblasen, wie es angekündigt wurde. Musk ruderte zurück und erklärte, Tesla bleibe an der Börse. Es stellte sich heraus, dass er keine Finanzierungszusagen von Investoren hatte. Der Klage zufolge wählte Musk die Zahl 420 unter anderem deshalb, weil sie im Drogenjargon für den Konsum von Marihuana steht. Er habe gedacht, seine Freundin würde die Tweets witzig finden. Wegen des Verdachts auf Marktmanipulation folgten Sammelklagen von Investoren.

          Die Klage der SEC dürfte nun vor allem die Spekulanten freuen, die Musk nicht glauben, dass er seine ambitionierten Produktionsziele beim Hoffnungsträger Model 3 erreichen kann und nicht nur deshalb auf den Niedergang von Tesla wetten. Die Leerverkäufe der Tesla-Aktie (Short-Positionen) sind wohl die höchsten an der gesamten Wall Street.

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