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Tencent-Großaktionär : Prosus glänzt mit starkem Börsendebüt

Naspers-Chef Bob Van Dijk eröffnet den Prosus-Handel mit einem Gongschlag. Bild: Bloomberg

Die internationale Sparte des südafrikanischen Medien- und IT-Konzerns Naspers, unter anderem Großaktionär der chinesischen Tencent, erlebt einen starken Auftakt an der Börse in Amsterdam.

          Prosus, ein neuer IT-Gigant in Europa, hat am Mittwoch ein starkes Börsendebüt an der Euronext-Börse in Amsterdam gefeiert. Die Aktie ging mit einem Kurs von 76 Euro in den Handel, 30 Prozent höher als der am Dienstagabend festgelegte Referenzpreis. Prosus besteht aus den internationalen IT-Beteiligungen des südafrikanischen Medien- und Internet-Konzerns Naspers, darunter ein großes Stück am chinesischen IT-Konzern Tencent.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Mit einem Marktwert von 125 Milliarden Dollar ist das Unternehmen – der Name heißt „vorwärts“ auf Latein - ein Schwergewicht in Amsterdam hinter Royal Dutch Shell und Unilever. Nach eigenen Angaben handelt es sich um den „größten, auf Konsumenten gerichteten, börsennotierten Internet-Konzern“ in Europa.

          Die Börsennotierung markiert auch den Beginn einer Aufholjagd. Denn die Aktie der Muttergesellschaft Naspers war nicht zuletzt wegen der großen Beteiligung an Tencent begehrt. Im Jahr 2001 hatte der frühere Vorstands- und heutige Aufsichtsratschef, Koos Bekker, 32 Millionen Dollar in den damals noch unbekannten chinesischen Start-up gesteckt. Heute ist die 31-Prozent-Beteiligung an dem Erfinder von Fortnite und anderen Computerspielen 130 Milliarden Dollar wert.

          Tencent-Abschlag ausgepreist

          Bisher mussten die Naspers-Aktionäre des in Johannesburg notierten Konzerns einen stattlichen Abschlag auf ihre indirekte Beteiligung an Tencent hinnehmen. Dieser war dem hohen Währungsrisiko in Südafrika geschuldet, das globale Investoren abhält.

          Der starke Kursanstieg am Mittwoch habe diesen Bewertungsabschlag aber schon jetzt beseitigt, heißt es. Dennoch handele Prosus noch unter dem Wert der Summe der Beteiligungen, den die Investmentbank Morgan Stanley auf 87 Euro je Aktie beziffert. Die Analysten erwarten auch weiterhin einen Abschlag von 15 bis 20 Prozent auf diesen Wert und gehen daher von einer Handelsspanne zwischen 72 und 80 Euro aus.

          Abgesehen von Tencent gehören zu Prosus eine Fülle weiterer Beteiligungen etwa an Delivery Hero, dem argentinischen Onlinehandelsplatz OLX und dem indischen Es­sens­lie­fe­ran­ten Swig­gy. Für die Johannesburger Börse war Naspers zu groß geworden. Institutionelle Investoren mussten immer wieder Aktien verkaufen, um ein Übergewicht im Portfolio zu verhindern. Je nach Marktlage entfielen ein Fünftel oder ein Viertel der Marktkapitalisierung der JSE auf Naspers.

          In Südafrika witzelt man, das Naspers-Management könne morgens ins Büro kommen, den Tencent-Kurs studieren und sich dann auf den Golfplatz verabschieden. Auf den eigenen Aktienkurs hätten sie ohnehin keinen Einfluss.

          Der bislang unangefochtene Riese an der Börse Johannesburg (JSE) -  und damit in ganz Afrika war mehr als dreimal so viel wert wie alle südafrikanischen Goldförderer und der führende Mobilfunker MTN zusammen.

          Auf Jagd nach internationalen Investoren

          Naspers-Chef Bob van Dijk will nun verstärkt internationale IT-Investoren anlocken. Die Notierung in Amsterdam erleichtere die nächste Wachstumsphase, sagte der Niederländer, der frühere Chef von Ebay Deutschland. Das Online-Anzeigengeschäft von Prosus sei das größte auf der Welt, die Gruppe wolle zudem mit Internetbezahlsystemen, Essenlieferungen und dem Onlinehandel wachsen. Im weiteren Handel gab die Prosus-Aktie leicht nach.

          Naspers, ein mehr als 100 Jahre alte Unternehmen mit Sitz in Kapstadt, ist mit 75 Prozent an Prosus beteiligt und war früher ein Zeitungshaus, der Name ist die Abkürzung für Nasionale Pers (Nationale Presse). Bekker witterte jedoch früh Potential in Mobilfunk, Fernsehen und Internet.

          In Südafrika sehen viele den Wegzug eines weiteren namhaften Konzerns mit Wehmut. Zu Naspers gehören an der JSE künftig nur noch der Prosus-Anteil, die Medien und der südafrikanische Onlinehändler Takealot. Ein großer Teil des Handels werde sich nach Amsterdam verlagern, prognostiziert Shapiro. Das ist nach dem Abschied von Unternehmen wie Anglo American oder South African Breweries ein herber Verlust für den führenden Finanzmarkt in Afrika.

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