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Beginnende Bilanzsaison : Amazon & Co bleiben die Hoffnungsträger der Börse

  • -Aktualisiert am

Die neue Bilanzsaison beginnt und die Erwartungen gerade an die Technologie-Unternehmen sind hoch. Bild: AFP

Die großen Technologieaktien zählen weiter zu den Favoriten der amerikanischen Börsen. Ein Marktkenner aber warnt vor zu starker Abhängigkeit vom Geschäft mit China.

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          Technologieaktien gehören zum Start in die Bilanzsaison des zweiten Quartals weiter zu den Favoriten der Wall Street. Der technologielastige Composite-Index der elektronischen Börse Nasdaq stieg am Donnerstag um 1,4 Prozent auf einen neuen Rekordstand von 7824 Punkten und eröffnete am Freitag mit nur leichten Abschlägen. Gestützt wurde der Aufwärtstrend am Donnerstag von der Übernahme von CA Technologies durch den Halbleiterhersteller Broadcom, der knapp 19 Milliarden Dollar für den Softwarekonzern zahlt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Fusionen und Übernahmen beflügeln in der Regel die Phantasie von Börsianern, die auf weitere Übernahmekandidaten wetten – und auf die mit Akquisitionen einhergehenden Kursaufschläge. Der Kurs von CA reagierte mit einem Plus von 19 Prozent auf die Ankündigung des Unternehmenskaufs. Besonders gefragt waren auch wieder die Börsenschwergewichte, die zuletzt weitgehend für den allgemeinen Anstieg der Aktienmarktes verantwortlich waren: Facebook, Apple, Amazon, Alphabet (Google) und Microsoft. Nur der Streaming- und Unterhaltungskonzern Netflix, dessen Aktienkurs sich in diesem Jahr schon mehr als verdoppelt hat, gab am Donnerstag leicht nach.

          Hohe Erwartungen an die Unternehmen

          Einer der Gründe für die andauernden Kursgewinne der Technologiewerte sind steigende Gewinnerwartungen. Nach Angaben des Informationsdienstes Factset rechnen Analysten für die im Aktienindex S&P 500 abgebildeten Technologieaktien für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum von fast 25 Prozent – nach 21 Prozent am Anfang des Quartals. Damit dürfte die Branche überdurchschnittlich gut abschneiden. Für den gesamten S&P 500 kalkulieren Analysten mit einem Gewinnplus von 20 Prozent.

          S&P 500

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          Unternehmensgewinne sind langfristig die wichtigste Triebfeder für Aktienkurse, weil Aktien Anteile an Unternehmen verbriefen. Die Gewinne der Unternehmen liegen letztlich in der Regel etwas über den Prognosen, weil die Finanzabteilungen während des laufenden Quartal in ihrer Kommunikation mit den Wall-Street-Analysten gern tiefstapeln. Für das erste Quartal hatten die Auguren Ende März mit einem durchschnittlichen Gewinnplus der S&P-500-Unternehmen von 17 Prozent gerechnet. Das Endergebnis lag mit knapp 25 Prozent über den Erwartungen.

          Einige Börsianer sorgen sich derzeit allerdings um negative Effekte des von der amerikanischen Regierung forcierten Handelskonflikts mit China und der EU auf die globale Wirtschaftsentwicklung. „Wir wissen nicht, wie es ausgehen wird“, sagte Tom Martin, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Globalt Investments.

          APPLE

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          Der Markt verstehe aber mehr und mehr, dass Präsident Trump nicht „blufft“. Die amerikanische Regierung hatte zuletzt mit weiteren Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar gedroht, darunter Fahrräder, Kühlschränke und Handtaschen.

          Eine gewisse Immunität vom Handelsstreit

          Technologiewerten hilft, dass viele Börsianern ihnen eine gewisse Immunität vom Handelsstreit unterstellen. David Kostin, der für den amerikanischen Aktienmarkt verantwortliche Anlagestratege der Investmentbank Goldman Sachs, räumte in dieser Woche zwar ein, das der eskalierende Handelsstreit mit China die Börse zuletzt belastet habe. Dennoch bekräftigte er sein Kursziel für den S&P 500 von 2850 Punkten bis Jahresende – was einem leichten Kursanstieg von 2 Prozent entspräche.

          ALPHABET INC.CL.A DL-,001

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          Kostin empfiehlt Investoren Aktien von Unternehmen mit starkem Umsatzwachstum und soliden Bilanzen. Goldman prognostiziert, dass die Umsätze von Facebook, Amazon, Alphabet, Apple und Microsoft vier Mal so hoch sein werden wie der Umsatz des S&P 500. Entsprechend rät Kostin dazu, Technologieaktien überzugewichten.

          Gleichzeitig merkt er aber an, das Technologieunternehmen zusammen mit Grundstoffeherstellern und Energiekonzernen am stärksten vom internationalen Geschäft abhängen. Fast drei Fünftel des Umsatzes amerikanischer Technologieaktien kommt nach Goldmans Berechnungen aus dem Ausland. Technologie- und Internettitel dominierten auch die Liste von Aktien mit beträchtlichem Engagement in China.

          AMAZON.COM INC. DL-,01

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          Kostins Kollege bei der Investmentbank Morgan Stanley, dem Erzrivalen von Goldman, zieht unterdessen die Reißleine. Der Aktienstratege Michael Wilson hat die Bewertung der Technologiewerte heruntergestuft, weil er angesichts des Handelskonfliktes mit einer Umschichtung in defensive, also weniger risikoreiche Titel wie Stromversorger rechnet. Anleger setzen in unsicheren Phasen gern auf Aktien, die weniger vom Wirtschaftswachstum abhängig sind und regelmäßige hohe Dividenden versprechen. Neben Versorgern gehören dazu auch nicht-zyklische Konsumwerte wie Hersteller von Zahnpasta oder Babywindeln.

          Wilson glaubt, dass die Gewinnerwartungen für Technologiewerte bereits in den stark gestiegenen Aktienkurse abgebildet sind. „Wir vermuten, dass Technologiewerte nicht immun gegenüber der veränderten Haltung zu Risikoanlagen sein werden, die wir in den Märkten beobachten“, schreibt Wilson in einem Bericht. Der Technologiesektor habe in den vergangenen Monaten möglicherweise von einem „falschen Gefühl der Sicherheit“ profitiert. Auch Wilson betont, dass die Umsätze des Technologiesektors stark vom Geschäft mit China abhängen. Die anstehenden Kongresswahlen dürften ebenfalls zur Unsicherheit der Anleger beitragen. „Wir vermuten, dass das Jahr überdurchschnittlich schlecht ausfallen könnte“, warnt Wilson.

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