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Lloyds, Telefónica und Metro : Technische Verkäufe und Tauschoperationen

  • -Aktualisiert am

Die britische Lloyds Banking Group und der britische Versorger National Grid fallen aus dem Stoxx 50 mit einem negativen technischen Gesamtbild auf. Bild: EPA

Die deutschen Aktienmärkte haben sich zuletzt deutlich erholt. Es gibt jedoch noch immer Standardwerte, die keine Verbesserung zeigen. Diese bieten sich als technischer Verkauf, Tausch und zur Liquiditätsbeschaffung an. Eine technische Analyse als Gastbeitrag.

          3 Min.

          Auch wenn die europäischen und deutschen Aktienmärkte nach der Corona-Baisse (im Februar und März 2020) zuletzt deutliche Kursgewinne erzielen konnten, gibt es viele Standardwerte und mittelgroße Aktiengesellschaften, die keine technischen Verbesserungen aufweisen. Oft stammen diese Aktien aus Sektoren oder europäischen Ländern, die an der Aktienbörse als „Corona-Krisenverlierer“ eingestuft werden.

          Diese Aktien bieten sich als technischer Verkauf beziehungsweise als Tausch und zur Liquiditätsbeschaffung an oder empfehlen sich aufgrund ihrer relativen Schwäche bei einem index-orientierten Investment für eine Untergewichtung. Aus dem Stoxx 50 sind hier die britische Lloyds Banking Group und der britische Versorger National Grid und aus dem Euro Stoxx 50 die französische Bank Société Générale und die spanische Telefónica zu nennen. Im Bereich der mittelgroßen Aktien fallen zurzeit der französisch-niederländische Immobilienkonzern Unibail-Rodamco-Westfield und die deutsche Metro ebenfalls mit einem negativen technischen Gesamtbild auf.

          Die britische Lloyds Banking Group (kurz: Lloyds), die auch im Stoxx 50 vertreten ist, bietet eine umfangreiche Palette von Bank- und Finanzdienstleistungen an, wobei ein deutlicher Geschäftsschwerpunkt im Bereich der britischen Privat- und Firmenkunden liegt. Die Aktie konnte – nach dem Kurseinbruch von 300 britischen Pence auf 16,3 britische Pence während der Finanzkrise (2008/2009) – zunächst einen moderaten Erholungstrend etablieren, der aber im Jahr 2015 bereits bei 90 britischen Pence endete.

          In den Folgejahren nahm die Aktie an der Hausse der Aktienmärkte nicht teil, sondern steckte in einer mehrjährigen Seitwärtspendelbewegung (Trading-Range: gestaffelte Unterstützungszone: um 50 britische Pence; gestaffelte Widerstandszone um 70 britische Pence) fest. Hier lag aus technischer Sicht bereits ein leicht negativer Grundton vor. Im Zuge der „Corona-Baisse“ war Lloyds im Februar 2020 mit einem übergeordneten Verkaufssignal durch die gestaffelte Unterstützungszone gerutscht und in einem Kurseinbruch bis auf 27 britische Pence gefallen.

          Im Gegensatz zur Erholung der europäischen Aktienindizes setzte sich bei Lloyds die mittelfristige relative Schwäche fort, und die Aktie ist nur in eine Stabilisierung (Unterstützung: 27 britische Pence; Widerstandszone: 38 britische Pence) hineingelaufen. Als Konsequenz dieser negativen Kursentwicklung ist Lloyds im Kreis der Stoxx- 50-Entnahmekandidaten angekommen, und für die reguläre jährliche Stoxx- 50-Anpassung im September 2020 sollte einkalkuliert werden, dass Lloyds seine Index-Mitgliedschaft nur schwer verteidigen kann. Da auch die Hinweise auf eine technische Bodenformation fehlen, bleibt Lloyds ein technischer Verkauf bzw. Tausch.

          Bild: F.A.Z.

          Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica S.A. hat seinen Geschäftsschwerpunkt vorwiegend in Europa und Lateinamerika, wobei das Unternehmen in Deutschland mit seiner Tochter Telefónica Deutschland (Marke O2) vertreten ist. Aus langfristiger technischer Sicht hat Telefónica – ausgehend von Top-Kursen um 14,0 Euro (August 2015) – nicht nur eine relative Schwäche gegenüber dem Euro Stoxx 50 etabliert, sondern auch eine idealtypische technische Baisse herausgebildet.

          Der zentrale mehrjährige Baisse-Trend liegt jetzt bei circa 6,4 Euro. Nachdem bereits in den letzten Jahren mehrere Verkaufssignale aufgetreten waren, ergab sich – parallel zur Gesamtmarkt-Corona-Baisse – noch eine Baisse-Beschleunigung. Diese drückte die Aktie im März 2020 bis auf 3,4 Euro. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Standardwerten, die eine Kurserholung etablierten, ist Telefónica nur eine Stabilisierung um 4,0 Euro gelungen.

          Aufgrund dieser stabilen relativen Schwäche ist Telefónica mit Blick auf die nächste reguläre jährliche Euro-Stoxx 50-Anpassung im September 2020 im Kreis der Index-Entnahmekandidaten angekommen. Aufgrund der fehlenden technischen Perspektiven (Hinweise auf den Eintritt in eine technische Bodenformation fehlen weiterhin) bleibt Telefónica ein Verkauf, ein Tausch beziehungsweise ein „Untergewichten“ mit Blick auf index-orientierte Investments.

          Wechselspiel aus Verkaufssignalen, Abwärtstrends und moderaten Kurserholungen

          Die im M-Dax notierende Metro AG hat einen Geschäftsschwerpunkt im Verkauf und Vertrieb von Lebensmitteln im Großhandel. Die Aktie war im Jahr 2017 aus der Aufspaltung der alten, früher im Dax vertretenen Metro hervorgegangen. Seit dem Juli 2017 und Notierungen um 20,0 Euro befindet sich die Aktie in einer Baisse-Bewegung, wobei sich bisher ein mittelfristiges Wechselspiel aus Verkaufssignalen, Abwärtstrends und moderaten Kurserholungen ergeben hat.

          Der knapp dreijährige zentrale Baisse-Trend, der über das Zwischenhoch um 16,4 Euro im Juni 2019 läuft, liegt aktuell bei knapp 15,0 Euro. Aus der Seitwärtskonsolidierung um 15,0 Euro im Jahr 2019 war die Aktie am Jahresanfang 2020 mit einem technischen Verkaufssignal (Rutsch durch die Unterstützung um 13,7 Euro) nach unten in Bewegung gekommen.

          Im Zuge der Corona-Baisse kam es dann mit einem weiteren Verkaufssignal (Rutsch durch die Unterstützung um 10,0 Euro) zu einer Baisse-Verschärfung und einem Kurseinbruch bis auf 6,1 Euro. Seitdem konnte Metro zwar eine moderate Kurserholung etablieren, jedoch ist die mittelfristige relative Schwäche gegenüber den Indizes erhalten geblieben.

          Die Positionsaufstockungen von einigen Großaktionären hat die technische Lage bei Metro bisher nicht verbessert, im Gegenteil. Da der Streubesitz hierdurch noch etwas gesunken ist, hat dies zu einem leichten Nachteil bei der Positionierung in wichtigen Aktienindizes geführt. Auch ist bei Metro die moderate Kurserholung (bis 9,3 Euro; im Juni 2020) bereits wieder zur Seite verlassen worden. Da sich bei der Aktie kein Ende der Phase der relativen Schwäche zeigt, bleibt der Titel ein technischer Verkauf beziehungsweise ein Tausch.

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