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Technische Analyse : Ein Wechsel im Aktiendepot

  • -Aktualisiert am

Verzinkte Feinblech-Coils der Salzgitter AG Bild: dpa

Vor den Indexanpassungen der Deutschen Börse laufen manche Werten besser als andere. Eine Aktie sticht dabei heraus.

          Während der Index-Reform der Deutschen Börse im vergangenen September wurde der Mittelwerteindex M-Dax auf 60 Titel erweitert, wobei jetzt auch Technologieaktien unterhalb des Dax enthalten sind. Trotz dieser Veränderungen bleibt es aber bei der Erfahrung, dass im Vorfeld regulärer Indexanpassungen im Regelfall die Aufnahmekandidaten ein positives und die Entnahmekandidaten ein negatives technisches Gesamtbild aufweisen.

          Von den M-Dax-Aufnahmekandidaten für März 2019 befindet sich aktuell Knorr-Bremse auf der technischen Kaufliste, während die schwankungsintensive Dialog Semiconductor zurzeit nur eine (gute) Halteposition darstellt. Demgegenüber ist der M-Dax-Entnahmekandidat Salzgitter unverändert auf der technischen Verkaufsliste.

          Knorr-Bremse mit Sicherungsstopp versehen

          Knorr-Bremse, die erst im Oktober 2018 an den deutschen Aktienmarkt gekommen ist, produziert, verkauft und wartet Bremssysteme für Nutz- und Schienenfahrzeuge. Der Titel ist aktuell im S-Dax enthalten und nimmt dort – nach Marktkapitalisierung im Streubesitz – die Position 1 mit einem S-Dax-Gewichtsanteil von ungefähr 7,6 Prozent ein.

          Deshalb überrascht es nicht, dass diese Aktie gute Chancen hat, im März in den M-Dax aufzurücken, wobei der Titel in diesem Index im Bereich von Position 15 mit einem M-Dax-Anteil von 1,8 Prozent notieren sollte. Da dieser Indexaufstieg eine hohe Zahl zusätzlicher Investoren auf den Plan rufen wird, sollte diese Index-Phantasie den Kurs weiter unterstützen. Hinzu kommt das attraktive technische Gesamtbild bei der Aktie.

          Nachdem der Titel mit einem Neuemissionspreis von 80 Euro an den Markt gekommen war, drückte die technische Gesamtbaisse im vierten Quartal 2018 die Aktie in eine Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone um 85 Euro.

          Seit Ende Dezember hat Knorr-Bremse eine Aufwärtsbewegung, die bei 75,50 Euro startete, etabliert. Zuletzt ergab sich mit dem Sprung über die Widerstandszone um 85 Euro ein Investment-Kaufsignal, das als mittelfristiges Etappenziel den Bereich um 95 Euro andeutet. Damit stellt Knorr-Bremse – sowohl aus indextechnischer als auch aus charttechnischer Sicht – einen Zukauf beziehungsweise Kauf dar. Der strategische Sicherungsstopp für eine Position in der Aktie sollte bei 72 Euro liegen.

          Dialog Semiconductor - eine technische Halteposition

          Dialog Semiconductor, die elektronische Produkte zum Beispiel für Smartphones und Tablets entwickeln und produzieren, sind sowohl im Tec-Dax als auch im S-Dax (zurzeit Position 6 mit einem Gewichtsanteil von ungefähr 3,1 Prozent) enthalten. Das technische Gesamtbild für die Aktie weist eine für einen Technologietitel typische Charakteristik auf, wie ausgeprägte mittelfristige Auf- und Abwärtstrends und eine deutlich erhöhte Schwankungsintensität auch im Tageshandel.

          Ausgehend vom Kurshoch um 52,40 Euro aus dem Februar 2017 kam die Aktie zunächst mit mehreren (Trading-)Verkaufssignalen unter Druck, so dass sich ein neuer Abwärtstrend ergab. Zum Jahresende 2017 sorgten weitere ausgeprägte Verkaufssignale für die Etablierung eines Baisse-Trends, wobei dieser erst im Juni 2018 mit einem technischen Ausverkauf bei Kursen um 12,40 Euro endete.

          Vor dem Hintergrund der stark überverkauften mittelfristigen Lage schlug die Aktie nach oben um, und der Titel etablierte im zweiten Halbjahr 2018 einen Erholungstrend – auch gegen die damals eingetrübte technische Gesamtmarktlage. Dieser, von mehreren (Trading-)Kaufsignalen begleitete, neue Aufwärtstrend, dessen Trendlinie zurzeit bei 20 Euro liegt, hat Dialog Semiconductor mit einem aktuellen Kursniveau um 25,50 Euro in die Position des M-Dax-Aufnahmekandidaten geführt.

          Demgegenüber ist durch den deutlichen Anstieg schon wieder eine mittelfristig überkaufte Lage entstanden, so dass technische (Zu-)Käufe einen prozyklischen Charakter aufweisen. Zusammengefasst, ist Dialog Semiconductor trotz der Index-Phantasie aktuell nur eine technische Halteposition mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 19,50 Euro.

          Salzgitter bleibt ein technischer Verkauf

          Salzgitter, die eine umfangreiche Palette von Stahlerzeugnissen und Rohren produziert und verkauft, fällt am deutschen Aktienmarkt sowohl aus indextechnischer Sicht als auch aus charttechnischer Sicht durch eine Berg- und Talfahrt auf. Die Aktie gehörte zunächst im Jahr 1999 zu den Startmitgliedern des S-Dax, der damals 100 Titel umfasste.

          Im September 2001 gelang der Aufstieg in den damaligen M-Dax 70, wobei die M-Dax-Mitgliedschaft sowohl bei der Umstellung der Index-Berechnung auf Marktkapitalisierung nach Streubesitz im Juni 2002 als auch bei der Reduzierung des M-Dax auf 50 Titel im Juni 2003 verteidigt werden konnte. Im Dezember 2008 stieg Salzgitter in den Dax auf, wobei im Juni 2010 wieder die Herabstufung in den M-Dax 50 erfolgte. Jetzt gehört Salzgitter zum Kreis der Entnahmekandidaten für den M-Dax 60.

          Das Unternehmen musste in der jahrelangen technischen Baisse, die im Juli 2007 bei 158,90 Euro begann, bis zum Februar 2016 einen Kursrückgang bis auf 16,80 Euro hinnehmen. Parallel zur Gesamtmarkterholung konnte auch Salzgitter einen von mehreren (Trading-)Kaufsignalen begleiteten Aufwärtstrend etablieren, der die Aktie bis auf ein Kursniveau um 52,50 Euro im Januar 2018 führte.

          Danach kam Salzgitter abermals mit Gewinnmitnahme- und Verkaufssignalen unter Druck und etablierte einen neuen, weiter intakten Baisse-Trend, der jetzt schon Kurse um 25 Euro geliefert hat. Diese neue ausgeprägte mittelfristige relative Schwäche gegenüber dem M-Dax hat Salzgitter in diese schwache Index-Position geschoben. Da aus technischer Sicht die Hinweise für eine Bodenformation fehlen, bleibt Salzgitter ein technischer Verkauf beziehungsweise ein Tausch.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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