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Goldminenaktien gefragt : Wird die Welt jetzt unruhiger?

  • -Aktualisiert am

Eine Goldmine in der Dominikanischen Republik. Bild: dapd

Wenn sowohl Goldminenaktien als auch der Goldpreis selbst sehr wahrscheinlich deutlich steigen werden, liegt eine Frage sehr nahe: Sind das Krisensignale?

          Um die Goldminenaktien ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. Sehr ruhig. Kaum jemand interessierte sich für sie, und kaum jemand wollte sie haben. Kein Wunder: Mit dem Nyse Gold Bugs Index war seit Mitte 2011 kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Seit seinem Hoch bei 650 Punkten fiel der mit Sicherheit bekannteste, die großen Minenaktien wie Barrick Gold und Newmont Mining zusammenfassenden Index bis Anfang 2016 auf fast exakt 100 Punkte zurück.

          Ich will gar nicht wissen, wie es sich anfühlen muss, wenn aus 100 investierten Geldeinheiten binnen fünf Jahren 15 werden, wenn man sträflicherweise auf ein grundsätzlich gebotenes Stoploss verzichtet hat. Selbst die Zwischenerholung in 2016 dürfte vor allem deswegen keine große Freude bereitet haben, weil sie fast genauso schnell wieder in sich zusammenfiel, wie sie einst begonnen hatte. Fast noch schlimmer: Trotz der im Regelfall hohen Korrelation zwischen dem Goldpreis und den Gold Bugs ging die Gold-Erholung in den Jahren 2017 bis Mitte 2018 nicht nur fast spurlos an den Minenaktien vorbei. Sie bescherte deren Besitzern per Saldo sogar Verluste.

          Diese Einleitung legt es schon sehr nahe: Die Geschichte der vergangenen acht Jahre wird wohl kaum die Geschichte der kommenden Jahre sein. So unbefriedigend die vergangenen Jahre auch gewesen sein mögen: Aus technischer Sicht hat sich nun ein richtig guter Chart entwickelt. Wo man auch hinschaut: Man wird so gut wie nichts finden, was mittel- bis langfristig gegen ihn spricht.

          Beispielsweise ist gerade erst der mittelfristige Abwärtstrend (blau) seit den Hochs in 2017 überboten worden und dem langfristigen (rot) dürfte bald dasselbe Schicksal ereilen. Noch wichtiger ist ein anderer Aspekt. Eine klassische Hausse fängt typischerweise mit einer dynamischen Erholung an, die in der Folgezeit fast vollständig dreiteilig korrigiert wird: runter-rauf-runter oder A-B-C.

          Wie hoch steigt der Kurs?

          Der Chart des Gold Bugs Index seit 2016 ist in meinen Augen ein lehrbuchreifes Beispiel dafür: Erst dynamisch nach oben und danach dreiteilig nach unten. Ich rechne deshalb explizit mit einem weiteren deutlichen Anstieg des Gold Bugs Index. Mein mittel- bis langfristiges Ziel sind die Hochs aus dem Jahr 2016 von rund 280 Punkten.

          Vom heutigen Standpunkt aus gesehen scheint dies sogar eher eine konservative Einschätzung zu sein. Natürlich liegen auf dem Weg dorthin beachtenswerte Hindernisse. Beispielsweise wird der bereits erwähnte, aktuell bei etwa 190 Punkten notierende langfristige Abwärtstrend seinen Tribut fordern, und natürlich wird es gerade deshalb auf dem Weg zum Ziel heftige Schwankungen geben. Der Nyse Gold Bugs Index ist schließlich ganz gewiss nicht für den schonenden Umgang mit den Nerven seiner Anleger bekannt.

          Aber die Hauptrichtung dürfte dabei kaum in Gefahr geraten. Denn ein weiteres sehr beachtenswertes Argument für einen Anstieg der Goldminenaktienkurse kommt hinzu: Der Goldpreis selbst. Ohne Eulen nach Athen tragen zu wollen: Der fast alles entscheidende Faktor für das Wohlergehen der Goldminenaktien ist der Goldpreis. Je weiter er steigt, desto besser geht’s den Goldproduzenten. Wie nun der zweite abgebildete Chart zeigt, hat der Preis für eine Feinunze gerade erst seinen langfristigen Abwärtstrend gebrochen, der ihn seit den bisherigen historischen Höchstkursen bei rund 1900 Dollar im Jahr 2011 begleitet hatte.

          Nicht immer, wenn der Goldpreis gestiegen ist, war Krise

          Viel bessere Aufbruchssignale kennt die technischen Analyse so gut wie nicht. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Goldpreis nun auch eine viele Jahre währende Bodenbildung abgeschlossen hat beziehungsweise gerade dabei ist, dies zu tun, hoch, vielleicht sogar sehr hoch. Er sollte sich noch in 2019 auf Niveaus deutlich über der mächtigen Widerstandszone zwischen 1370 und 1380 Dollar einfinden.

          Wenn sowohl die Goldminenaktien als auch der Goldpreis selbst sehr wahrscheinlich deutlich steigen werden, liegt eine Frage sehr nahe: Sind das Krisensignale? Die Antwort kann nicht so eindeutig ausfallen, wie man vermuten möchte. Nicht immer, wenn der Goldpreis gestiegen ist, war Krise, und nicht immer, wenn der Goldpreis gefallen ist, war Nichtkrise.

          Ein gutes Beispiel dafür sind die vergangenen 18 Jahre. Der Goldpreis stieg mehr oder weniger kontinuierlich von 2001 bis 2011 – aber wenigstens in den Jahren 2004 bis 2007 war von Krise kaum eine Spur. Andererseits wird man die Jahre 2011 bis 2016, in denen sich der Goldpreis fast halbiert hat, kaum als krisenfrei sehen dürfen. Denken wir nur an die diversen Griechen-Krisen. Dennoch scheint es eine Generallinie zu geben:

          Die Welt ist ruhiger, wenn der Goldpreis nicht steigt, und ein wenig unruhiger, wenn er es tut. Genau dies wird man mit Blick auf die nächsten Jahre in meinen Augen akzeptieren müssen: Es dürfte unruhiger werden – ohne dass gleich Riesenkrisen wie 2008/2009 auf der Agenda stehen müssen. Gute Nachrichten also für Gold-Enthusiasten: Mehr wird ihnen nur selten geboten. Weniger gute für mich: Ich hab’s gern ruhig!

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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