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Technische Analyse : Seitwärtsbewegungen haben auch Verlierer

  • -Aktualisiert am

Nicht nur die Vodafone-Aktie ist aus charttechnischer Sicht ein Verkauf. Bild: Reuters

Am Aktienmarkt geht die moderate Sommerrally dank guter Bilanzen weiter. Anleger sollten aber nicht nur bei zwei Dax-Aktien über einen Verkauf oder Tausch nachdenken.

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          Trotz der aktuell laufenden moderaten Sommerrally im Euro Stoxx 50 und Dax fehlen weiterhin die technischen Hinweise, dass die beiden Aktienindizes schon am Abschluss der seit Mitte 2017 vorliegenden Seitwärtspendelbewegungen arbeiten. Seitwärtsbewegungen des Gesamtmarktes werden im Regelfall von einer Aufspaltung der Kurstendenzen auf Sektor- und Einzelwertebene in technische Gewinner und Verlierer begleitet.

          Diejenigen europäischen Standardwerte mit technischen Eintrübungen oder intakten Abwärtstrends sind deshalb zurzeit ganz oben auf der Liste für Untergewichtungen, technische Verkäufe oder zur Liquiditätsbeschaffung zu finden. Mit Blick auf den Stoxx 50 sind aktuell zum Beispiel der britische Rohstoffkonzern Glencore und der britische Mobilfunkriese Vodafone auf dieser Verkaufsliste.

          Vom Euro Stoxx 50 kommen die französische Engie (Energieversorger), Saint Gobain (Baustoffkonzern) und der niederländisch-französische Immobilienkonzern Unibail-Rodamco hinzu. Aus dem Dax befinden sich Lufthansa und Heidelberg-Cement in Abwärtstrends.

          Vodafone - ein technischer Verkauf

          Vodafone, die weltweit eine Vielzahl von Mobilfunkaktivitäten einschließlich Daten- und Sprachkommunikation anbietet, ist nach Marktkapitalisierung im Streubesitz weiterhin die größte Aktie im europäischen Telekommunikationssektor. Das Unternehmen, das sowohl im Jahr 2000 durch die Übernahme von Mannesmann als auch im Jahr 2014 durch die umfangreiche Abgabe von amerikanischem Geschäft einer Sonderausschüttung aufgefallen war, hat zurzeit mit einer mittel- und langfristigen technischen Eintrübung zu kämpfen. Seit dem Jahr 2000 besteht die Grundstruktur der Kursentwicklung dieser Aktie nur aus drei technischen Phasen.

          Zuerst der ausgeprägte Baisse-Trend (von Februar 2000 bis September 2002) mit einem Kurseinbruch von 571 auf 111 Pence. Die zweite technische Phase war eine sehr moderate, langfristige Kurserholung, die aus einem Wechselspiel von mittelfristigen Aufwärtstrends und erneuten Kursrückgängen bestand. Insgesamt ergab sich bis zum Januar 2010 ein Kursanstieg bis auf über 250 Pence, bevor es im ersten Quartal 2014 zu einer Sonderdividende und der Abspaltung von einigen amerikanischen Aktivitäten kam. Als Konsequenz besteht die dritte technische Phase, eine Seitwärtspendelbewegung, schon seit dem Jahr 2013. Hierbei hatte sich eine Kernhandelsspanne oberhalb der gestaffelten Unterstützungszone um 180 Pence und unterhalb der Widerstandszone von 240 bis 260 Pence herausgebildet.

          Nachdem noch im Januar 2018 die Widerstandszone mit Jahrestops um 240 Pence getestet wurde, liegt seitdem eine kontinuierliche technische Eintrübung vor. Ein von Trading-Verkaufssignalen begleiteter Abwärtstrend, dessen Abwärtstrendlinie aktuell bei 195 Pence liegt, weitet sich ständig aus. Zuletzt wurde die Aktie durch die mehrjährige, gestaffelte Unterstützungszone um 180 Pence gedrückt, so dass die technische Gesamtlage zur Vorsicht mahnt. Trotz einer über dem Marktdurchschnitt liegenden Dividendenrendite bleibt Vodafone damit ein technischer Verkauf oder ein technischer Tausch.

          Engie - ein technischer Tauschkandidat

          Engie, deren Geschäftsschwerpunkt die Produktion, die Lagerung, der Transport, der Handel und die Verteilung von Strom und Gas sowie von Energie- und Umweltdiensten ist, gehört nach Marktkapitalisierung im Streubesitz zu den kleineren Aktien im Euro Stoxx 50. Auch wenn der Titel in diesem Jahr bisher nicht zum engeren Kreis der Euro-Stoxx-50-Entnahmetitel gehört, fehlen aus technischer Sicht (weiterhin) die mittelfristigen Perspektiven. Die Aktie befindet sich seit dem Jahr 2008 und Kursen um 44,80 Euro in einer Baisse-Bewegung, wobei sich ab dem Jahr 2011 und Kursen um 30,10 Euro ein idealtypischer Baisse-Trend ergeben hat.

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