https://www.faz.net/-gv6-9n0w6

Technische Analyse : Diese europäischen Aktien sind Verkauf-Kandidaten

  • -Aktualisiert am

Die hohen Kosten für 5G-Lizenzen machen Vodafone zu schaffen. Bild: AFP

Unter 72 unterschiedlichen Aktien im Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 gibt es aus technischer Sicht nicht nur gute Titel. Mindestens neun Werte bieten sich aktuell zum Tausch beziehungsweise zum Verkauf an.

          Nachdem im Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 die feinen technischen Aufwärtstrends seit dem Jahreswechsel 2018/2019 zuletzt in schwankungsintensive Konsolidierungen verlassen wurden, kommt es bei Aktien, die schon in den vergangenen Wochen eine relative Schwäche zu den Indizes aufwiesen, zu weiteren technischen Verschlechterungen.

          Bei den insgesamt 72 unterschiedlichen Aktien aus diesen beiden Aktienindizes gibt es aus technischer Sicht nicht nur gute Titel, sondern mindestens neun Werte bieten sich aktuell zum Tausch beziehungsweise zum Verkauf an. Hierbei handelt es sich aus dem Bereich der Rohstoffe um die britischen Glencor, aus dem Telekommunikationssektor um die französische Orange, die spanische Telefónica und die britische Vodafone. Aus dem Bankensektor kommen Barclays, Société Générale und UBS hinzu. Zusätzlich stehen die Schweizer ABB und die finnische Nokia zurzeit auf der technischen Verkaufsliste.

          ABB - ein technischer Verkauf

          Der Schweizer ABB-Konzern, der in aller Welt Strom- und Automatisierungstechnologien anbietet, war in den vergangenen Monaten eher mit der Diskussion um die Geschäftsausrichtung und um das Spitzenmanagement aufgefallen, als dass eine gute technische Gesamtlage vorliegt. Seit dem Jahr 2008 und Kursen um 11,30 Schweizer Franken befindet sich die Aktie seit mehr als zehn Jahren in einer Seitwärtspendelbewegung mit einer ganz leicht positiven Grundausrichtung. Hierbei hat sich schwerpunktmäßig ein Seitwärts-Tradingmarkt unterhalb der langfristigen Widerstandszone von 24 bis 25 Schweizer Franken mit mittelfristigen Abwärts- und Aufwärtstrends ergeben.

          Mit Hilfe des letzten mittelfristigen Aufwärtstrends, der im Januar 2016 bei 15,90 Schweizer Franken startete, konnte ABB zum Jahresanfang 2018 die mehrjährige Widerstandszone um 25 Schweizer Franken zwar leicht überbieten, jedoch konnte die Aktie kein (Investment-)Kaufsignal liefern. Im Gegenteil, der Titel kam abermals unter Druck und etablierte wieder einen mittelfristigen Abwärtstrend, der sich in den vergangenen Wochen zu einem Baisse-Trend (Baisse-Trendlinie zurzeit bei 21,50 Schweizer Franken) ausgeweitet hat. ABB, die in den vergangenen Monaten eine sehr ausgeprägte, relative Schwäche gegenüber den Standardwerteindizes in Europa aufweisen, hat in den vergangenen Handelstagen schon wieder mit Kursrückgängen und technischen Eintrübungen zu kämpfen. Da bei ABB die technischen Hinweise fehlen, dass der aktuelle, mittelfristige Baisse-Trend verlassen wird oder aber die Aktie den Abschluss der seit mehr als zehn Jahren bestehenden Seitwärtspendelbewegung vorbereitet, bleibt der Titel ein technischer Verkauf beziehungsweise Tausch.

          Nokia - es fehlen die charttechnischen Perspektiven

          Nokia ist mittlerweile ein in aller Welt tätiges Kommunikationsunternehmen mit einem Schwerpunkt bei der Entwicklung, Produktion und dem Betrieb von Telekommunikationsnetzen sowie Kommunikationskanälen. Die Aktie von Nokia war, ausgehend von Kursen um 7,90 Euro (April 2015), in eine Abwärtsbewegung gerutscht, wobei mehrere Verkaufssignale den Titel in einen moderaten Baisse-Trend gedrückt haben. Ab dem Jahreswechsel 2016/2017 ist Nokia dann, ausgehend von einem Kursniveau um 3,65 Euro, in eine Seitwärtspendelbewegung mit der Kernhandelspanne zwischen 4 und 6 Euro übergegangen. Innerhalb dieser Spanne etablierte Nokia jeweils „normale“ mittelfristige Ab- und Aufwärtstrends.

          Der letzte mittelfristige Aufwärtstrend (Dezember 2017 bis Januar 2019) lieferte einen Anstieg von 3,80 Euro auf 5,80 Euro und fand in einer Zeitperiode der Gesamtmarktschwäche statt. In den vergangenen Monaten ist es aber wieder zu einer deutlichen mittelfristigen, technischen Eintrübung gekommen. Hierbei hat Nokia den vorherigen, mittelfristigen Aufwärtstrend mit einem ausgeprägten Verkaufssignal verlassen und einen neuen mittelfristigen Abwärtstrend etabliert. Hier sollte es nicht überraschen, wenn die Aktie, die jetzt mit einer mittelfristigen, relativen Schwäche gegenüber den wichtigen europäischen Aktienindizes ausgestattet ist, abermals die gestaffelte Unterstützungszone von 3,70 Euro bis 4 Euro testet. Aufgrund der fehlenden technischen Perspektiven stellt Nokia jetzt einen Verkauf beziehungsweise Tausch dar.

          Vodafone-Aktie in einer Konsolidierung-Phase

          Die britischen Vodafone ist ein in aller Welt operierendes Mobilfunkunternehmen mit einer umfangreichen Palette an Produkten. Die Aktie von Vodafone war viele Jahre der nach Marktkapitalisierung im Streubesitz größte Titel im europäischen Telekommunikationssektor. Diese Position ist in den vergangenen Monaten an die Deutsche Telekom gegangen und Vodafone auf Position zwei zurückgefallen. Der Hauptgrund hierfür ist die intakte technische Baisse in diesem Titel. Ausgehend von Kursen um 240 britische Pence zum Jahreswechsel 2017/2018 etablierte Vodafone einen Abwärtstrend.

          Dieser führte den Wert – innerhalb der seit fünf Jahren bestehenden Seitwärtspendelbewegung (gestaffelte Unterstützungszone von 179 bis 190 britischen Pence; Widerstandszone ab 240 britischen Pence) – vom oberen an den unteren Rand. Im August 2018 ist der Titel dann mit einem übergeordneten Verkaufssignal durch diese Widerstandszone gerutscht und hat einen, bis heute intakten Baisse-Trend (aktuelle Baisse-Trendlinie bei 145 britischen Pence) etabliert. Nach dem Kursrückgang bis auf die Unterstützungszone um 130 britische Pence kam es zu einer Stabilisierung. Jedoch steckte die Aktie nur – innerhalb des intakten Baisse-Trends – in einer trendbestätigenden Konsolidierung. Zuletzt ist der Titel – begleitet von der Ankündigung des Unternehmens die Brutto-Jahresdividende zu senken – mit einem abermaligen Verkaufssignal unter Druck gekommen. Aus technischer Sicht bleibt Vodafone ein Verkauf beziehungsweise Tausch.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

          Weitere Themen

          Degradiert Trump den Fed-Chef Powell?

          Drohung wegen Zinspolitik : Degradiert Trump den Fed-Chef Powell?

          Amerikas Präsident Donald Trump ist unzufrieden mit der Zinspolitik der Notenbank Fed. Jetzt deutet er sogar an, er könne deren Chef Powell degradieren. Die Notenbank hält dagegen.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.