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Technische Analyse : Diese Aktien sind kaufenswert

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Eine Produktionsanlage von Johnnie Walker-Wiskey: Die Aktie des Konzerns ist für Anleger interessant. Bild: Reuters

Von den 72 unterschiedlichen Aktien im Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 befinden sich 16 Titel auf neuen Allzeithochs. Drei von diesen sollten sich Anleger genau anschauen.

          Neue Allzeithochs in Aktienindizes beziehungsweise bei Standardwerten signalisieren im Regelfall eine intakte technische Neubewertung und weiter steigende Notierungen. Von den 72 unterschiedlichen Aktien im Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 befinden sich schon 16 Titel auf neuen Allzeithochs.

          Hierbei handelt es sich aus Deutschland um Adidas, Linde und SAP und aus Großbritannien um Astra Zeneca, Diageo und Unilever Plc. Bei den französischen Titeln sind Airbus, Air Liquide, Kering, L’Oreal, LVMH, Safran, Schneider Electric und Vinci zu nennen. Hinzu kommen die Schweizer Nestle und die niederländische Unilever NV. Von diesen Werten sind aufgrund ihrer technischen Gesamtlage Diageo, L’Oreal und SAP (Zu-)Käufe.

          Diageo - ein technischer Kauf

          Diageo ist ein in aller Welt operierender Getränkekonzern mit den Schwerpunkten auf Spirituosen – beispielsweise Smirnoff Wodka, Johnnie Walker Whisky, Captain Morgan Rum, Baileys Irish Cream – und Bieren –, beispielsweise Guinness. Diese Aktie befindet sich seit September 1988 und Kursen um 152 britischen Pence in einer langfristigen Hausse-Bewegung und gehört deshalb zu den technischen Marathonläufern an den europäischen Aktienmärkten. Seit März 2009 (Start bei 727 britischen Pence) hat sich ein idealtypischer Hausse-Trend (10-jährige zentrale Hausse-Trendlinie zurzeit bei 2450 britischen Pence) ergeben, der unter anderen auch aufgrund des leichteren britischen Pfundes eine etwas höhere, langfristige Aufwärtsdynamik in lokaler Währung aufweist.

          Im Sommer 2016 beendete die Aktie die vorherige Seitwärtskorrektur mit einem übergeordneten Investment-Kaufsignal (Sprung über die Zone um 2000 britische Pence), so dass die technische Neubewertung wieder aufgenommen wurde. Seitdem liegt ein neuer mittelfristiger Hausse-Trend vor, die Hausse-Trendlinie verläuft aktuell leicht unterhalb der steigenden 200-Tage-Linie bei 2800 britischen Pence. Zuletzt ist Diageo an das technische Etappenziel bei 3200 britischen Pence herangelaufen. Aufgrund der guten technischen Gesamtlage und der intakten Neubewertung der Aktie deutet sich als nächstes, mittelfristiges Etappenziel der Bereich von 3400 bis 3500 britischen Pence an. Als Konsequenz bleibt Diageo, die aktuell eine Brutto-Jahresdividendenrendite von 2,2 Prozent aufweist, ein technischer Kauf.

          Laufende kurzfristige Konsolidierung bei L’Oreal nutzen

          L’Oreal ist ein in aller Welt operierender Konzern mit 28 internationalen Marken des persönlichen Bedarfs, die in vier Oberbereiche wie „Consumer Products“, professionelle Produkte für Friseursalons und Online-Shops sowie Marken der Luxusprodukte und der Apothekenkosmetik eingeteilt werden können. Diese Aktie ist weiterhin ein Musterbeispiel für einen defensiven technischen Wachstumswert und einen technischen Marathonläufer. Ausgehend von Kursen um 0,68 Euro im Januar 1978 befindet sich der Titel in einer sehr langfristigen Hausse-Bewegung, die allerdings von November 2000 bis zum Dezember 2012 unterhalb der Widerstandszone um 100 Euro eine mehrjährige Pause eingelegt hatte.

          Seit dem Tief bei 46 Euro vom März 2009 befindet sich der Titel wieder in einer Aufwärtsbewegung, wobei sich ab dem Jahreswechsel 2015/2016 und Kursen um 140,40 Euro ein moderater, technischer Hausse-Trend, der zurzeit bei 180 Euro liegt, herausgebildet hat. Innerhalb dieses Trends hat sich bei L’Oreal ein idealtypisches Wechselspiel von Kaufsignalen, kurzfristigen Aufwärtstrends und trendbestätigenden Konsolidierungen ergeben. Zuletzt war L’Oreal, die besonders in Asien deutliche Verkaufszuwächse verkünden konnten, im Februar 2019 aus dem vorherigen Aufwärtsdreieck (Widerstandszone um 215 Euro) mit einem Investment-Kaufsignal herausgelaufen. Einerseits wurde durch die zuletzt aufgetretene Kursrally das technische Etappenziel von 235 Euro bis 240 Euro erreicht, andererseits deutet die technische Gesamtlage eine Fortsetzung der Neubewertung bis zum neuen Etappenziel von 255 Euro an. Bei L’Oreal, die eine Brutto-Jahresdividendenrendite von 1,6 Prozent aufweist, sollte die aktuell laufende kurzfristige Konsolidierung zum technischen Kauf genutzt werden.

          SAP ist weiter ein Kauf

          Der Softwarekonzern SAP ist schon nach Marktkapitalisierung im Streubesitz die größte Aktie in Deutschland mit einer wachsenden Bedeutung in den wichtigen Aktienindizes. So ist zum Beispiel im H-Dax (umfasst den Dax, M-Dax und die weiteren Tec-Dax-Titel, die nicht schon im Dax und M-Dax enthalten sind) die Gewichtung von SAP schon fast so groß wie die von Daimler, BMW, VW Vorzügen und Continental zusammen. SAP ist ein technischer Marathonläufer, wobei der Kursanstieg seit September 1994 und dem Startniveau von 3,43 Euro (Kursniveau ist bereinigt um zwischenzeitliche Kapitalmarktaktivitäten) in drei technische Phasen eingeteilt werden kann. Zuerst der sehr steile, schwankungsintensive Hausse-Trend von September 1994 bis März 2000 mit Kursen um 71,50 Euro. Danach folgte bis zum Jahreswechsel 2011/2012 eine schwankungsintensive Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone von 48 Euro bis 50 Euro.

          Mit Hilfe des seit Oktober 2008 (Start bei 20,70 Euro) vorhandenen neuen Hausse-Trends (10-jähriger Hausse-Trend bei 82 Euro) hat SAP die technische Neubewertung wieder aufgenommen. Seit Ende 2017 befand sich die Aktie oberhalb der Unterstützungszone von 82 Euro bis 84 Euro und unterhalb der Widerstandszone von 105 bis 108,50 Euro in einer Korrektur, ohne dass der übergeordnete Hausse-Trend zur Disposition stand. Begleitet von den neuesten Unternehmensnachrichten ist SAP mit einem neuen Investment-Kaufsignal (Sprung über 108 Euro) aus dieser trendbestätigenden Korrektur nach oben herausgelaufen. Die technische Neubewertung in SAP sollte sich in Richtung des nächsten, mittelfristigen Etappenziels bei 125 Euro fortsetzen. Aus technischer Sicht bleibt SAP, die eine Brutto-Jahresdividendenrendite von 1,3 Prozent aufweist, ein Kauf.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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