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Technische Analyse : Die Hausse ist intakt

  • -Aktualisiert am

Die Hausse an den Börsen ist intakt. Bild: Reuters

Die Weltleitbörse in New York mit dem S&P 500-Index ist auf dem Weg zu neuen Allzeithochs. Auch der Dax dürfte im Jahresverlauf Aufholpotential besitzen. Die technische Analyse.

          4 Min.

          Einerseits haben die internationalen Finanz- und Aktienmärkte mit den zuletzt schwächeren Konjunkturdaten und -prognosen und den damit veränderten Ertragschancen für die Unternehmen zu kämpfen. Andererseits sorgen die rund um die Welt gesunkenen Inflationsraten und Anleiherenditen, die Aussicht auf konjunkturstützende Geldpolitik durch viele Notenbanken und die Erwartung der Beilegung der Handelskonflikte für Rückenwind.

          Als Konsequenz befindet sich die Weltleitbörse in New York mit dem S&P 500 im Jahr 2019 auf dem Weg zu neuen Allzeithochs, wobei sich aber die Aufwärtsdynamik deutlich abschwächen sollte. Und während der japanische Aktienindex Nikkei 225 auch im zweiten Quartal im Status der relativen Schwäche im Indexvergleich verbleibt, sollte der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 – trotz Brexit-Diskussion und Unsicherheiten bezüglich der Europawahl – seine relative Stärke durchhalten. Im Dax, der aufgrund seiner Zusammensetzung in letzter Zeit eher nur mitgezogen wurde, sollte sich die Aufwärtsbewegung in den kommenden Monaten – bei reduzierter Aufwärtsdynamik – in Richtung 12.500 Punkte fortsetzen.

          S&P 500 im Hausse-Zyklus

          Der S&P 500 befindet sich seit März 2009 (Start bei 666 Punkten) trotz der Kursschwäche im vierten Quartal 2018 unverändert in einem Hausse-Zyklus. Dieser hat bisher mit dem Anstieg zur neuen Widerstandszone auf 2941 Punkte im September 2018 einen Zugewinn von 341 Prozent eingebracht. Der beschleunigte Bilderbuch-Haussetrend von Februar 2016 bis Januar 2018 sorgte mit dem Kursanstieg von 1810 auf 2873 Punkte für eine mittelfristig überkaufte Lage.

          2018 führte der damalige Anstieg der Anleiherenditen und Leitzinsanhebungen in Amerika den S&P 500 in eine schwankungsintensive Seitwärtsbewegung (Unterstützungszone von 2530 bis 2550; Widerstandszone von 2870 bis 2940). Im vierten Quartal 2018 sorgten Verkaufssignale für einen kurzfristigen Abwärtstrend bis auf 2347 Punkte (Unterstützungszone), was zu einer überverkauften Lage geführt hat. Seit dem Jahreswechsel ist der S&P 500 nach oben umgeschlagen und mit derselben Dynamik wieder hochgelaufen.

          Diese „V“-Erholungen treten zwar nicht so häufig auf, haben dafür aber eine hohe technische Qualität. Nach einem ersten Quartal mit derart ausgeprägten Kursgewinnen setzt sich im Regelfall auch im weiteren Jahresverlauf die Aufwärtsbewegung – allerdings mit reduzierter Aufwärtsdynamik – fort. Die gute Marktbreite an der Wall Street und die vielen Sektorindizes, die bereits neue Allzeithochs geliefert haben, signalisieren, dass auch der S&P 500 im Laufe des Jahres die Widerstandszone im Umfeld seiner Allzeithochs bei 2940 Punkten überbieten sollte.

          Japans Nikkei 225 im etablierten Aufwärtstrend

          Der Nikkei 225 war nach der technischen Bilderbuch-Hausse von Juni 2016 bis Oktober 2018 mit der Hilfe von zwei Aufwärtstrends von 14.864 auf 24.448 Punkte gestiegen. Das Jahr 2018 war aber bereits durch eine Seitwärtspendelbewegung (Unterstützungszone um 21 000, Widerstandszone von 24.000 bis 24.400) von einem freundlichen Grundton geprägt. Im vierten Quartal musste auch der Nikkei 225 Verkaufssignale und einen kurzfristigen Abwärtstrend hinnehmen, der ihn aus dieser Seitwärtspendelbewegung nach unten herausgedrückt hat.

          Nach dem Mini-Ausverkauf bis auf 18.948 Punkte (neue Unterstützungszone; Ende Dezember 2018) ist auch der Nikkei 225 nach oben umgeschlagen und hat einen Aufwärtstrend etabliert. Da der Index wieder über die Widerstandszone um 21.000 und zuletzt auch über die 200-Tage-Linie gesprungen ist, deutet sich auch hier eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung an. Jedoch sollte der Nikkei seine moderate relative Schwäche im Index-Vergleich beibehalten. Technische Hinweise, dass der Index die alten Hausse-Tops (von 24.000 bis 24.400 Punkte) testet, fehlen aktuell.

          Euro Stoxx 50 in einer Seitwärtsbewegung

          Der Euro Stoxx 50 befindet sich aus übergeordneter, technischer Sicht seit vier Jahren – ausgehend von 3836 Punkten im April 2015 – in einer Seitwärtsbewegung. Innerhalb dieser haben sich Auf- und Abwärtstrends sowie Seitwärtspendelbewegung abgewechselt. Aus der Seitwärtsbewegung von Anfang 2017 bis Ende 2018 (Unterstützungszone: 3260; Widerstandszone: 3710) war der Index mit Hilfe eines neuen Baisse-Trends herausgefallen, so dass dieser Baisse-Trend insgesamt von 3710 bis auf 2909 Punkte (Dezember 2018) führte.

          Aufgrund der kurzfristig überverkauften Lage ist auch der Euro Stoxx 50 in eine „V“-Erholung umgeschlagen, und der aktuelle Aufwärtstrend hat den Index zuerst wieder in die alte Seitwärtsbewegung geführt. Danach deuteten weitere Kaufsignale (zum Beispiel Verlassen des Baisse-Trends, Sprung über die 200-Tage-Linie) eine Fortsetzung dieses Aufwärtstrends an. Aus technischer Sicht sollte der Euro Stoxx 50, der aktuell aufgrund seiner Zusammensetzung im europäischen Vergleich eine moderate relative Stärke aufweist, im Jahresverlauf weiter in Richtung der mittelfristigen Widerstandszone ab 3700 steigen.

          Dax mit relativer Schwäche

          Der Dax hatte 2018 oberhalb der Unterstützungszone von 11.700 bis 11.800 Punkten eine flache Kopf-Schulter-Verkaufsformation herausgebildet. Deshalb überraschte es nicht, dass der Index im Oktober mit einem Verkaufssignal in einen (Zwischen-)Baisse-Trend gerutscht ist. Mit den Kursverlusten bis auf 10.279 waren die Verkaufssignale abgearbeitet und eine kurzfristig überverkaufte Lage entstanden. Im Umfeld der langfristigen Unterstützungszone von 10.190 ist auch der Dax seit dem Jahreswechsel 2018/2019 nach oben umgeschlagen.

          Einerseits hat der Dax – nicht zuletzt aufgrund seiner Zusammensetzung und dem hohen Anteil von zyklischen Sektoren (etwa Autos, Chemie, Industriegüter) – eine moderate relative Schwäche im europäischen Index-Vergleich. Andererseits liegt hier aber auch die Chance für den Rest des Jahres, dass der Dax eine höhere Eigendynamik entwickelt. Mit Hilfe des neuen Aufwärtstrends und weiteren (Trading-)Kaufsignalen (Sprung über die Zone von 11.700 bis 11.800; Sprung über die noch leicht fallende 200-Tage-Linie) verfestigt sich auch im Dax die Erholung. Hier deuten sich als nächste (mittelfristige) technische Etappenziele für 2019 sowohl ein Test der alten Widerstandszone um 12.400 Punkte als auch ein Test der gestaffelten Widerstandszone ab 12.900 an.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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