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Eine Erfolgsgeschichte : Der S&P 500 bleibt im Millennium-Trend

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An der New Yorker Börse warten Händler, dass der breite S&P500-Index die 3000er-Marke auf Schlusskursbasis überschreitet. Bild: EPA

Der marktbreite S&P 500 hat bisher auf Schlusskursbasis noch nicht die Marke von 3000 Punkten geknackt. Lange wird es aber nicht mehr brauchen, der Index bleibt auf Rekordkurs und hat einen anderen im Schlepptau.

          Mit Hilfe der technischen Analyse lassen sich bei Aktienindizes auch sehr langfristige Trends herausarbeiten. So befindet sich an der Weltleitbörse in New York aus übergeordneter technischer Sicht der S&P 500, ein Kursindex, seit 1932 in einem sehr langfristigen Aufwärtstrend („Millennium-Trend“).

          Der seit März 2009 laufende Hausse-Zyklus an der Wall Street ist nur ein klassischer Teil im Verlaufsmuster so eines Millennium-Trends. Die technische Gesamtlage signalisiert, dass sich dieser Hausse-Zyklus weiter fortsetzen sollte. Der Dax weist trotz des Charakters als Performance-Index in den letzten 60 Jahren ein vergleichbares Chartbild wie der S&P 500 auf. Da der amerikanische Index aus übergeordneter, technischer Sicht den Dax im Schlepptau hat, sollte sich auch im Dax in den nächsten Jahren die Klettertour fortsetzen.

          Die Wall Street überflügelte 1919 auf Basis der Marktkapitalisierung die vorher führende London Stock Exchange und übernahm damit die Rolle als Weltleitbörse. Diese Rolle sollte auch noch einige Zeit Bestand haben.

          Der S&P 500, der rund 70 Prozent der Marktkapitalisierung des amerikanischen Aktienmarktes umfasst, ist ein Kursindex. Dies bedeutet, dass Dividendenzahlungen der Index-Mitglieder nicht in Kursveränderungen umgerechnet werden. Die Ausgangsbasis des S&P 500 ist 10 Punkte und wurde auf Basis der Kursdaten von 1941 bis 1943 festgelegt. Dieser Index lässt sich in angemessener Form bis 1870 zurückrechnen.

          Seit 80 Jahren im Aufwärtstrend

          Ausgehend von einem Niveau um 4,4 Punkte im Juni 1932, befindet sich der S&P 500 in einem sehr langfristigen Aufwärtstrend. Dieser ergibt sich aus der Verbindung der Index-Tiefpunkte im Juni 1932, 1942 und 1974 und liegt aktuell bei knapp 1000 Punkten. Der seit fast 80 Jahren vorliegende Millennium-Trend besteht aus übergeordneter technischer Sicht wiederum aus einem Wechselspiel von mehrjährigen Seitwärtspendelbewegungen, ausgeprägten Investment-Kaufsignalen und mehrjährigen Aufwärtsbewegungen (Hausse-Zyklen). Bisher gab es drei solcher Seitwärtspendelbewegungen (erstens von März 1937 bis zum Jahreswechsel 1951/1952 unterhalb der Widerstandszone um 19,5 Punkte; zweitens von Ende der 60er Jahre bis Anfang der 80er Jahre unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 108,4 bis 120,2 Punkte; drittens von März 2000 bis zum April 2013 oberhalb der Unterstützung um 666 Punkte und unterhalb der Widerstandszone von 1550 bis 1575 Punkten).

          Diese Seitwärtspendelbewegungen hatten jeweils einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Mit Hilfe einer neuen technischen Hausse, die sich danach zu einem Hausse-Zyklus ausgeweitet hat, war der S&P 500 jeweils nach oben aus den Seitwärtspendelbewegungen herausgelaufen. Dabei ist die Ausdehnung der Seitwärtspendelbewegung das neue langfristige technische Mindestkursziel.

          Als Konsequenz hatte das übergeordnete Investment-Kaufsignal vom April 2013 (Sprung über 1575) aufgrund der vorherigen Ausdehnung der 13-jährigen Seitwärtspendelbewegung von ungefähr 900 Punkten ein langfristiges technisches Mindestkursziel von 2400 bis 2500 Punkten. Dieses hat der S&P 500 schon im Jahr 2017 erreicht. Bei der Analyse der Hausse-Zyklen innerhalb des Millennium-Trends fällt auf, dass diese – bei attraktiven Rahmenbedingungen – einen Zugewinn im Index von 450 Prozent geliefert haben. Übertragen auf den aktuellen Hausse-Zyklus im S&P 500, der im März 2009 bei 666 Punkten startete, bedeutet dies für die nächsten Jahre ein langfristiges technisches Kurspotential bis in den Bereich von 3600 bis 3700 Punkten.

          Dax kommt aus dem Schlepptau des S&P 500 nicht heraus

          Der Dax, ein Performance-Index, startete Ende 1987 bei 1000 Punkten. Aufgrund der Anbindung an Vorläuferaktienindizes liegt eine ansprechende Datenreihe bis 1959 vor. Beim Dax findet sich für die vergangenen 60 Jahre aus technischer Sicht ein vergleichbares Bild wie im S&P 500. Nach dem Erreichen des damaligen Hausse-Tops um 659,2 Punkte im November 1969 ging der Index – unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 600 bis 660 Punkten – in eine langfristige Seitwärtspendelbewegung über.

          Diese hatte die Form eines langfristigen Aufwärtsdreiecks. Aufgrund des trendbestätigenden Charakters dieser Chartformation überrascht es nicht, dass der Dax zum Jahreswechsel 1982/1983 nach oben angesprungen ist und innerhalb des neuen Hausse-Zyklus bis auf 8150 (März 2000; neue Widerstandszone) gelaufen war. Im Anschluss ergab sich im Dax wieder eine Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone um 8150 Punkte, die abermals den Charakter eines langfristigen Aufwärtsdreiecks aufwies.

          Dieses Dreieck hatte wieder einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Die im März 2009 gestartete technische Hausse, die sich auch wie im S&P 500 zu einem Hausse-Zyklus ausgeweitet hat, sorgte im April 2013 mit dem Sprung über 8150 Punkten für ein weiteres, übergeordnetes Investment-Kaufsignal. Das 13-jährige Aufwärtsdreieck hatte vom Tiefpunkt bei ungefähr 2200 Punkten (März 2003) bis zur Widerstandszone um 8150 Punkte eine Ausdehnung von fast 6000 Punkten.

          Bei einem bestätigten Kursausbruch nach oben beträgt das langfristige technische Mindestkurspotential – gerechnet ab 8150 – weitere 6000 Punkte. Damit sollte im Dax als Etappenzielzone für die nächsten Jahre für den aktuellen, technischen Hausse-Zyklus der Bereich von 14 000 bis 14 500 vorliegen. Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung von Dax und S&P 500 kann es aus technischer Sicht zwar sein, dass der Dax einige Monate „etwas Leine“ hat – letztendlich wird er aber aus dem Schlepptau des S&P 500 nicht herauskommen.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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