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Technische Analyse : Zeit zum Zukaufen

  • -Aktualisiert am

Air Liquide-Werk: Die Aktie des Unternehmens hat Kurspotenzial. Bild: obs

In den beiden Aktienindizes Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 gibt es drei Aktien, bei denen Anleger jetzt genau hinsehen sollten. Diese Wertpapiere sind Kaufkandidaten.

          Die technische Gesamtlage eines Aktienindex spiegelt im Regelfall die technische Lage der im Index enthaltenen Einzelwerte wider. Deshalb gibt die Marktbreitenanalyse, also die Analyse der isolierten technischen Lage der Index-Mitglieder – unabhängig von ihrer Bedeutung und Gewichtung im Index – eine gute Indikation über die Qualität und Stabilität von Aufwärts- und Abwärtsbewegungen im Index.

          Mit Blick auf die 72 unterschiedlichen Titel im Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 haben mittlerweile 19 Aktien – vor einigen Wochen waren es erst 15 – neue Allzeithochs erreicht. Auch die zusätzliche Anzahl der Werte, die zuletzt neue Hausse-Tops (in diesem Hausse-Zyklus) erreicht haben, ist weiter angestiegen.

          Damit signalisiert die Marktbreite unter den europäischen Standardwerten auch für das zweite Halbjahr 2019 für den Stoxx 50 und den Euro Stoxx 50 weiter steigende Notierungen. Mit Blick auf die Einzelwerte sind dabei die französische Air Liquide, die britische Astra-Zeneca und die Munich Re interessante technische (Zu-)Käufe.

          Air Liquide produziert, vermarktet und vertreibt schwerpunktmäßig medizinische Gase und Industriegase. Die Aktie der Gesellschaft, die sowohl im Stoxx 50 als auch im Euro Stoxx 50 enthalten ist, gehört zu den europäischen Marathon-Läufern. Dies steht für europäische Standardwerte, die sich seit Jahren in einer Aufwärtsbewegung befinden und innerhalb einer Gesamtmarkthausse im Regelfall neue Allzeithochs liefert.

          Air Liquide-Aktie ist ein Marathon-Läufer

          Air Liquide befindet sich seit November 1989 und Kursen um 11,10 Euro in einer sehr langfristigen Aufwärtsbewegung, wobei der zentrale, dreißigjährige Hausse-Trend aktuell bei rund 80 Euro liegt. Seit März 2009 und Kursen um 37,70 Euro hat sich mit dem laufenden Hausse-Zyklus das langfristige Aufwärtsmomentum etwas erhöht.

          Die neue mittelfristige Hausse-Bewegung seit Mitte 2016 mündete seit dem Jahreswechsel 2017/2018 in einen mittelfristigen Aufwärtskanal. Hierbei wurde zunächst die Widerstandszone im Umfeld der alten Allzeithochs um 110 Euro mit einem Investment-Kaufsignal überwunden.

          Zuletzt ergab sich mit dem Verlassen des mittelfristigen Aufwärtskanals nach oben sowohl ein weiteres Investment-Kaufsignal als auch eine moderate Hausse-Beschleunigung. Da die technische Gesamtlage bei Air Liquide eine Fortsetzung der Neubewertung andeutet, bleibt die Aktie, die eine (Brutto-) Jahresdividendenrendite von 2,1 Prozent aufweist, ein technischer (Zu-)Kauf mit der technischen Kurszielbandbreite von 135 Euro bis 140 Euro.

          Astra-Zeneca im langfristigen Aufwärtstrend

          Astra-Zeneca, die im Stoxx 50 enthalten ist, erforscht, produziert, vermarktet und verkauft pharmazeutische und medizinische Produkte. Der Titel, der zurzeit eine (Brutto-)Jahresdividendenrendite von 3,3 Prozent aufweist, befindet sich seit März 2008 und einem Niveau von 1743 britischen Pence in einem technischen Hausse-Zyklus, wobei der zentrale, 11-jährige Hausse-Trend bei 5000 Pence liegt.

          Insgesamt hat sich ein klassisches Wechselspiel aus Investment-Kaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtstrends und (mittelfristigen) Konsolidierungen/Korrekturen gebildet. Mit dem Investment-Kaufsignal von Mitte 2016 wurde die vorherige technische Korrektur (von 4900 auf 3680 Pence) in einen neuen mittelfristigen Hausse-Trend (Hausse-Trendlinie zurzeit bei 5500 Pence) verlassen.

          Mit Hilfe des weiteren Investment-Kaufsignals (Juli 2018; Sprung über die Widerstandszone um 5520 Pence) befindet sich die Aktie ebenfalls in einer technischen Neubewertung. Aufgrund der hohen Stabilität der kurz-, mittel- und langfristigen Aufwärtstrends bleibt Astra-Zeneca ein technischer (Zu-)Kauf. Das neue, mittelfristige technische Kursziel für die Aktie sollte bei 7000 Pence liegen.

          Munich Re ist ein klassisch defensiver Wachstumswert

          Die Aktie der Munich Re gilt aus technischer Sicht als klassisch defensiver technischer Wachstumswert. Diese Aktie befindet sich seit März 2003 und Kursen um 47,90 Euro in einer moderaten technischen Hausse-Bewegung. Erst seit September 2011 (Start bei 77,80 Euro) hat sich dieser Titel des bereits seit dem Frühjahr 2009 laufenden Hausse-Zyklus am Gesamtmarkt angeschlossen, wobei der beschleunigte Aufwärtsschub (September 2011 bis April 2015) mit seinem Kursanstieg bis leicht über 200 Euro für etwas mehr Aufwärtsdynamik gesorgt hat.

          Unterhalb der neuen Widerstandszone um 200 Euro kam es dann bereits wieder zu einer (mehrjährigen) Seitwärtspendelbewegung. Mit Hilfe des neuen mittelfristigen Aufwärtstrends, der im September 2016 bei 140,90 Euro startete und aktuell bei 195 Euro liegt, konnte die Munich Re mit einem neuen Investment-Kaufsignal (Februar 2019) diese ausgeprägte Widerstandszone (um 200 Euro) nachhaltig überwinden.

          Seitdem hat sich der mittelfristige Aufwärtstrend zu einem stabilen Hausse-Trend ausgeweitet, wobei es in den letzten Wochen sogar zu einer leichten Aufwärtsbeschleunigung gekommen ist. Munich Re, die aber erst Anfang Mai 2019 ihre Dividendenzahlung hatte, weist weiterhin eine attraktive (Brutto-)Jahresdividendenrendite von leicht über 4 Prozent auf. Aufgrund dieser attraktiven, technischen Gesamtlage bleibt die Aktie ein technischer (Zu-)Kauf, wobei das nächste mittelfristige, technische Etappenziel im Bereich von 250 Euro liegen sollte.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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