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Teamviewer geht an die Börse : Cash für den Investor - Freude für die Anleger?

Milliardenfach geklickt: Die Software von Teamviewer. Bild: dpa

Das schwäbische Tech-Unternehmen Teamviewer geht an die Börse. Große Erwartungen eilen ihm voraus – doch der Börsengang hilft vor allem dem Investor Permira. Was der Prospekt verrät und was Analysten sagen.

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          Der größte deutsche Börsengang des Jahres könnte aus Schwaben kommen. Das Softwareunternehmen Teamviewer aus Göppingen, das vor gut zwei Wochen angekündigt hatte, an die Börse gehen zu wollen, legte Mitte der Woche die Preisspanne seines Angebots fest. Bis zu 84 Millionen Aktien sollen zu einem Preis zwischen 23,50 und 27,50 Euro auf den Markt kommen. Das geplante Emissionsvolumen liegt zwischen 1,4 und 2,3 Milliarden Euro.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Seit sehr langer Zeit geht damit wieder ein deutsches Softwareunternehmen an die Börse. Zugleich kommt Teamviewer auf ein deutlich größeres Volumen als die großen deutschen Namen der Branche seinerzeit: Software AG kam im Jahr 1999 auf rund 850 Millionen D-Mark, SAP 1988 auf 900 Millionen.

          Teamviewer stellt Software her, die es erlaubt, Computer und andere Geräte aus der Ferne zu steuern. Einerseits benutzen dies IT-Abteilungen zahlreicher Unternehmen, um ihre Rechner aus der Ferne zu warten und Vor-Ort-Besuche überflüssig zu machen. Andererseits gibt es im Zeitalter vernetzter Maschinen auch in der Industrie zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Nach Angaben des Unternehmens verwendet mehr als die Hälfte aller Unternehmen, die das Magazin „Fortune“ in seiner „Fortune 500“-Liste der umsatzstärksten amerikanischen Konzerne aufführt, die Software aus Göppingen oder hat sie in der Vergangenheit genutzt.

          Bewertung: 5 Milliarden Euro

          Das Unternehmen will in knapp zwei Wochen zum ersten Mal im Prime Standard in Frankfurt gehandelt werden. Der 25. September soll der erste Handelstag sein. Abhängig davon, welchen Ausgabepreis es realisieren kann, dürfte zu Beginn eine Marktkapitalisierung zwischen 4,7 und 5,5 Milliarden Euro neben dem Kurschart angezeigt werden.

          Teamviewer selbst hat vom eingenommenen Kapital allerdings zunächst wenig. Denn es kommen keine neuen Aktien auf den Markt – stattdessen verkauft lediglich der bisherige Alleinaktionär einen Teil seiner Anteile. Dabei handelt es sich um den britischen Finanzinvestor Permira, der Teamviewer vor fünf Jahren für 870 Millionen Euro übernommen hatte und nun Kasse macht.

          Ein Problem sei es nicht, dass dem Unternehmen mit dem Börsendebüt kein frisches Geld zufließe. „Teamviewer ist hochprofitabel und generiert einen hohen Cash flow, daher sind wir in der Lage, künftiges Wachstum selbst zu finanzieren“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

          „Ein sehr interessanter Börsengang“

          In Analystenkreisen heißt es, Teamviewer sei ein sehr interessanter Börsengang. Endlich gehe mal wieder ein global agierendes, deutsches Unternehmen mit einer entsprechenden Größe und Prominenz an den Markt. „Teamviewer hat eine aussichtsreiche Zukunft in den Segmenten, in denen es tätig ist“, sagte Mirko Maier von der Landesbank Baden-Württemberg. „Im Technologiebereich sind die Markterwartungen generell relativ hoch, aber die Bewertung von Teamviewer ist durchaus gerechtfertigt. Die Teamviewer-Aktie wird sicher recht zügig an den M-Dax klopfen.“

          Teamviewers Bewertung sei etwa gerechtfertigter als die des Büroraumvermieters Wework, sagte der Analyst weiter. Das amerikanische Unternehmen hatte zu Beginn seiner Börsenpläne im Frühjahr mit einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar gerechnet und könnte nach massiver Skepsis auf Investorenseite nun sogar davor stehen, seinen Börsengang vorerst ganz abzusagen.

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