https://www.faz.net/-gv6-91fkq

Kreditplattform Smava : Tausende wollten Kredite mit Negativzinsen

Die Kredit-Vergleichsplattform Smava ist nun schon seit zehn Jahren am Markt. Bild: dpa

Eines der ersten Fintechs wird zehn Jahre alt: Smava-Gründer Alexander Artopé berichtet über seine Erfahrungen.

          Ganz so einfach, wie sich manche der neuen techniklastigen Bank-Konkurrenten die Revolution vorgestellt hatten, ist sie wohl nicht geworden: Ein Jahrzehnt gibt es die sogenannten Fintechs jetzt in Deutschland – und die großen Banken in Frankfurt stehen immer noch. Die dynamischen neuen Kleinunternehmen der Finanzbranche haben das Geschäft durchgerüttelt, mussten zum Überleben aber selbst auch einige Geschmeidigkeit beweisen – etwa beim Anpassen ihrer ursprünglich oft recht romantischen Geschäftsmodelle. „Meine wichtigste Erfahrung war: Der Markt hat immer recht“, sagt Alexander Artopé, der Gründer der Kreditplattform Smava. Das Unternehmen feiert gerade sein zehnjähriges Bestehen, hat sich im Kampf gegen die Banken aber selbst sehr weitgehend verändert.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Smava war vor zehn Jahren ein Fintech der ersten Stunde – manche sagen sogar, wir waren das erste richtige Fintech in Deutschland überhaupt“, sagt Artopé. Angefangen habe er damals mit zehn Leuten, heute beschäftige das Unternehmen 300 Mitarbeiter. Und im ersten Geschäftsjahr vermittelte Smava knapp fünf Millionen Euro – in diesem Jahr sollen es deutlich mehr als 1 Milliarde Euro sein.

          „Der Markt hat immer recht“

          „Ich glaube, die Banken haben damals sehr genau verstanden, dass sich mit den Fintechs die ganze Branche verändern wird“, meint Fintech-Gründer Artopé. „Jetzt sind wir in einem tiefgreifenden Strukturwandel, der sich auch noch in den nächsten zehn Jahren weiter vollziehen wird.“ Es sei dabei das Wesen der Fintechs, dass sie sich jeweils nur auf einen Teil der Wertschöpfungskette konzentrierten, sie seien keine Gemischtwarenläden wie die klassischen Banken: „Bei uns sind das die Kredite – bei anderen etwa die Vermittlung von Festgeld-Angeboten.“

          Die ursprüngliche Geschäftsidee von Smava klang fast basisdemokratisch: Die Menschen machen die Banken arbeitslos, indem sie sich gegenseitig Geld über das Internet leihen. „Peer-to-Peer-Lending“ hieß das. Smava organisiert das immer noch, musste das Angebot aber ergänzen – und ist klassischen Kreditvermittlern wie Check 24 ähnlicher geworden.

          „Wir mussten lernen, unser Geschäftsmodell an den Markt anzupassen“, sagt Artopé. „Angefangen haben wir als Plattform, bei der Privatleute anderen Privatleuten Geld leihen.“ Das habe den Nachteil gehabt, dass Smava bevorzugt solche Kunden auf die Plattform bekam, die bei Banken keinen Kredit mehr bekamen – etwa Selbständige oder Rentner. „Im Ergebnis waren unsere Kredite zu teuer“, sagt der Unternehmer. „Deshalb haben wir begonnen, günstigere Kredite von Banken in unseren Marktplatz zu integrieren.“ Von klassischen Internet-Kreditvermittlern wie Check 24 unterscheide sich das Unternehmen weiter dadurch, dass es auch eigene Kreditprodukte anbiete.

          Die Ertragslage ist nach wie vor nicht besonders üppig

          Besondere Aufmerksamkeit bekam Artopé durch Kredite mit Negativzinsen. „Zweimal haben wir Kredite für einige Zeit zu Nullzinsen angeboten – zuletzt sogar zu Negativzinsen von 0,4 Prozent“, berichtet der Gründer. Bei dem Negativzins-Angebot seien ihnen von den Kunden regelrecht die Türen eingerannt worden. Eine „mittlere vierstellige Zahl“ von Kunden habe letztendlich einen Vertrag abgeschlossen. Im Moment plane Smava zwar kein neues Kreditangebot mit Negativzinsen, schließe aber eine Wiederholung nicht grundsätzlich aus.

          Negativzinsen für Kredite – muss man als Fintech so verrückt sein, um überhaupt am Markt wahrgenommen zu werden? „Natürlich wollten wir damit auch auf uns aufmerksam machen“, sagt der Unternehmer. „Mir war es aber auch wichtig, Kunden darauf hinzuweisen, dass Kredite aus dem Internet viel günstiger sind als aus der Bankfiliale.“ Die treuen Kunden der Filialbanken sollten sich deren Konditionen nicht gefallen lassen, meint er. Immerhin könne der Unterschied locker zwei Prozentpunkte ausmachen.

          Nach wie vor ist bei vielen Fintechs die Ertragslage nicht besonders üppig. Das scheint ein heikler Punkt zu sein. Smava aber macht nach Unternehmensangaben mittlerweile immerhin keine Verluste mehr: „In den ersten Jahren hatten wir Anfangsverluste, das wurde durch Investoren getragen – das war Teil unserer Wachstums-Strategie“, sagt Artopé: „Mittlerweile aber schreibt Smava schwarze Zahlen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.
          Ein Junge schwimmt während der Regenzeit im Fluss Mekong in der Stadt Phnom Penh (Kambodscha) neben Müll.

          Plastik : Illegale Müllexporte auch aus Deutschland?

          Immer mehr Länder in Südostasien wehren sich dagegen, die Müllhalde der westlichen Welt zu sein. Dabei geht es vor allem um verbotene Exporte. Auch Deutschland steht unter Verdacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.