https://www.faz.net/-gv6-acdim

Niedriger Benzinabsatz : Tankstellen verkaufen 12 Prozent weniger Sprit

Kraftstoff hat sich auf Jahressicht um mehr als 25 Prozent verteuert. Bild: dpa

Der Benzinabsatz lag im ersten Vierteljahr 2021 deutlich unter dem Vorjahreszeitraum. Offenbar ist aber weder der stark gestiegene Preis, noch ein gestiegenes Umweltbewusstsein der Hauptgrund.

          4 Min.

          Der Verkauf von Benzin an den Tankstellen liegt in diesem Jahr bislang erheblich unterhalb der Vorjahreswerte. Das geht aus Zahlen hervor, die der Mineralölwirtschaftsverband am Freitag veröffentlicht hat. Demnach lag der Absatz aller Mineralölprodukte in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres immerhin 17 Prozent unter den Vorjahreswerten, er sank von 32,5 auf 26,9 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2019 betrugt der Gesamtabsatz 34,1 Millionen Tonnen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Verbrauch von Benzin sank um 12 Prozent, der von Diesel um 14 Prozent. Der Absatz an Flugkraftstoff ging um 48 Prozent zurück. Die Heizölverkäufe nahmen sogar um 51 Prozent ab. Lediglich Rohbenzin, das als Ausgangsstoff in die chemische Produktion eingeht, verzeichnete von Januar bis April 2021 ein Plus von 25 Prozent – ein Indikator für eine verbesserte Industriekonjunktur.

          Der Verband machte dafür offenbar in erster Linie Folgen der Corona-Krise verantwortlich, nicht den hohen Preis. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hatten sich vor Jahresfrist erst wenig ausgewirkt“, schreibt der Verband zu dem starken Unterschied zwischen dem ersten Quartal 2020 und dem ersten Quartal 2021. „Von Januar bis April 2021 ist der Absatz an Mineralölprodukten gegenüber den ersten vier Monaten des Vorjahres deutlich zurückgegangen, erholt sich jedoch schrittweise.“ Für den niedrigen Heizölabsatz macht der Verband Vorzieh-Effekte aus dem vorigen Jahr verantwortlich.

          Reagieren die Autofahrer auf höhere Benzinpreise?

          Die Frage, wie stark Autofahrer eigentlich in ihrem Verhalten auf höhere Spritpreise reagieren, ist vor dem Hintergrund der Debatte um den Klimaschutz interessant. Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, hat eine Verteuerung von Benzin um 16 Cent je Liter ins Gespräch gebracht. Unter anderem SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sprach sich dagegen aus. Das sorgte für lebhafte Diskussionen.

          Es geht dabei um eine weitere Verteuerung von Benzin. Der jüngste Preisanstieg ist nicht so ganz gut dafür geeignet, die Wirkung höherer Spritpreise zu analysieren. Wie stark die Autofahrer auf den Preisanstieg reagieren, ist jetzt wegen der Überlagerung mit Pandemie-Effekten nicht so ganz leicht zu isolieren. Es gibt aber Analysen aus dem teuren Tank-Herbst 2018, als Benzin mehr als 1,50 Euro kostete. In die Richtung zumindest bewegen sich die Kraftstoffpreise mittlerweile wieder. 

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Seit Jahresbeginn hat die Einführung eines CO2-Preises Benzin und Diesel in Deutschland um jeweils etwa 7 bis 8 Cent verteuert. Dieser CO2-Preis soll in den nächsten Jahren weiter steigen, um Anreize für einen geringeren Benzinverbrauch aus Gründen des Klimaschutzes zu setzen. Viele Autofahrer haben allerdings den Eindruck, sie würden jetzt schon viel stärker von diesen Maßnahmen getroffen. Auf Jahressicht haben sich Kraftstoffe in Deutschland um mehr als 25 Prozent verteuert.

          Teurer Tank-Herbst 2018

          Dabei spielte aber der Wiederanstieg des Rohölpreises eine zentrale Rolle. Rohöl war im Vorgriff auf die Belebung der Wirtschaft nach der Pandemie und wegen der künstlichen Verknappung der Förderung durch das Ölkartell Opec in diesem Jahr deutlich gestiegen. Im vorigen Frühjahr kostete Öl der Nordseesorte Brent zeitweise rund 20 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Amerikanisches Öl notierte zeitweise sogar zu negativen Preisen. Jetzt steht Brent bei mehr als 71 Dollar, amerikanisches Öl bei knapp 70 Dollar.

          Im teuren Tank-Herbst 2018 mit Preisen über 1,50 Euro je Liter wurde in Deutschland durchaus weniger Benzin verkauft als sonst. Der Zusammenhang scheint aber nicht sehr zuverlässig zu sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht immer die beste Geldanlage: Aktien

          Tipps zum Umgang mit Geld : Wie Sie die Schulden wieder loswerden

          Wer viel Geld auf dem Girokonto hat, muss Strafzinsen zahlen. Deswegen würden viele Anlegern jetzt gerne alte Kredite schneller tilgen, doch die Banken blockieren. Mancher Weg aus diesem Dilemma erfordert starke Nerven.

          Wladimir Klitschko im Gespräch : Keine Zeit für „James Bond“

          Der frühere Boxweltmeister Wladimir Klitschko tritt in der neuen Reality-Show „Celebrity Hunted“ auf. Warum macht er da mit und wieso schlug er eine Rolle in einem „Bond“-Film aus? Ein Gespräch über Rollen und ein mögliches Comeback als Boxer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.