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Niedriger Benzinabsatz : Tankstellen verkaufen 12 Prozent weniger Sprit

Wenn man sich die amtlichen Mineralöl-Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle betrachtet, dann wurde im Oktober und November 2018 in Deutschland weniger Kraftstoff verkauft als in denselben Monaten des Vorjahres. So wurden im Oktober 1,53 Millionen Tonnen Benzin verkauft und 3,28 Millionen Tonnen Diesel. Im Vorjahresmonat waren es 1,54 Millionen Tonnen Benzin und 3,31 Millionen Tonnen Diesel gewesen. 

Preiselastizität der Ölnachfrage von etwa 0,04

Allerdings: Der Mineralölwirtschaftsverband, der die Ölunternehmen vertritt, gab damals zu bedenken, dass der Verkauf von Sprit in Deutschland mehr oder minder das ganze Jahr 2018 über niedriger gewesen sei als im Vorjahr – nicht nur in der Phase, als das Benzin besonders teuer war. Das könnte dafür sprechen, dass die geringere Benzinnachfrage eher mit anderen Entwicklungen zusammenhängen könnte als unmittelbar mit dem Preis, beispielsweise mit dem geringeren Verbrauch von Fahrzeugen aufgrund technischen Fortschritts.

Zwischen den Monaten September und Oktober 2018, als die extrem hohen Preise an Deutschlands Tankstellen einsetzten, ist der Kraftstoffabsatz jedenfalls nicht gefallen, sondern sogar leicht gestiegen. Stark gesunken ist hingegen der Absatz von Diesel im Dezember 2018, allerdings war der Kraftstoff da schon zumindest nicht mehr durchgängig so teuer.

Die Variable, mit der Ökonomen die Reaktionen von Verbrauchern auf höhere Öl- und Benzinpreise beschreiben, ist die sogenannte Preiselastizität der Nachfrage. Sie gibt an, um wie viel sich auf eine Preisänderung von Öl und Benzin die nachgefragte Menge ändert. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat versucht, solche Elastizitäten zu ermitteln:

Für die Ölnachfrage in aller Welt liege diese Elastizität bei minus 0,04. Das bedeutet, bei einer globalen Ölnachfrage von knapp 100 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) je Tag führt ein Preisanstieg um 10 Prozent bei sonst gleichen Bedingungen zu einer Verringerung der Ölnachfrage um 400 000 Barrel am Tag. Die Preiselastizität der Nachfrage nach Benzin in Deutschland liege bei minus 0,4, meinte Manuel Frondel, Professor vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen. Dieser Wert gelte aber „eher langfristig“.

Unterschiede lang- und kurzfristig

Auch andere Benzinfachleute etwa vom ADAC sagen aus den Erfahrungen der Vergangenheit, dass der Benzinverbrauch kurzfristig eher wenig auf den Preis reagiert, längerfristig aber schon. Man kann sich das so vorstellen: Viele Leute brauchen ihr Auto, weil sie damit zur Arbeit fahren oder etwa die Kinder in die Schule bringen. Eine Wahlmöglichkeit haben sie vor allem, wenn ein neues Auto angeschafft wird, oder wenn sie die Entscheidung treffen, ob sie tägliche Wege mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr zurücklegen. Auch die Entscheidung über das für den Urlaub gewählte Verkehrsmittel könnte preisabhängig sein.

Für Unternehmen dagegen bedeuten höhere Kraftstoffpreise höhere Kosten für ihre Produktion oder Dienstleistung - hier lässt sich beispielsweise in wirtschaftlichen Krisen beobachten, dass weniger Diesel-Kraftstoff verbraucht wird. Zwar reagieren die Unternehmen auch auf höhere Kraftstoffpreise, das hängt aber offenbar sehr davon ab, um wie viel teurer der Kraftstoff wird und wie lange eine solche Hochpreisphase anhält. In den Ölkrisen der siebziger Jahre beispielsweise waren erhebliche Reaktionen von Unternehmen auf das teure Öl zu beobachten - im teuren Tank-Herbst 2018 weniger.

Der Preisanstieg fiel damals nicht so stark aus wie in den Ölkrisen, und die Konjunktur zeigte sich relativ robust. Gleichwohl hieß es zum Beispiel vom Paketdienst DHL, dass die Fahrer häufiger tanken und Benzin bunkern sollten, weil zeitweise nicht alle Tankstellen alle Kraftstoffsorten anboten. Auch sonst waren sie angehalten, keinen Kraftstoff zu verschwenden - von Anweisungen, wegen des teuren Benzins grundsätzlich weniger zu fahren, war aber nichts zu hören.

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