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Ende des Superzyklus’ : Spürbarer Verfall der Rohstoffpreise

Inspektion von Kupferhalbzeug in der MKM Mansfelder Kupfer und Messing GmbH in Hettstedt (Sachsen-Anhalt) Bild: ZB

Kupfer, Zink, Nickel und Blei sind seit Juni deutlich billiger geworden: Was steckt hinter dieser Entwicklung?

          Die Preise für Rohstoffe sind zuletzt deutlich gefallen. Seit Anfang Juni verringerte sich der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer um 15 Prozent auf zuletzt 5926 Dollar je Tonne. Der Preis für Zink gab sogar um 25 Prozent nach, der für Blei um 22 Prozent. Nickel verbilligte sich um knapp 16 Prozent.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weniger ausgeprägt war in diesem Zeitraum der Rückgang des Ölpreises; im Zuge der amerikanischen Iran-Sanktionen gab es zeitweise sogar eine gegenteilige Entwicklung. Unter dem Strich aber wurde die Nordseesorte Brent um knapp 8 Prozent billiger. Der marktbreite Bloomberg Commodity Index hat seit Ende Mai gut 10 Prozent eingebüßt, wie Frank Schallenberger hervorhebt, Rohstoffanalyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

          Was steckt hinter dieser Entwicklung?

          Heinrich Peters, Rohstoffanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), sieht mehrere Gründe für den Preisrückgang, unter anderem den starken Dollar, bestimmt durch die amerikanische Geldpolitik, der in dieser Währung gehandelte Rohstoffe unattraktiver macht.

          Daneben spielten die Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft eine Rolle, der Handelskonflikt zwischen Amerika und China sowie weniger günstige Finanzierungsbedingungen für Rohstoffe durch steigende Zinsen vor allem in Amerika.

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          „Im Fokus dürfte aber China stehen, wo es zwischen Finanzstabilität und Wachstum einen massiven Konflikt gibt“, sagte Peters. Der amerikanische Präsident Donald Trump schüre diesen Konflikt noch: „Immerhin ist China inzwischen bei vielen Rohstoffen der Hauptabnehmer.“

          Ernsthafte Sorgen um die Weltkonjunktur hingegen mache man sich an den Rohstoffmärkten immer erst, wenn die Dämpfung in „alten“ Wirtschaftszahlen zum Vorschein komme: Im Augenblick deuteten nur monetäre Indikatoren auf eine etwas ungemütlichere Phase der Wirtschaft hin – wichtiger als diese Frühindikatoren sei immer erst eine Veränderung bei der zweiten Ableitung der Indikatoren.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Eine große Sorge sei, dass „Chimerica“, also die Wirtschaft von China und Amerika, als bisheriger Wachstumstreiber nicht mehr so stabil sein könnte. Hinzu gekommen sei die Gefahr einer Schwellenländerkrise, die an Breite gewinne, vor allem in Asien.

          Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst der UBS, differenziert je nach Rohstoffart: Die Stärke des Dollars habe die Edelmetallpreise gedrückt, bei Rohöl spiele eine bessere Versorgung durch weniger Ausfälle eine Rolle und im Agrarsektor gute Wetterbedingungen – mit Ausnahme von Europa.

          Jan Edelmann hingegen, Analyst der HSH Nordbank, hält die Wachstumsabschwächung in den Schwellenländern für den wichtigsten Faktor: „In China enttäuschten die Juli-Konjunkturdaten die Investoren und dehnten die bereits im Juni gezeigte Schwäche weiter aus.“ Dies habe für einen „Ausverkauf“ von Industriemetallen gesorgt.

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