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Versorger unter Druck : Der erstaunliche Sturz der RWE-Aktie

Die Ereignisse rund um den Hambacher Forst haben auch Folgen für die RWE-Aktie. Bild: EPA

Bis vor kurzem schien die RWE-Anlegerwelt in Ordnung. Die Versorger-Aktie war endlich wieder ein solides Investment geworden. Dann folgten am Freitag der Absturz und skeptische Analysteneinschätzungen. Was ist da los?

          Noch vor ein paar Wochen schien die rheinische-westfälische Energiewelt in Ordnung. Zwar vermeldete der Versorger RWE einen Rückgang der Gewinne, erfüllte aber die Erwartungen der Anleger. Die RWE-Aktie, nach der Energiewende 2011 im Sinkflug, erschien ihnen wieder attraktiv, der Kurs legte in diesem Jahr 25 Prozent zu. Mitte September begann dann das langsame Ende der Rally, am Freitag folgte der Absturz: minus 8,5 Prozent! Am Montag notierte der Aktienkurs ebenfalls wieder schwächer.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kam der Kurssturz nur daher, dass ein Gericht die für diesen Monat vorgesehene Rodung des Hambacher Forstes gestoppt und damit RWE beim Braunkohleabbau ausgebremst hat? Hängt gar das Wohl und Wehe des Konzerns davon ab, ob in Hambach auf 100 Quadratmeter Fläche Braunkohle abgebaut werden kann?

          Für RWE bedeutet das Urteil zunächst einmal einen teuren Einschnitt. Der Versorger muss nun womöglich viele Monate warten, ehe in der Hauptsache über die Klage der Umweltschutzorganisation BUND gegen die Hambacher Abholzung vor dem Kölner Verwaltungsgericht entschieden wird. Diese verlorene Zeit kostet viel Geld, daher alarmierte der Versorger die Anleger:

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          Der Gewinn könnte von 2019 an um einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ geringer ausfallen; also um ungefähr so viel, wie die RWE-Sparte Braunkohle und Kernenergie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verdiente. Doch die Frage ist weniger, inwieweit Gewinneinbußen verkraftbar sind. Viel drängender ist die Frage, ob sich RWE nicht in eine Auseinandersetzung verrennt, die der Konzern gar nicht gewinnen kann.

          Weg vom Schmuddelimage

          Denn nicht nur Umweltschützer, die am Samstag im Hambacher Forst demonstrierten, halten Braunkohle für einen Energieträger von gestern. Auch mächtige Anleger wie Blackrock wollen nicht dauerhaft Aktien oder Anleihen eines Konzerns kaufen, der sich nicht vom Schmuddelimage löst. Sie fordern einen früheren Braunkohleausstieg als Mitte des Jahrhunderts, wie von RWE geplant. Auch die Kohlekommission der Bundesregierung fordert ein schnelleres Abschalten der Kohlekraftwerke.

          Es fiele RWE nicht allzu schwer, sich zügig von der Braunkohle zu verabschieden und dabei zukunftsfähig zu bleiben: Der Konzern wird, die Zustimmung der Kartellbehörden vorausgesetzt, bald das Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy übernehmen. Das wäre dann eine wahre Freude für alle Anleger.

          Analysten sind derweil vorsichtiger bei der RWE-Aktie geworden. Die DZ Bank hat den fairen Wert für RWE von 25 auf 22 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „Kaufen" belassen. Der Kursrutsch der Aktie nach dem Gerichtsurteil zu einem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst sei übertrieben, schrieb Analyst Werner Eisenmann in einer am Montag
          vorliegenden Studie. Wegen der gestiegenen Risiken für den Versorger und niedrigerer Gewinnschätzungen habe er zwar den fairen Wert für die Aktie reduziert. Mittel- bis langfristig seien die Geschäftsaussichten aber positiv. Auch Independent Research hat das Kursziel für RWE von 21,00 auf 19,50 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „Halten" belassen,

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