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Trumps Strafzölle : Anleger befürchten „Paukenschlag“

  • Aktualisiert am

Die Börse in Frankfurt Bild: Reuters

Die Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte haben die amerikanischen Börsen belastet. Und auch der Dax ist am Donnerstag mit einem Minus von 2 Prozent aus dem Handel gegangen.

          3 Min.

          Donald Trump hat mit der Ankündigung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte die amerikanischen Börsen am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Er werde die heimische Stahl- und Aluminiumindustrie wieder aufbauen, sagte Trump nach einem Treffen mit Branchenmanagern in Washington. Seine Äußerungen schürten unter Anlegern die Angst vor weitreichenden Handelskonflikten. Peter Tuz von der Anlagegesellschaft Chase Investment Counsel bezeichnete Trumps Pläne als "Paukenschlag".

          In den Vereinigten Staaten verlieh die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten den Werten der Stahlindustrie neuen Schub. Die Aktien von US Steel verteuerten sich um 5,7 Prozent, die von AK Steel sogar um 9,5 Prozent. Die Anteilsscheine der Aluminiumhütte Century sprangen mehr als sieben Prozent in die Höhe.

          Zuvor hatten Spekulationen auf raschere Zinserhöhungen die Wall Street beunruhigt. Der neue amerikanische Notenbankchef Jerome Powell sagte, er sehe keine deutlichen Anzeichen für einen starken Anstieg der Löhne oder eine Überhitzung der Konjunktur. Allerdings wolle die Fed die geldpolitischen Zügel auch nicht zu langsam anziehen, weil sie mit anschließenden raschen Zinserhöhungen den Aufschwung gefährden könnte. Am Dienstag hatten Investoren Powells Aussagen zum Wirtschaftswachstum als Signal gewertet, dass die Fed die Zinsen 2018 vier Mal anheben wird. Bislang waren lediglich drei Schritte erwartet worden. Der Notenbanker William Dudley hält vier Zinsanhebungen in diesem Jahr für möglich.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,7 Prozent tiefer auf 24.608 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 1,3 Prozent auf 2677 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq
          verringerte sich um 1,3 Prozent auf 7180 Punkte.

          Zinssorgen belasten Dax & Co

          Auch am deutschen Aktienmarkt führte die Furcht vor steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten zu einem Kursverlust. Der Leitindex Dax sackte am Donnerstag um rund 2 Prozent auf 12.190,9 Punkte ab und bewegt sich damit wieder auf dem Niveau von Mitte Februar. Für den M-Dax, in dem mittelgroße deutsche Unternehmen versammelt sind, ging es um 1,8 Prozent auf 25.791,6 Punkte nach unten. Der konjunktursensible Technologiewerte-Index Tec-Dax büßte 2,6 Prozent auf 2562,2 Punkte ein.

          Die Inflationsdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft Vereinigte Staaten fielen zwar exakt wie erwartet aus, doch ihnen stehen verhaltene aktuelle Konsum- und Einkommensdaten gegenüber. Laut Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba besteht daher zwar vorerst weiterhin kein Handlungsdruck für die amerikanische Notenbank (Federal Reserve), den Leitzins über das schon eingepreiste Maß hinaus zu erhöhen. Die Teuerungsrate ist eine wichtige Kennziffer für die Fed, wenn es um die künftige Geldpolitik in den Vereinigten Staaten geht.

          Trotzdem rücken die Renditen der Staatsanleihen zunehmend in den Blick und werfen Fragen nach der angemessenen Bewertung von Aktien auf. "Derzeit hängen die 3 Prozent Rendite für die richtungsweisenden zehnjährigen amerikanischen Bonds wie ein dunkler Schatten über den Märkten", sagte Sascha Sadowski, Börsenexperte bei LYNX Broker, zumal die Bank of America ihre Jahresendprognose für diese Anleihen auf 3,25 Prozent angehoben hat. Zwar wäre dieses Zinsniveau historisch betrachtet immer noch recht niedrig. Es würde jedoch erstmals seit über vier Jahren wieder eine ernst zu nehmende Rendite bieten und damit eine Alternative zu Aktien.

          Beiersdorf enttäuscht, Kion gewinnt

          Mit Blick auf die Einzelwerte hierzulande enttäuschte der Konsumgüterkonzern Beiersdorf vor allem mit seinen Konzernzielen, doch auch die Profitabilität wurde bemängelt. Die Aktien waren zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr gefallen und verloren schließlich am Dax-Ende rund 4,5 Prozent. Auch alle anderen Werte im deutschen Leitindex schlossen im Minus.

          Im M-Dax sackten die Papiere des Online-Modehändlers Zalando nach endgültigen Zahlen und laut Analysten "enttäuschenden Zielen" für 2018 um rund 6 Prozent ab. Der Gabelstapler- und Lagertechnik-Hersteller Kion hingegen will nach einem Gewinnsprung nun mehr Barmittel als Dividende ausschütten als von Analysten erwartet. An der M-Dax-Spitze ging es für die Anteilsscheine daher um fast 4 Prozent hoch.

          Mit einem Minus von beinahe 7 Prozent waren die Aktien von Freenet der größte Verlierer im Tec-Dax. Der Mobilfunkkonzern liege mit seinen Zielen für das operative Ergebnis sowie für den Barmittelzufluss unter den Markterwartungen, urteilte etwa die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. Für den Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 ging es um 1,2 Prozent auf 3399,2 Punkte nach unten. Auch Paris und London verbuchten Verluste von um die 1 Prozent. In den Vereinigten Staaten hingegen bewegte sich der Dow Jones Industrial zum Börsenschluss in Europa nur wenig.

          Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,45 Prozent am Vortag auf 0,42 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,20 Prozent auf 139,51 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,12 Prozent auf 159,67 Punkte zu. Der Kurs des Euro gab nach: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2171 (Mittwoch: 1,2214) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8216 (0,8187) Euro.

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