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Stotterstart : Osram-Aktienkurs unter Druck

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Weniger gefragt: Osram Bild: Reuters

Osram ist im vergangenen Jahr hauptsächlich durch schlechte Nachrichten und Kursverluste aufgefallen. Im neuen Jahr scheint es ähnlich weiterzugehen.

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          Schlechte Nachrichten aus dem Hause Osram, möchte man sagen, ist man mittlerweile gewohnt. Im vergangenen Jahr hatte der Lichttechnik-Konzern zweimal seine Prognose gesenkt, bevor er dann wenige Monate später Anleger mit einem mittelfristig positiver wirkenden Ausblick tröstete, nur um dann im November vor einer schleppenden ersten Hälfte des seinerzeit frischen Geschäftsjahres zu warnen.

          Nun sind wieder mal Molltöne zu hören. „Ich sehe dunkle Wolken für 2019 am Horizont aufziehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Olaf Berlien der „Augsburger Allgemeinen“. „Die Nachfrage nach Leuchtdioden geht spürbar zurück.“

          Konsequent fällt der Kurs einmal mehr deutlich, aktuell um knapp 7 Prozent. Damit bleibt er allerdings in der Spanne zwischen 30 und 40 Euro, in der die Aktie seit der zweiten Prognosesenkung des Vorjahres gehandelt wird. Vor einem Jahr war die ehemalige Siemens-Tochter an der Börse noch mehr als doppelt so viel wert.

          Das erste Quartal 2018/19, das am 31. Dezember endete, sei wohl „noch schwächer ausgefallen als dies manche Finanzexperten und wir noch vor einigen Monaten erwartet haben“, heißte von Berlien. Den Grund dafür sieht er in der Schwäche der Auto- und der Smartphone-Branche, die zu den wichtigsten Kunden von Osram gehören. Analysten hatten für das erste Quartal im Schnitt einen Umsatzrückgang um zehn Prozent prognostiziert.

          Was den Kurs aufrecht erhält, sind Spekulationen über eine Übernahme von Osram durch Finanzinvestoren, die das Unternehmen von der Börse nehmen könnten und die sich seit Monaten halten. Nach einem Bericht des „Manager Magazins“ interessieren sich unter anderem Bain Capital und CVC für den Lichttechnik-Konzern.

          Osram-Chef Berlien zeigte sich in dem Interview offen für den Einstieg eines Großaktionärs. Er wäre „im Grundsatz kein Risiko“, sondern könne den Osram-Vorstand beim Umbau des Konzerns auch in einer konjunkturellen Schwächephase unterstützen. Zu den Berichten könne er aber keine Stellung nehmen.

          Osram fahre „Monat für Monat auf Sicht“, sagte Berlien der Zeitung. Die Schwäche in der Autoindustrie liege nicht nur am Diesel-Skandal, auch seien die Abatzzahlen in China in den vergangenen drei Monaten um 16 Prozent eingebrochen. „Das ist für uns schmerzlich.“ Osram spüre den Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China. Dazu kämen die Einbrüche bei den Smartphone-Herstellern Apple und Samsung. Auch der Brexit habe Auswirkung auf Osram.

          Berlien verteidigte die Entscheidung des neuen chinesischen Eigentümers der ehemaligen Osram-Glühlampen-Sparte Ledvance, das Werk in Augsburg zu schließen: „Unter Osram wäre es genauso gelaufen. Wir hätten das Werk sogar noch viel früher als Ledvance zugemacht.“

          Für Langzeit-Anleger sind die Erfahrungen mit den Börsengängen von ehemaligen Siemens-Tochtergesellschaften damit im Wesentlichen negativ. 1999 hatte der Konzern mit Epcos einen Hersteller elektronischer Bauelemente aufs Parkett gebracht. Nach anfänglich positiver Entwicklung fiel der Kurs um bis zu 75 Prozent unter den Ausgabepreis und lag auch noch zum Ende der Notierung im Jahr 2009 wesentlich darunter.

          Aktuell notiert und sogar im Dax vertreten ist die ehemalige Chipsparte Infineon. Die 35 Euro, zu der die Aktie verkauft wurde, sah die Notierung letztmals vor mehr 17 Jahren.

          OSRAM LICHT AG NA O.N.

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          Noch ärger ging es mit Qimonda, einer Tochtergesellschaft von Onfineon, die 2006 an die amerikanische Börse kam. Zu 13 Dollar verkauft, fiel der Kurs alsbald unter diese Marke. 2009 ging Qimonda in die Insolvenz.

          Alle drei Börsengänge erfolgten vergleichsweise kurz vor einer massiven Korrektur. Allerdings erholten sich die Kurse auch später nicht.

          Während man über Healthineers noch nichts sagen kann, ist eine Korrektur im Falle Osram nicht das Problem. Osram notiert auch noch deutlich über seinem Emissionspreis. Dieser ist indes hypothetisch, weil Osram im Wege der Abspaltung an die Siemens-Aktionäre verteilt wurde.

          Obendrein muss man zugeben, dass sich der Aktienkurs, wenn auch voltatil, sich doch bis Anfang 2018 positiv entwickelte und sogar gegenüber dem Start im Juli 2013 um 180 Prozent stieg und gegenüber dem ersten Preis auch immer noch im Plus liegt.

          Auch die Aktienkursentwicklung der erst vor zehn Monaten an die Börse gekommenen ehemaligen Medizintechniksparte Healthineers ist durchaus positiv.

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