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Geldanlage : Auf diese Fonds setzen Stiftungen

Das Westfield-Einkaufszentrum in London gehört zu den Objekten im Commerz Hausinvest, dem bei deutschen Stiftungen beliebtesten Immobilienfonds. Bild: Bloomberg

Deutschlands Privatanleger - und nicht nur sie - schwören auf Indexfonds als billige Investmentlösung. Im Vermögen von Stiftungen finden sie sich dagegen vergleichsweise selten.

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          Stiftungen in Deutschland verwalten ein Milliardenvermögen. Es gibt Zigtausende mit ganz unterschiedlichen Zielen – und kleinem bis hin zu sehr großem Vermögen. Die meisten verfolgen einen gemeinnützigen Zweck. Nach Daten des Bundesverbands Deutscher Stiftungen tun dies 95 Prozent. Dieses Geld will gut angelegt sein, damit die Ziele auch auf Dauer verfolgt werden können. Während aber die als vergleichsweise kostengünstig geltenden börsengehandelten Indexfonds ETF unter institutionellen und privaten Anlegern insgesamt mit den Jahren deutlich an Beliebtheit gewonnen haben, scheinen viele Stiftungen noch immer vor allem auf aktiv verwaltete Fonds zu setzen.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dies ergibt jedenfalls die Analyse der European Bank for Financial Services (Ebase) von anonymisierten Depotdaten der eigenen Stiftungskunden. Der Anteil aktiver Fonds an den Anlagen dieser Stiftungen beträgt derzeit rund 95 Prozent. ETF hingegen kommen nur auf 5 Prozent. Zwar setzten Stiftungen bevorzugt auf aktiv verwaltete Fonds, sagt Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung von Ebase. Gleichwohl zeige die Entwicklung der vergangenen Jahre, dass sich ETF im Aufwärtstrend befänden und ihr Gewicht in den kommenden Jahren weiter zunehmen dürfte. Durchschnittlich beträgt das Volumen der Depots 2,1 Millionen Euro. Insgesamt handelt es sich um ein Vermögen von rund 200 Millionen Euro, das Stiftungen über Ebase angelegt haben.

          Marktanteil für Indexfonds von 13 Prozent

          Laut Europäischer Zentralbank seien in der EU mehr als 12 Billionen Euro von privaten und institutionellen Anlegern in Investmentfonds investiert, heißt es vom Branchenverband BVI. Mit einem Vermögen von 2,9 Billionen Euro sei Deutschland der größte Markt. Und wie teilt sich das Fondsvermögen auf? Blickt man zum Beispiel auf die öffentlich zugänglichen offenen Publikumsfonds, dann stand nach Daten des BVI hierzulande Ende September 2019 ein in diesen Fonds verwaltetes Vermögen von 1079 Milliarden Euro rund 144 Milliarden gegenüber, die in ETF angelegt waren.

          Daraus errechnet sich für die Indexfonds ein Marktanteil von 13,3 Prozent, der weit höher ausfällt, als der Anteil in den von Ebase betrachteten Portfolios. Detailliertere Daten, wie sich die Summe auf institutionelle und private Anleger aufteilt, gibt es nicht. Man könne jedoch davon ausgehen, dass es vor allem Institutionelle seien, die in ETF investierten, sagt Frank Bock, Sprecher des BVI. Deutschen Privatanlegern wiederum lasse sich ein ETF-Vermögen von vielleicht gut 30 Milliarden Euro zuordnen. Sie kauften vor allem über Direktbanken.

          Der größere Anteil des hierzulande insgesamt in Fonds verwalteten Geldes befindet sich aber mit rund 1838 Milliarden Euro in offenen Spezialfonds, die für besondere Anleger aufgelegt werden und der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Es sei aber anzunehmen, dass auch hier viel Geld in ETF investiert sei, sagt Bock. Detailliertere Zahlen gibt es nicht wie auch zum besonderen Anlageverhalten von Stiftungen. Der BVI steht eigenen Angaben zufolge für 95 Prozent des deutschen Marktes.

          Und welche Fonds besaßen die Stiftungen, deren Depots Ebase analysiert hat? Die Portfolios wiesen eine breite Streuung auf. Mischfonds verfügten mit 32,9 Prozent über den größten Anteil, gefolgt von Aktienfonds mit 22,7 Prozent. Auf Rang drei lagen offene Immobilienfonds (17,2 Prozent). Zudem habe sich gezeigt, dass Stiftungen mit ihren Anlagen bevorzugt eine globale Ausrichtung verfolgten, sagt Geyer. So seien gut die Hälfte der von Stiftungen investierten Mittel in Fonds mit internationalem Fokus angelegt. Durchschnittlich besaßen die Stiftungen elf Fonds.

          Der mit Abstand beliebteste Fonds sei der offene Immobilienfonds Commerz Real Hausinvest, der in fast einem Drittel der Depots der Stiftungskunden von Ebase zu finden sei, gefolgt vom Mischfonds Multiple Opportunities des Vermögensverwalters Flossbach von Storch (27 Prozent) und dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (19,1). Insgesamt verwaltet Ebase ein Kundenvermögen von 35 Milliarden Euro.

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