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Steuervermeidung : Glück und Heuchelei im Paradies

  • -Aktualisiert am

Mauritius von oben, beliebt bei Tauchtouristen und Steuervermeidern Bild: ddp

Steuervermeidung ist eine feine Sache: Sie ist legal, hilft den Aktionären und dem Image. Manager sollten uns nur nicht vorgaukeln, sie wollten die Welt verbessern. Ein Gastbeitrag.

          Als der Kalte Krieg zu Ende war, hatte der Kapitalismus gesiegt. Doch welcher Kapitalismus war das? In Deutschland wurde bis in die 1990er Jahre noch der Rheinische Kapitalismus praktiziert, der sich unter dem Dach der Deutschland AG verbunkert hatte. Mit Überkreuzverflechtungen wollten sich die großen Unternehmen mit Hilfe von Banken und Versicherungen gegen eine Überfremdung der deutschen Wirtschaft schützen. Es war alles noch ein bisschen wie in Paragraph 70 des Aktiengesetzes von 1937, der den Vorständen aufgab, die Unternehmen zum „Nutzen von Volk und Reich“ zu führen. Aktionäre und Kapitalmärkte spielten noch kaum eine Rolle, da die Unternehmen sich durch Einbehaltung der seinerzeit stattlichen Gewinne selbst finanzieren konnten. Da externe Kapitalgeber wenig zu sagen hatten, sprach man später von der Zeit des Manager-Kapitalismus.

          Als die Gewinne dann ausblieben, wurde die Deutschland AG zu Beginn der Jahrhundertwende aufgelöst, damit sich auch institutionelle Investoren aus Übersee einkaufen konnten. Mittlerweile befinden sich 54 Prozent des Kapitals der Dax-30-Unternehmen in ausländischer Hand, vornehmlich amerikanischer Investmentfonds. Die neuen Herren brachten aus den Vereinigten Staaten den in den 1980er Jahren dort entstandenen Investor-Kapitalismus mit, der die Macht weg von den Managern zu den Kapitalgebern verlagerte. Somit waren die Heuschrecken Franz Münteferings also angekommen. Sie erhoben mit dem Shareholder Value den Aktienkurs zur Leitlinie der Geschäftspolitik, was seither an den Business Schools in der ganzen Welt so gelehrt wird.

          Von dieser Entwicklung erfährt die Öffentlichkeit außerhalb der Zeitungen mit ausführlichem Wirtschaftsteil allerdings wenig. Zumindest dem deutschen Fernsehkonsumenten bietet sich ein ganz anderes Bild. Dass ein Manager eines Großunternehmens sich in Interviews und Talkshows zum Shareholder Value als Ziel seines Unternehmens bekennt, ist so ziemlich ausgeschlossen. Um ökologische Nachhaltigkeit geht es den Managern anscheinend und vor allem um die gesellschaftliche Verantwortung ihrer Unternehmen, die mit dem Kürzel CSR für Corporate Social Responsibility bezeichnet wird. Nicht von Shareholdern, sondern von Stakeholdern ist meistens die Rede, wodurch sich im Grunde alle angesprochen fühlen dürfen, die mit dem Unternehmen in Berührung kommen. Am Wohle aller scheint es den Managern gelegen, die sich eher wie Sozialreformer als wie Kapitalisten darstellen. Für Berichte über ihre CSR-Aktivitäten zu den Bereichen Umwelt und Soziales geben die Unternehmen viel Geld aus. Seit 2017 sind große Unternehmen, die bisher schon freiwillig ein Bekenntnis zu ihrer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung abgelegt haben, zusätzlich durch das CSR-Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz verpflichtet, über Umwelt-, Arbeitnehmer- und diverse weitere Sozialbelange zu berichten.

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