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Jooste vor dem Parlament : Steinhoff verkauft Poco endgültig

  • Aktualisiert am

Steinhoff im niedersächsischen Westerstede Bild: dpa

Die Möbelkette Poco geht endgültig aus dem Steinhoff-Konzern heraus. Derweil muss Ex-Chef Jooste vor Südafrikas Parlament aussagen.

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          Der in einem Bilanzskandal steckende Möbelhändler Steinhoff verkauft seinen Anteil an dem deutschen Möbelhändler Poco an Andreas Seifert, den Mitinhaber der österreichischen Möbelkette XXXLutz. Seifert zahlt für den im Grunde schon im April vereinbarten Kauf 270,685 Millionen Euro. Zudem bleiben Schulden in Höhe von rund 140 Millionen Euro in der Poco-Gruppe, für die Steinhoff nicht mehr haftet.

          Vorausgegangen war ein jahrelanger Disput zwischen Seifert und Steinhoff um die Kontrolle über Poco. Steinhoff hatte Poco 2006 übernommen. Ein Jahr später hatte Seifert etliche Filialen der Marke Möbelix bei Poco eingebracht und dafür eine Option auf 50 Prozent an Poco erhalten, die er später zog. Doch Steinhoff warf ihm die Verletzung treuhänderischer Pflichten vor, sprach ihm das Recht auf die Poco-Anteile ab und bilanzierte den Möbeldiscounter über Jahre hinweg in vollem Umfang.

          Frühere Chef Jooste vor Parlament

          Die Steinhoff-Gruppe kann über den Erlös aus dem Verkauf allerdings nicht frei verfügen. Grund ist, dass sich die Tochtergesellschaft Livest, die die Steinhoff-Beteiligung hält, ihrerseits in einem Disput mit Poco-Gründer Peter Pohlmann befindet, der den Verkauf seiner Anteile an Livest anficht.

          Am vergangenen Freitag hatte Steinhoff für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres einen leichten Umsatzanstieg um zwei Prozent auf 12,9 Milliarden Euro vermeldet. In Afrika war dabei der Umsatz um 9 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro geklettert. Korrigierte Geschäftszahlen für die vergangenen Jahre fehlen dagegen immer noch.

          Derweil muss am Mittwoch der frühere Steinhoff-Chef Markus Jooste erstmals öffentlich vor dem südafrikanischen Parlament aussagen. Jooste gehörte über viele Jahre hinweg zur High Society Südafrikas und ließ sich gern in Gutsherrenpose vor Ölgemälden in Goldrahmen ablichten. Er war ein Vorzeigemanager und Liebling der Investoren. Kurz bevor der Bilanzskandal ans Licht kam, hatte Jooste seinen Rücktritt erklärt.

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          Schon vor dem Bilanzskandal war aufgefallen, dass der Konzern relativ geringe Steuern bezahlte. In den fast 20 Jahren an der Spitze sicherte sich Jooste einen Ruf als gewiefter und unerschrockener „Dealmaker“. 2011 hatte Steinhoff die viel größere Conforama-Gruppe übernommen und wurde über Nacht zur Nummer zwei hinter Ikea. Auch um diese Übernahme gibt es nunmehr Streit. Nach dem Börsengang in Frankfurt 2015 jagte eine Großakquisition die nächste.

          Jooste hatte eine Einladung des Parlaments im März noch über seine Anwälte brüsk zurückgewiesen, mit der Begründung, er könne sich mit voreiligen Aussagen in einem späteren Gerichtsverfahren schaden. Darauf ließen ihm die Volksvertreter eine Zwangsvorladung zukommen. In der vergangenen Woche sollte es so weit sein, doch in letzter Sekunde einigte man sich, die Vorladung zurückzuziehen. Jooste soll stattdessen in dieser Woche auftreten, aber nur Fragen zu genau festgelegten Themen beantworten.

          Einen kleinen Einblick in das undurchsichtige Gebaren von Steinhoff gewährte jüngst der ebenfalls ins Parlament geladene frühere Finanzchef Ben La Grange, als er von Transaktionen mit einer fiktiven Gesellschaft berichtete. Ein umfassendes Bild wird wohl erst die Prüfungsgesellschaft PWC Ende des Jahres liefern.

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