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Wechselkurse : Was die Rohstoffpreise steigen lässt

Sinkende Rohölpreise bescheren zu Weihnachten billigeres Benzin. Bild: dpa

Der Euro steigt über 1,25 Dollar. Amerikas Währung fällt so tief wie lange nicht mehr. Das sorgt für Rekorde beim Preis von Öl, Gold und Co. Zugleich schützt der Wechselkurs deutsche Verbraucher.

          Der starke Euro und der schwache Dollar dominieren derzeit die Finanzmärkte. Am Donnerstag überschritt der Wechselkurs des Euros erstmals seit dem Jahr 2014 die Schwelle von 1,25 Dollar. Allein in dieser Woche ist der Kurs damit um fast 3 Cent gestiegen. Das hat auch die Preise vieler Rohstoffe – zusätzlich zur guten Weltkonjunktur – weiter in die Höhe getrieben. So erreichte der Ölpreis mit 71,23 Dollar für ein Barrel (Fass zu 159 Litern) der Nordseesorte Brent zeitweise den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch der Goldpreis stieg und erreichte einen relativen Höchststand. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete zeitweise knapp 1366 Dollar, das war der höchste Stand seit immerhin August 2016. Nicht viel anders war es bei zahlreichen anderen Rohstoffen – auch Kupfer, Nickel und Zink notierten höher und auf oder nahe langfristigen Höchstständen.

          Leidet der Dollar unter Trump?

          Offenkundig gibt es für all diese Rekorde, neben den jeweils speziellen Begründungen, auch eine gemeinsame Erklärung: „Alle Boote steigen mit der Flut – alle Rohstoffe steigen mit dem amerikanischen Dollar“, sagte Eugen Weinberg, der Rohstoff-Fachmann der Commerzbank. Vor einem Jahr hatte der Euro mit 1,07 Dollar nur knapp über der Parität (Wechselkurs von eins zu eins) gestanden. Es hatte viele Fachleute wie die Volkswirte der Deutschen Bank oder Goldman Sachs gegeben, die einen Rutsch unter die Marke von einem Dollar prognostizierten. Doch sie wurden auf dem falschen Fuß erwischt – der Euro gewann 2017 nach seinem Jahrestief von 1,05 Dollar nach und nach an Wert, wobei sich der Anstieg in der zweiten Jahreshälfte beschleunigte.

          Mit der Erklärung tun Ökonomen sich nicht ganz leicht. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, meint: „Die Schwäche des Dollar lässt sich nicht damit erklären, dass der erwartete Zinsvorteil des Dollar gegenüber dem Euro gesunken wäre.“ Ganz im Gegenteil: Die amerikanische Notenbank steige schneller aus der lockeren Geldpolitik aus als die Europäische Zentralbank (EZB). „Stattdessen scheint der Dollar unter dem politischen Chaos der Trump-Administration zu leiden“, glaubt Ökonom Krämer.

          Verbraucher profitieren

          Zum Glück für deutsche Verbraucher gibt es dabei allerdings gegenläufig zwei Auswirkungen des Euro-Dollar-Wechselkurses, von denen die eine die negativen Folgen der anderen für die Menschen hierzulande abfedert. Der schwache Dollar sorgt zwar auf der einen Seite dafür, dass die Rohstoffpreise in Dollar auf den Weltmärkten steigen. Dabei gibt es unterschiedliche Mechanismen, die eine Rolle spielen; unter anderem werden in Dollar notierte Rohstoffe bei einem schwachen Dollar außerhalb des Dollarraums billiger, was tendenziell die Nachfrage erhöht – und damit den Preis steigen lässt.

          Auf der anderen Seite sorgt der schwache Dollar aber auch dafür, dass die gestiegenen Rohstoffpreise im Euroraum nicht richtig ankommen. Während sich Exporte aus dem Euroraum verteuern, was den hiesigen Unternehmen zumindest mittelfristig noch zu schaffen machen müsste, werden Importe durch den Wechselkurs günstiger. Dabei profitieren Verbraucher also im Augenblick vom starken Euro.

          Das lässt sich etwa beim Öl sehen. Der Ölpreis in Dollar gerechnet, ist seit Jahresbeginn ungefähr 5 Prozent im Plus, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) vorrechnet. In Euro gerechnet, verbleibe noch ein Plus von 2,6 Prozent auf 35,7 Eurocent je Liter Brent-Öl. Die für den Tankstellenpreis entscheidenden Produktpreise für Benzin und Diesel treten aber dem Verband zufolge seit Jahresbeginn auf der Stelle. Sie betrugen zum Jahreswechsel und zuletzt ungefähr 39,8 Cent je Liter (Super E10) und 41,9 Cent (Diesel). Im Ergebnis seien die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen seit Jahresbeginn sogar leicht gesunken. Ein Liter Super E10 kostete zuletzt im bundesweiten Durchschnitt 1,34 Euro. Das waren 1,4 Prozent oder zwei Cent weniger als zum Jahresbeginn. Und ein Liter Diesel kostete zuletzt 1,19 Euro – das waren immerhin 1,3 Prozent oder 1,5 Cent weniger.

          Nicht so gut wirken die Wechselkurseffekte hingegen für Anleger, die Gold besitzen. Schon im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass der Goldpreis zwar in Dollar um mehr als 12 Prozent gestiegen ist. Auch dabei war der schwache Dollar eine treibende Kraft, der Goldpreis steigt oft mit dem fallenden Dollarkurs. In Euro gerechnet allerdings, ist der Goldpreis 2017 sogar leicht gesunken, und zwar um rund 0,5 Prozent. Wer also hier Gold in Euro gekauft und später verkauft hatte, machte – je nach Zeitpunkt – unter Umständen ein schlechtes Geschäft. Auch der Goldpreisrekord am Donnerstag fand nur in Dollar gerechnet statt: In Euro kostete eine Feinunze ungefähr 1097 Euro, hier sind Höchststände außer Reichweite.

          Geldpolitik der EZB stützt Aktien

          Für den Aktienmarkt in Deutschland gilt, dass gewisse negative Auswirkungen des teuren Euro schon zu spüren sind – aber längst nicht in dem Ausmaß, in dem man das vielleicht erwarten könnte. Der deutsche Aktienindex Dax notierte am Donnerstagnachmittag auf 13.397 Punkten leicht im Minus. Von einer starken Bremsspur, die auf große Schwierigkeiten im Absatz deutscher Exportprodukte hindeuten könnte, ist aber bislang nichts zu sehen.

          Wie kommt das? Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer glaubt, das sei vor allem eine Frage der Zeit: „Je länger die Euro-Stärke anhält, desto mehr Unternehmen müssen ihre Währungsrisiken zu ungünstigeren Wechselkursen absichern“, meint er, „so dass der Anstieg des Euro-Dollar-Wechselkurses die Unternehmen in der Zukunft doch etwas belasten wird.“ Aber das werde „mehr als ausgeglichen“ durch die starke Konjunktur in aller Welt: „Außerdem wird die EZB noch lange eine sehr lockere Geldpolitik betreiben – was die Aktien ebenfalls stützt.“

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