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Starkes Wachstum : Amazon verbucht Rekordgewinn

Ab in die Kiste: Im Streit um die Top-Level-Domain „.amazon“ hat sich der Konzern von Jeff Bezos durchgesetzt. Bild: Reuters

Der Online-Händler setzt eine Serie profitabler Quartale fort. Und er will seine Kunden künftig noch schneller beliefern.

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          Amazon.com hat zum vierten Mal in Folge einen Rekordgewinn gemeldet. Der Online-Händler wies in seinem am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht einen Nettogewinn von 3,6 Milliarden Dollar aus, mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Das Ergebnis je Aktie von 7,09 Dollar lag weit über den im Schnitt erwarteten 4,72 Dollar. Allerdings hat sich das Umsatzwachstum etwas abgeschwächt und lag diesmal bei 17 Prozent, der Umsatz von 59,7 Milliarden Dollar traf fast genau die Erwartungen von Analysten. Der Aktienkurs von Amazon notierte im nachbörslichen Handel nur wenig verändert. Die Amazon-Aktie hat seit Jahresbeginn aber schon fast 30 Prozent an Wert gewonnen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit Rekordgewinnen könnte es indessen schnell wieder vorbei sein, denn für das zweite Quartal sagte Amazon ein im Vergleich zu den vergangenen drei Monaten rückläufiges Betriebsergebnis voraus. Finanzvorstand Brian Olsavsky sagte in einer Telefonkonferenz, Amazon wolle im weiteren Verlauf des Jahres seine Investitionen deutlich aufstocken, was auf Kosten der Profitabilität gehen könnte. Unter anderem hat sich Amazon vorgenommen, seine Kunden noch schneller zu beliefern. Das Unternehmen arbeitet nach Olsavskys Worten gerade daran, sein Versandangebot „Prime“ attraktiver zu machen und den Abonnenten eine Auslieferung ihrer Bestellungen innerhalb von einem anstatt bisher zwei Tagen zu versprechen. In bestimmten Regionen und für bestimmte Produkte beliefert Amazon seine „Prime“-Kunden schon heute schneller als innerhalb von zwei Tagen, oft ist es sogar am gleichen Tag. Nun aber ist der Plan, das eintägige Zeitfenster zum Standard für Bestellungen zu machen, für die bislang zwei Tage galten.

          Mit der Umstellung auf einen Tag will Amazon in Nordamerika beginnen, danach soll sie auch in anderen Ländern geschehen. Olsavsky sagte, das Vorhaben werde allein im zweiten Quartal zusätzliche Investitionen von 800 Millionen Dollar erfordern, die unter anderem in das Netz von Logistikzentren fließen sollen. Er nannte das Versprechen noch schnellerer Belieferung „bahnbrechend“ für die Kunden, und Amazon erhoffe sich davon zusätzliche Bestellungen. „Prime“-Kunden bekommen im Gegenzug für die von ihnen bezahlte Gebühr nicht nur schnellen Versand, sondern auch eine Reihe anderer Leistungen wie Zugang zu einer Online-Videothek. Nach den Worten von Olsavsky hat Amazon 2018 so viele neue „Prime“-Abonnenten gewonnen wie noch in keinem Jahr zuvor.

          Profitable Geschäfte außerhalb des Handels

          Dass der Konzern seine Investitionen wieder deutlich anhebt, weckt Erinnerungen an die Zeiten, in denen er chronisch ertragsschwach war, weil er so viel Geld ausgegeben hat. Allerdings kommt ihm heute zu Gute, dass er in den vergangenen Jahren neben seinem angestammten und üblicherweise recht margenschwachen Online-Handel eine Reihe von profitablen anderen Geschäften aufgebaut hat.

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          An erster Stelle steht dabei Amazon Web Services (AWS), die Sparte mit Angeboten rund um „Cloud Computing“. Hier stiegen die Umsätze im ersten Quartal um 41 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar, und das Betriebsergebnis kletterte um 59 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. AWS stand damit für rund die Hälfte des konzernweiten Betriebsergebnisses. Anders als in seinem Kerngeschäft bedient Amazon hier Unternehmenskunden. AWS stellt Unternehmen, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen, Computerkapazitäten bereit und bietet eine Reihe damit verbundener Dienstleistungen an.

          Die Sparte konkurriert mit Azure, der Cloud-Plattform des Softwarekonzerns Microsoft. Ähnlich wie AWS für Amazon ist Azure für Microsoft eines der Vorzeigegeschäfte geworden, wie das Unternehmen auch in seinem Quartalsbericht in dieser Woche unterstrich. Wie groß die Rivalität zwischen Amazon und Microsoft geworden ist, zeigte sich daran, dass Amazon-Finanzchef Olsavsky jetzt ungefragt auf kürzlich geschlossene Cloud-Allianzen mit Kunden aus der Autoindustrie wie Volkswagen und Ford hinwies, nachdem am Tag zuvor schon Microsoft über Geschäfte in diesem Segment mit VW und BMW gesprochen hatte.

          Das junge Geschäft mit der Werbung

          Sehr profitabel dürfte auch das für Amazon noch recht junge Geschäft mit Werbung sein. In der Sparte mit „anderen Aktivitäten“, die vor allem aus Werbung besteht, stieg der Umsatz um 34 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar. Das ist allerdings nicht nur eine gute Nachricht, denn gegenüber dem Schlussquartal 2018 bedeutete das einen Umsatzrückgang. Die Gewinne in der Sparte beziffert Amazon nicht.

          Ebenfalls noch recht neu für Amazon ist der Offline-Handel. Der Konzern hat vor knapp zwei Jahren die Supermarktkette Whole Foods gekauft, außerdem hat er eine Kette von Buchläden aufgebaut und ein knappes Dutzend kassenloser Lebensmittelgeschäfte unter dem Namen „Amazon Go“ eröffnet. In der Sparte mit diesen physischen Läden stieg der Umsatz im vergangenen Quartal aber nur um ein Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar.

          Auch wenn das Unternehmen für das zweite Quartal einen Rückgang des Betriebsergebnisses vorhersagt, erwartet es, seine Umsätze weiter deutlich zu steigern. Es sagte zwischen 59,5 Milliarden und 63,5 Milliarden Dollar voraus, was einem Wachstum von 13 bis 20 Prozent gegenüber 2018 entsprechen würde.

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