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Standpunkt : Das Corona-Virus wird an den Märkten unterschätzt

  • -Aktualisiert am

Die Börse: Eigene Realität? Bild: dpa

Der Internationale Währungsfonds hat mit Bezug auf Corona von einer fragilen Konjunktur gesprochen. Dies wird an den Aktienmärkten anscheinend unterschätzt.

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          Die Coronavirus-Epidemie ist bei den Marktteilnehmern ein beherrschendes Thema. Die Frage aber ist: Ziehen sie die richtigen Schlüsse? Mittlerweile steht das Thema auch bei den Notenbanken auf der Tagesordnung und wurde beim G20-Treffen in Riad intensiv diskutiert. Die offizielle Zahl der Neuerkrankungen innerhalb und außerhalb Chinas wird täglich genauestens beobachtet und analysiert. Starke Schwankungen sind dabei häufig auf abrupte Änderungen im diagnostischen Ansatz zurückzuführen. Solche Entwicklungen beeinflussen also regelmäßig die Stimmung an den Aktien- und Anleihemärkten und führen immer wieder zu Kursschwankungen. Aussagen selbst über die nahe Zukunft sind momentan gleichwohl äußerst schwierig.

          Wichtig für die Märkte ist allerdings nicht nur die kurze, sondern auch die lange Sicht. Niemand kann zur Zeit mit Gewissheit vorhersagen, wie die Entwicklung rund um das Virus weitergehen wird. Die jüngsten Entwicklungen in Südkorea und in Norditalien zeigen einmal mehr, dass die Bedrohung durch Covid-19 nicht nur auf China begrenzt ist. Es wird immer klarer: Die wirtschaftlichen Risiken sind eindeutig erkennbar.

          Konjunkturelle Risiken sind groß

          Mit Blick auf die Folgen des Coronavirus haben wir es mit einem klassischen Angebotsschock zu tun, dessen Potential schwer einzuschätzen ist. Erste Berichte von abgesagten Messen, von Lieferengpässen chinesischer Unternehmen und von Störungen in den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten liegen schon vor. All dies stellt eine potentielle Bedrohung für Handel und Wachstum dar. Am Ende des Tages hängt das Ausmaß der Auswirkungen davon ab, wie temporär dieser Schock bleibt. Die Märkte unterstellen eine zeitliche Begrenzung.

          Sollte die Epidemie allerdings andauern und sich weiter ausdehnen, stellt sich zusätzlich zu den unterbrochenen Lieferketten die Frage, wie viel davon bei uns in Europa und in Deutschland als Nachfrageschock ankommt – schließlich tritt China nicht nur als Anbieter eigener, sondern auch als wichtiger Käufer unserer Produkte auf.

          All dies führt zu Unsicherheit und ist der Grund dafür, warum das Coronavirus die offiziellen und inoffiziellen Gespräche beim Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure in Riad in der vergangenen Woche so stark dominiert hat. Schließlich hat der Virus angesichts steigender Zahlen von Infizierten eine destabilisierende Wirkung auf die chinesische Volkswirtschaft. Und wenn sich das Wirtschaftswachstum in der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt, die für fast 20 Prozent der weltweiten Nachfrage steht, stark verlangsamt, bedeutet dies automatisch das Aufziehen dunkler Wolken für das globale Wachstum und damit enorme Ansteckungsgefahren für die Weltwirtschaft.

          Wettlauf der Indikatoren

          Die Konjunktur bekommt durch das Virus also nicht nur kurz-, sondern möglicherweise auch mittel- und langfristig gehörigen Gegenwind zu spüren – und das in einer Phase, in der sich die Weltwirtschaft nicht gerade robust zeigt. Der Internationale Währungsfonds hat mit Bezug auf Corona – von den Märkten kaum beachtet – vor einer fragilen Konjunktur gesprochen. Mehr als ein Viertel der Unternehmen des S&P 500 warnte in den vergangenen Wochen schon vor negativen Auswirkungen auf ihre Gewinnaussichten.

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