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Einstieg von Finanzinvestoren : Stadas Aufsichtsräte legen Ämter nieder

  • Aktualisiert am

Die Finanzinvestoren Bain und Cinven wollen mehr Kontrolle bei Stada erlangen. Bild: dpa

Die Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven hat beim Arzneimittelhersteller Stada personelle Konsequenzen: Fünf Aufsichtsräte legen ihre Ämter nieder, darunter Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker und Opel-Vorstand Tina Müller.

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          Nach der Übernahme der Mehrheit an Stada wollen die Finanzinvestoren Bain und Cinven die Kontrolle über den hessischen Pharmakonzern vergrößern. Diese seien an das Unternehmen herangetreten, um über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu verhandeln, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Der Stada-Vorstand habe entschieden, in entsprechende Gespräche einzutreten.

          Derweil hat die Übernahme durch die Finanzinvestoren beim Arzneimittelhersteller abermals personelle Konsequenzen. Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker und weitere Mitglieder des Gremiums werfen das Handtuch. So hätten neben Oetker auch Rolf Hoffmann, Birgit Kudlek, Tina Müller und Gunnar Riemann mit Wirkung zum Ablauf des 25. September 2017 ihre Aufsichtsrats-Ämter niedergelegt, teilte Stada am Freitag in Bad Vilbel mit.

          Die Nachfolger für die ausscheidenden Mitglieder sollen zeitnah gerichtlich bestellt werden, hieß es weiter. Die Veränderungen stünden im Zusammenhang mit der jüngst geglückten Übernahme. Oetker soll lange gegen die Übernahme gewesen sein, hat dies offiziell aber immer bestritten. Bereits im Juli hatten der frühere Konzernchef Matthias Wiedenfels und dessen Finanzchef Helmut Kraft das Unternehmen verlassen.

          Was hat Investor Paul Singer mit seinem Stada-Anteil vor?

          Den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven war es jüngst im zweiten Anlauf geglückt, Stada mehrheitlich zu übernehmen. Sie hatten sich 63,85 Prozent am Unternehmen gesichert. Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag muss die Hauptversammlung allerdings mit 75 Prozent Stimmenmehrheit billigen. Bis zum 1. September läuft noch eine verlängerte Annahmefrist, die etwa bestimmte Index-Fonds nutzen könnten.

          Unklar ist weiterhin, was der umtriebige Investor Paul Singer mit seinem Stada-Anteil vor hat. Nach einer Stimmrechtsmitteilung vom Donnerstag hat er seinen Einfluss noch ausgebaut und verfügt direkt und indirekt über Zugriff auf 11,59 Prozent der Stimmrechte. Singer dürfte auf ein besseres Angebot als die von Bain und Cinven gebotenen 66,25 Euro je Aktie spekulieren.

          Im Rahmen des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag werden die Finanzinvestoren den anderen Aktionären ein neuerliches Angebot machen und ihnen für die Dauer des Vertrages einen Ausgleich zahlen. Die Details müssen nun in den Verhandlungen mit dem Vorstand festgezurrt werden. Die Anleger hoffen offenkundig auf einen guten Deal: Auf der Handelsplattform Tradegate zog die Stada-Aktie weiter an. Am Abend lag ihr Kurs bei 83,46 Euro.

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