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Staatsanleihen : Warum die negativen Renditen weiter fallen

„Günter Schild“ stand als Maskottchen des Bundes einst dafür, dass man auch mit niedrigen Zinsen erfolgreich sein kann. Seit langem läuft er rückwärts. Bild: F.A.Z.

Die zehnjährige Bundesanleihe kostet Banken mittlerweile mehr, als wenn sie das Geld bei der Zentralbank parken. Den Trend wird das indes derzeit nicht stoppen.

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          Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen ist am Donnerstag erstmals unter den Einlagensatz der EZB von minus 0,4 Prozent gefallen. Damit setzt sich der Trend zu immer niedrigeren Negativrenditen fort. Allerdings hat sich das Tempo deutlich verringert. Die Rendite der Bundesanleihe hatte schon am Mittwoch minus 0,4 Prozent erreicht und liegt aktuell bei minus 0,406 Prozent.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer diese Anleihen kauft, bezahlt derzeit mehr dafür, als er am Ende der Laufzeit an Zins und Tilgung erhalten kann. Die Tatsache, dass trotz dessen weiter Anleihen gekauft werden, liegt nicht zuletzt an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Mit ihren Käufen von Staatsanleihen erhöhte sie für Anleger die Chancen, trotz fallender und negativer Renditen über Kurssteigerungen mit den Anleihen noch Geld zu verdienen.

          Demgegenüber steht ein vergleichsweise geringes Ausfallrisiko. Geht man davon aus, dass der Bund in zehn Jahren mit einer nahe 100 Prozent liegenden Wahrscheinlichkeit seine Schulden tilgen wird, so ist das Verlustrisiko auf die Tiefe der negativen Rendite zum Kaufzeitpunkt begrenzt. Trotz überschaubaren Kurspotentials also ist das Verhältnis von Risiko und Chance attraktiv.

          Stimmiges Verhältnis von Chance und Risiko

          Dieser Trend hält seit einigen Jahren an. Zwischenzeitlich hatte die Europäische Zentralbank ihre Anleihenkäufe insofern verringert, als sie die umfangreichen Bestände nicht weiter aufstocken wollte. Das hatte das Rendite-Risiko-Profil so weit verändert, dass die Renditen wieder stiegen. Zudem hatte sich eine Auffassung breit gemacht, wonach die EZB kaum noch weitere Anleihen kaufen könne. Seit aber die Zeichen auf eine weitere Lockerung stehen und die Zentralbank deutlich gemacht hat, dass es ihr nicht an Kaufobjekten fehle, hat sich der negative Renditetrend wieder verstärkt.

          Zunächst hatte sich dieser Trend im Euroraum auf breiter Front ergeben. Am Mittwoch fielen etwa die Renditen von Staatsanleihen Italiens deutlich, weil die EU auf ein Defizitverfahren gegen das Land verzichtet hatte. Am Donnerstag ist die Situation dagegen differenzierter: Im Trend werden südeuropäische Staatsanleihen mehrheitlich verkauft.

          Der Rutsch der Rendite der Bundesanleihe unter den Einlagensatz der EZB könnte insofern für Banken von Bedeutung sein, als dass sie mit Einlagen geringere Verluste machen würden. Andererseits sind diese Verluste gewiss, weil sie nicht durch Kurssteigerungen ausgeglichen werden können.

          Es dürfte indes den Druck auf die Renditen kleinerer Euroländer verstärken wie etwa Lettland oder Finnland. Auch Anleihen osteuropäischer Nicht Euro-Staaten wie etwa aus Ungarn oder Tschechien sind derzeit stärker gefragt. Allerdings sind die Länder zu klein, als dass ihre Anleihen auf Dauer eine Alternative zu deutschen oder französischen darstellen könnten. Das Größenargument ist auch eines, was Anleger immer wieder trotz aller Bedenken zu italienischen Anleihen greifen lässt.

          Dass diese trotz allem weiter gut rechnen, zeigt dagegen eine andere Entwicklung. Seit im April 2018 Investoren die Haushaltspolitik der italienischen Regierung zu kritisieren begannen, sei in den wichtigsten Ländern des Euroraums der Anteil an Staatsanleihen mit negativer Rendite deutlich gestiegen, schreibt Kornelius Purps, Rentenstratege der Unicredit. Nur nicht in Italien, wo er im Gegenteil gefallen sei. Gleichzeitig sei über all das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt gesunken - außer in Italien.

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