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Staatsanleihen : EU-Beitrittskandidaten sind gefragt

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Albanien ist eines der ärmsten Länder Europas. Doch kurzfristig vertrauen ihm Anleiheanleger mehr als Italien. Bild: Klaus Petrus

Wer will schon Staatsanleihen vom Balkan? Antwort: derzeit viele. Denn sie scheinen sicherer als etwa Papiere aus Italien.

          Die Zukunft der Europäischen Union wird mancherorts skeptisch betrachtet. So manches Mitgliedsland wird an den Anleihemärkten ebenso kritisch beäugt. Die Rendite italienischer Staatsanleihen ist infolge der fallenden Kurse in den vergangen sechs Monaten um mehr als einen Prozentpunkt auf 3,115 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg wird in Europa, von der Türkei abgesehen, nur noch von russischen Anleihen übertroffen.

          Deutlich besser halten sich dagegen die Anleihen von EU-Beitrittskandidaten aus dem Osten Europas, obwohl deren Bonität und Wirtschaft deutlich schwächer eingeschätzt wird. So rentiert die 2020 fällige albanische Anleihe derzeit trotz eines scharfen Anstiegs der Rendite in den vergangenen Tagen mit 1,42 Prozent. Die vergleichbare italienische Anleihe wird dagegen mit 2,03 Prozent gehandelt – obwohl Italiens Bonität mit „BBB“ um nicht weniger als fünf Stufen höher eingeschätzt wird.

          ALBANIEN 15/20

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          Auch Mazedoniens 2021 fällige Staatsanleihe hat mit einer Rendite von zuletzt 1,45 Prozent einen Bonus bei Investoren, ebenso wie Montenegro bei 1,67 Prozent.

          Offenbar honoriert der Rentenmarkt Länder mit einem klaren Beitrittsziel. Der Aufstieg in den größten Binnenmarkt der Welt und das Potential für den Zugang zum regionalen Entwicklungsfonds sorgt für ein Streben, die Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen, und das heißt Haushaltsdefizite zu begrenzen und die Schulden auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Genau das aber erhoffen sich Anleiheinvestoren von Italien derzeit am allerwenigsten.

          MAZEDONIEN 15/20 REGS

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          Albanien beabsichtigt, im September zum ersten Mal seit drei Jahren eine neue Anleihe zu begeben. Die Nachfrage wird unter diesen Umständen sehr optimistisch eingeschätzt, allzumal das Volumen höchstens 500 Millionen Euro betragen soll. Für den Anleihenmarkt ist es wenig, für Albanien, das zu den ärmsten Länder Europas  gehört, viel. Doch mit den Erlösen soll hauptsächlich die 2020 fällige Anleihe abgelöst werden. Denn diese 200 Millionen Euro werden noch mit 5,75 Prozent verzinst und das Land macht sich berechtigte Hoffnungen, die neue Anleihe zu deutlich besseren Konditionen begeben zu können.

          Aufgrund des geringen Angebots an Anleihen aus der Region dürfte sie sich zudem einer regen Nachfrage am Sekundärmarkt erfreuen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg will Albanien eine längere Laufzeit erreichen, wohl sieben Jahre, so wie es Mazedonien und Montenegro in diesem Jahr schon getan haben. Das würde auf eine Rendite von etwa 3,4 Prozent hindeuten.

          MONTENEGRO 15/20 REGS

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          Das wäre dann allerdings doch deutlich höher als das, was italienische Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit derzeit abwerfen, nämlich 3 Prozent. Das zeigt, dass der Rentenmarkt durchaus differenziert. So scheint er die Beitrittsperspektive als eher kurzfristige Angelegenheit aufzufassen. Denn sollte die Mitgliedschaft nicht kommen, könnten die Bemühungen der Regierungen erlahmen. Kommt diese aber, ist denkbar, dass die Begeisterung in einigen Jahren verflogen ist und die Haushaltsdisziplin dann nachlässt. Auch Montenegros länger laufende Staatsanleihen zeigen einen Renditeaufschlag gegenüber Italien, Mazedonien notiert pari.

          Die positive Sicht gilt zudem nicht jedem potentiellen Mitgliedsland gleich. Serbiens bis 2021 laufende Dollar-Anleihe rentiert zwar aktuell mit 4,09 Prozent, und damit niedriger als Italiens 2023 fällige Dollar-Anleihe mit 4,67 Prozent. Doch zum einen beträgt der Laufzeitunterschied eben zwei Jahre. Zum anderen spiegelt allein die Tatsache, dass Serbien Dollar-Anleihen emittiert, den Zwiespalt wider, den die serbische Politik gegenüber der EU bisweilen an den Tag legt.

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