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Sinkende Spritpreise : Benzin ist zu Weihnachten billiger geworden

Sinkende Rohölpreise bescheren zu Weihnachten billigeres Benzin. Bild: dpa

Das gibt es auch nicht so oft: Ausgerechnet zur Reisewelle um die Feiertage wird Sprit günstiger. Der Preis für Rohöl schlägt derweil Kapriolen.

          Benzin und Diesel sind in Deutschland zu den Feiertagen günstiger geworden. Das hat der Autoklub ADAC am Donnerstag anhand seiner wöchentlichen Auswertung der Benzinpreise von 14.000 Tankstellen berichtet. Am ersten Weihnachtstag kostete ein Liter Diesel im Durchschnitt in Deutschland 1,264 Euro, das waren 3,3 Cent weniger als vor einer Woche. Für einen Liter Super E10 mussten Autofahrer im Schnitt 1,371 Euro zahlen, das waren 3,3 Cent weniger als vor einer Woche. Auch in der Vorwoche waren die Kraftstoffpreise schon deutlich gesunken. Das ist ungewöhnlich.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In früheren Jahren waren die Preise für Benzin und Diesel zu Weihnachten oft ähnlich gestiegen wie zu den Reisewellen im Sommer oder zu Ostern. Das Bundeskartellamt hatte im Jahr 2011 in einer sogenannten Sektoranalyse gezeigt, dass Kraftstoffe an der Tankstelle zu solchen Anlässen oft bis zu 11 Cent je Liter teurer wurden als noch wenige Tage vorher. Das ist jetzt allerdings ein paar Jahre her. Inzwischen schwanken die Preise an der Tankstelle im Tagesablauf viel stärker als früher; vielleicht haben die Mineralölgesellschaften es deshalb nicht mehr nötig, sich an Feiertagen und Ferien zu orientieren. Das Forschungsinstitut RWI jedenfalls hatte im Sommer eine Studie vorgelegt, die nahelegt, dass der „Ferieneffekt“ beim Benzinpreis grundsätzlich nicht mehr so ausgeprägt ist wie früher.

          Die Rohölpreise sinken

          Einzelne Autobahntankstellen an den Hauptreiserouten in Deutschland haben gleichwohl auch in diesem Jahr an den Feiertagen spürbar mehr verlangt als der Schnitt. Vor diesem Effekt hatte Steffen Bock, der Geschäftsführer des Internetportals Clever-Tanken, vor den Feiertagen gewarnt. An einzelnen Tankstellen etwa an der Ost-West-Reiseroute Autobahn 4 kam es auch wieder dazu, dass bestimmte Kraftstoffsorten vorübergehend ausverkauft waren. Der Mineralölwirtschaftsverband erklärte aber, das seien Ausnahmen gewesen – insgesamt funktioniere die Kraftstoffversorgung jetzt wieder gut.

          Als einen Grund für das insgesamt wieder niedrigere Spritpreis-Niveau führte der ADAC die gesunkenen Rohölpreise an. Im Feiertagshandel über Weihnachten schlug der Rohölpreis zwar Kapriolen, das Niveau ist aber deutlich niedriger als noch vor einigen Wochen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag fiel der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent im Tagesverlauf sogar kurzzeitig unter die Marke von 50 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter), bevor die Entwicklung drehte und zu einem Tagesplus von 9 Prozent führte. Am Donnerstag stand der Preis nachmittags 2,1 Prozent im Minus auf 53,32 Dollar.

          Noch im Oktober hatte Rohöl zeitweise 85 Dollar gekostet, und Analysten hatten einen Anstieg auf 100 Dollar nicht ausgeschlossen, das wäre also das Doppelte von dem gewesen, was zuletzt eintrat. Und das, obwohl die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) gemeinsam mit anderen Ölländern wie Russland am 7. Dezember eine Öl-Förderkürzung angekündigt hat, die eigentlich den Ölpreis hochtreiben sollte. Am Ölmarkt wurde der Preissprung vom Mittwoch mit etwas nachlassenden Ängsten vor einer Konjunkturabkühlung erklärt. An der Börse in New York hatte es starke Kursaufschläge gegeben. Außerdem bewegte der russische Energieminister Alexander Nowak offenbar die Märkte mit Äußerungen, dass er davon ausgehe, dass der Ölmarkt in der ersten Hälfte des kommenden Jahres stabiler sein werde.

          Die Benzinpreise dagegen waren vor allem in der ersten Novemberhälfte extrem hoch gewesen – in Boulevardmedien war vom „Spritpreis-Horror“ die Rede – und haben sich seither etwas normalisiert. Das Niveau entspricht jetzt ungefähr dem des Frühjahrs. Die Mineralölwirtschaft hatte die hohen Preise mit dem Niedrigwasser am Rhein und höheren Transportkosten erklärt. Nun sind allein seit Heiligabend die Pegelstände um mehr als zwei Meter gestiegen, zum Teil gab es Hochwasser-Warnungen. Der ADAC dagegen hatte von Anfang an angenommen, die Ölkonzerne hätten ihre Marge ausgeweitet.

          Beim Heizöl war der Preis schon vor dem Benzinpreis wieder gefallen. Am Donnerstag kosteten 100 Liter bei der Abnahme von 3000 Litern 61,26 Euro. Anfang November hatte der Preis gut 86 Euro betragen. Das Internetportal Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden, resümierte: „Die Heizölpreise beenden das Jahr ungefähr auf dem Preisniveau, auf dem sie im Januar gestartet sind.“

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