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Wissenschaftsverlag : Warum Springer Natures Börsengang ziemlich wagemutig ist

Das Journal „Nature“ gilt als das renommierteste naturwissenschaftliche Fachmagazin der Welt. Bild: EPA

„Springer Nature“ ist ein Wissenschaftsverlag mit großer Tradition. Jetzt geht er an die Börse und will Milliarden einsammeln.

          4 Min.

          Verlage stehen nicht in dem Ruf, die Zukunft zu verkörpern. Weiß doch jedes Kind, dass es gedruckte Werke – seien es nun Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher – schwer haben in digitalen Zeiten, in denen der nächste Informationshappen nur einen Klick entfernt ist. Geradezu wagemutig erscheint darum ein Vorhaben, das der Wissenschaftsverlag „Springer Nature“ in diesen Tagen voller Elan angeht: Das Unternehmen wird aller Voraussicht nach am 9. Mai an die Frankfurter Börse gehen und plant dabei allen Ernstes, mehr Geld einzusammeln als die Fondsgesellschaft DWS bei ihrem Börsengang kurz vor Ostern. Bis zu 1,6 Milliarden Euro will „Springer Nature“ in den nächsten anderthalb Wochen bis zum Börsenstart von Investoren erhalten. Es wäre der zweitgrößte Börsengang des Jahres 2018 nach der Siemens-Tochtergesellschaft Healthineers. Der Anspruch macht staunen: Ist das wirklich die Größenordnung, in der ein Wissenschaftsverlag mitspielen kann?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies kann man sich umso mehr fragen, weil es sich bei „Springer Nature“ nicht etwa um einen weltbekannten Publikumsverlag handelt. Anders als sich vermuten ließe, hat das Unternehmen nämlich rein gar nichts mit dem Axel Springer Verlag („Bild“) zu tun. Es ist aus einem Zusammenschluss zweier Verlagshäuser mit langer Geschichte entstanden, der 2015 stattfand: aus dem Springer Wissenschaftsverlag, 1842 in Berlin gegründet. Und aus der Verlagsgruppe Macmillan Publishers, die von 1843 an in London Bücher mit pädagogischem Inhalt veröffentlichte. Seitdem ist viel passiert: Es lohnt nicht die Mühe, all die Eigentümer aufzuzählen, die die nun zusammengelegten Verlage in dieser langen Zeit gehabt haben.

          Was muss ich als Anleger wissen?

          Wichtig sind aber zwei Dinge. Erstens: Die wohl bekannteste Zeitschrift von „Springer Nature“ ist fester Bestandteil des Firmennamens. Es handelt sich um die Fachzeitschrift „Nature“. Wer hier veröffentlichen darf, zählt zu den führenden Naturwissenschaftlern der Welt. Leichte Lesekost ist das aber nicht: Die aktuelle Ausgabe behandelt die Frage, ob die Gesetze der organischen Chemie neu geschrieben werden müssen.

          Zweitens: Bei den derzeitigen Eigentümern von „Springer Nature“ handelt es sich um eine eigentümliche Mischung. Auf der einen Seite steht mit einem Anteil von derzeit 53 Prozent der Verleger Stefan von Holtzbrinck. Auf der anderen Seite findet sich mit einem Anteil von 47 Prozent eines jener Unternehmen, die in Deutschland häufig als „Heuschrecken“ verunglimpft werden – der Finanzinvestor BC Partners.

          Diese Konstellation zeigt, was ein wesentlicher Grund für den Börsengang ist: Der Finanzinvestor will seine Anteile zu Geld machen – noch ist das Umfeld an den Aktienmärkten dafür günstig, wer weiß schon, wie lange noch. Aber wo bleibt bei all dem die Börsenstory, wie es im Jargon der Analysten heißt? Warum glaubt „Springer Nature“ den Nerv der Anleger zu treffen?

          Er will mit seinem Verlag an die Börse: Daniel Ropers, der Vorstandschef von Springer Nature
          Er will mit seinem Verlag an die Börse: Daniel Ropers, der Vorstandschef von Springer Nature : Bild: Helmut Fricke

          An den Details zum Börsengang, die das Unternehmen in der vergangenen Woche veröffentlichte, kann es auf den ersten Blick nicht liegen. Denn im Börsenprospekt teilt „Springer Nature“ mit, dass von den erhofften Einnahmen zwar wohl lediglich rund 400 Millionen Euro an BC Partners fließen sollen. Die restlichen 1,2 Milliarden Euro aber will das Unternehmen nicht etwa in neue innovative Projekte investieren, wie es Anleger gerne haben. Nein, das Geld soll allein dem Schuldenabbau dienen.

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